Wirtschaft

Was hilft? Die Deutsche Bank will sich retten

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(Foto: imago/Jan Huebner)

Mit Christian Sewing an der Vorstandsspitze will die Deutsche Bank das Ruder nun herumreißen. Ein radikaler Kurswechsel steht bevor.

Nach dem Kursrutsch der Deutsche-Bank-Aktie in Richtung Rekordtief und zahlreichen schlechten Ergebnissen schaut die Konzernführung der Realität ins Auge: kleinere Brötchen backen. Das ist zwar schwer mit dem Selbstverständnis der Bank in Einklang zu bringen - aber kaum mehr zu vermeiden. Zur Einordnung: 2005 hatte der damalige Chef Josef Ackermann von einer Eigenkapitalrendite in Höhe von 25 Prozent geträumt. Von diesem Anspruch ist nicht mehr viel übrig geblieben. Analysten rechnen für dieses Jahr mit lediglich drei Prozent.

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Diese drei Prozent sind mickrig, nicht zuletzt im Vergleich zu Instituten wie BNP Paribas, für das die Analysten 8,2 Prozent vorhersagen. Allerdings dürfte es für die Deutsche Bank schwer werden, selbst diese Marke zu erreichen. Das haben die roten Zahlen der vergangenen drei Jahre wiederholt gezeigt.

Christian Sewing will nun die Kehrtwende und damit das schaffen, was seinen Vorgängern von Ackermann über Anshu Jain und Jürgen Fitschen bis zu John Cryan nicht gelungen ist. Und er meldete sich gleich mit markigen Sprüchen zu Wort. Die Deutsche Bank müsse ihre "Jägermentalität" zurückgewinnen. "Wir wissen, dass wir uns hinsichtlich der Ertrags-, Kosten- und Kapitalstruktur weiter verändern müssen", schrieb er an die Mitarbeiter.

Einige Investoren spekulieren, dass sich Sewing als bisheriger Co-Chef des Privat- und Firmenkundengeschäfts verstärkt auf diesen Bereich fokussieren und damit die Bedeutung des Investmentbankings deutlich zurückdrängen will - damit würde das Geschäft insgesamt künftig deutlich stabiler werden.

Allerdings muss sich Sewing erst einmal mit den Altlasten des Konzerns beschäftigen: das Engagement bei Derivaten, das im vergangenen Jahr auf 48,3 Billionen Euro nach oben geschossen ist. Das ist das 14,8fache der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands. "Wenn der neue Vorstandschef es schaffen will, in den vergangenen Jahren verloren gegangene Kunden zurückzugewinnen, müsste das Derivate-Engagement erheblich reduziert werden", sagt Jochen Stanzl, Chefstratege beim englischen Broker CMC Markets. In den vergangenen Jahren kam die Aktie der Deutschen Bank bei Börsenturbulenzen auch deshalb viel stärker unter Druck als Papiere anderer Geldhäuser.

Hinzu kommt, dass die Bank 2017 im Handelsgeschäft  mit Anleihen, Aktien, Währungen und Rohstoffen merklich Marktanteile, gerade gegenüber den US-Konkurrenten, verloren hatte. Solange das Handelsgeschäft schwächelt, bleibt auch das Investmentbanking weiterhin unter Druck.

Die neue Ära, die Chefkontrolleur Achleitner einfordert, kann eigentlich nur heißen, sich erst einmal weiterhin gesund zu schrumpfen - das dürfte vielen Investoren allerdings gar nicht gefallen. Eine verstärkte Fokussierung weg vom Investmentbanking hin auf das Privat- und Firmenkundengeschäft stellt dabei eine große Herausforderung dar. Viele andere Institute wie die Commerzbank drängen ebenfalls verstärkt in Bereich vor, weshalb der Wettbewerbsdruck zunimmt, was schlecht für die Margen ist. Dass der Gewinn der Sparte der Deutschen Bank seit etlichen Quartalen bei rund 230 Mio. Euro pro Quartal stagniert, spricht Bände.

Trotzdem dürfte Sewing nicht umhinkommen, sich langfristig vor allem auf das Privat- und Firmenkundengeschäft zu fokussieren. Nur wenn dieser Bereich erfolgreich ist, bekommt die Bank ein einigermaßen stabiles Geschäftsmodell. Davon ist sie mit der derzeit hohen Abhängigkeit vom Investmentbanking weit entfernt.

Sewing dürfte dem Konzern eine Radikalkur verordnen, um die Baustellen zu beheben und aus der Misere zu kommen. Sein Erfolg wird allerdings nicht zuletzt davon abhängen, wie sich der Kapitalmarkt weiterentwickelt. Aktionäre sollten sich daher darauf einstellen, dass der Umbau ein Marathonlauf werden dürfte. Dennoch könnte der Vorstandswechsel dazu führen, dass sich die Aktie zumindest kurzfristig weiter erholt.

Quelle: n-tv.de

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