Wirtschaft

Solidarität mit Mexiko gegen Trump "Die EU muss ein Zeichen setzen"

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Derzeit trennt noch ein Grenzzaun die USA und Mexiko.

(Foto: imago/Xinhua)

Der neue US-Präsident Donald Trump macht ernst mit seinem Wahlkampfversprechen, eine Mauer und hohe Handelsbarrieren zum Nachbarland Mexiko zu errichten. Das kann uns Europäer nicht kalt lassen, sagt Dennis J. Snower. Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel fordert im Interview mit n-tv.de konkrete Schritte der Solidarität mit Mexiko. Die auf Regeln basierende internationale Ordnung sei in Gefahr.

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IfW-Präsident schlägt vor, die EU solle aus Solidarität Zölle für mexikanische Produkte senken.

(Foto: picture alliance / dpa)

n-tv.de: Donald Trump droht Mexiko mit einer massiven Importsteuer und anderen protektionistischen Maßnahmen. Wie sollten Deutschland und EU darauf reagieren?

Dennis J. Snower: Es sollte eine gemeinsame Erklärung von EU-Spitzenpolitikern geben. Sie sollte zum Ausdruck bringen, dass solch räuberisches Verhalten gegenüber einem Land, das mit den USA ökonomisch und wirtschaftlich über Jahrzehnte kooperiert hat, völlig unakzeptabel ist. Man sollte darauf bestehen, dass wirtschaftliche Beziehungen auf globalen Handelsregeln und liberalen Prinzipien basieren. Man könnte auch als symbolische Gegenmaßnahme die Zölle für mexikanische Güter senken.

Was geht uns das eigentlich an? Sollten unsere Politiker nicht einfach für Deutschland und die EU den bestmöglichen Deal bei Trump herausholen?

Die EU ist schon alleine dadurch unmittelbar betroffen, dass auch europäische Unternehmen in Mexiko produzieren und einen Teil der dort produzierten Produkte - zum Beispiel Autos - in die USA exportieren. Das heißt, diese Unternehmen würden einen unmittelbaren Schaden erleiden. Viel wichtiger ist aber, dass von anderen Nationen oder Gemeinschaften wie der EU Zeichen gesetzt werden, dass sie Trumps Spiel nicht mitmachen, einzelne Staaten oder Firmen herauszupicken und zu sanktionieren. Lauter einzelne Handelsabkommen wären immens ineffizient und würden den globalen Handel lähmen. Da heutzutage dank globaler Lieferketten Produkte in einer internationalen Arbeitsteilung hergestellt werden, wäre es, als ob man lauter hinderliche Wände durch eine Fabrik ziehen würde.

Die auf internationalem Recht basierende liberale Weltordnung ist hier in Gefahr. Präsident Trump beginnt Schritte zu implementieren, die nur mit dem Recht des Stärkeren kompatibel sind. Es dauert sehr lange, regelbasierte internationale Beziehungen aufzubauen. Wir müssen diese Prinzipien nun verteidigen.

Premierministerin Theresa May hat Trump gerade einen bilateralen Deal mit Großbritannien angeboten. Wie beurteilen Sie das vor dem Hintergrund der von Ihnen geforderten Solidarität?

Diese Strategie ist brandgefährlich für Großbritannien. Das Land würde sich damit von einem Partner abhängig machen, der derzeit alles andere als berechenbar ist. Die Aufgabe der Briten wäre es, sich als Anwälte globalen und fairen Handels zu verhalten. May sollte hier lieber den Schulterschluss mit Europa suchen als auf kurzfristige Vorteile einer Handelskooperation mit den USA zu schielen.

Wenn die führenden Handelsnationen geschlossen gegenüber den USA auftreten und sich auch mit kleineren Ländern solidarisch verhalten, dann können sie Trump vielleicht beeinflussen. Aber ist das nicht völlig unrealistisch angesichts der unterschiedlichen Interessenlagen etwa in der EU, China oder Japan?

Die Interessen dieser Länder unterscheiden sich in dieser Hinsicht nicht. Alle Länder profitieren von einer an Regeln orientierten internationalen Ordnung. Dem willkürlichen Einsatz von Macht in ökonomischen und politischen Beziehungen muss entgegengewirkt werden, sonst wird die Welt in ein ähnliches Chaos versinken wie in der Zwischenkriegszeit im vergangenen Jahrhundert. Deutschland hat mit der diesjährigen G20-Präsidentschaft eine große Chance, mäßigend und vermittelnd auf die internationale Gemeinschaft einzuwirken und für die Bedeutung globaler Kooperation zu werben. Wenn die Bundesregierung diese Rolle selbstbewusst ausfüllt, kann sie auch für eine Regierung Trump ein einflussreicher Gesprächspartner werden.

Die Fragen an Dennis J. Snower stellte Max Borowski

Quelle: ntv.de