Wirtschaft

Führungswechsel bei RWE und Eon Die Revolutionäre der Energieriesen treten ab

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Aus den Rivalen RWE und Eon wurden Partner bei der Beherrschung des deutschen Energiemarktes.

(Foto: dpa)

Gemeinsam haben die Chefs von RWE und Eon die deutsche Energiebranche komplett umgekrempelt und die Dominanz ihrer Konzerne ausgebaut. Nun nehmen sie fast zeitgleich Abschied.

Es könnte wie abgesprochen wirken. Nahezu zeitgleich räumen die Chefs der beiden größten deutschen Energiekonzerne Eon und RWE, Johannes Teyssen und Rolf Martin Schmitz, ihre Sessel. Der 61-jährige Teyssen tritt zum 1. April ab, der 63 Jahre alte Schmitz gibt seinen Posten Ende kommenden Monats auf. Die beiden Manager haben die deutsche Strombranche umgekrempelt und aus Erzrivalen ziemlich beste Freunde gemacht.

Mit den Geschäftszahlen für das vergangene Jahr legen sie jetzt die Bilanz ihrer Umbauarbeiten vor. Heute hat RWE sein Zahlenwerk präsentiert, Eon zieht am Donnerstag kommender Woche nach. In einem spektakulären Coup hatten Teyssen und Schmitz die Geschäftsfelder der beiden Dax-Konzerne neu verteilt. Eon konzentriert sich jetzt ganz auf die Netze und den Verkauf von Strom und Gas. Die Digitalisierung der Energiewende soll das neue Erfolgsmodell werden.

RWE ist zum reinen Stromerzeuger und -händler mutiert - noch auf längere Zeit mit seinen Braunkohlekraftwerken im Rheinland, zunehmend aber auch mit Wind- und Solarparks in aller Welt. In die Quere, wie früher, kommen sich die Energieriesen deshalb nicht mehr. RWE ist sogar größter Anteilseigner von Eon geworden.

Kleinere Versorger sehen das mit Sorge. Eon und RWE könnten "mittelständische Wettbewerber aus dem Markt drängen", warnen sie. Mit zwei Klagen vor dem Gericht der Europäischen Union versuchen sie deshalb, die Genehmigung des Deals durch die Brüsseler Kommission nachträglich zu Fall zu bringen. Auch das Bundeskartellamt hat RWE im Visier. Die Wettbewerbshüter sehen den Konzern bei der Stromerzeugung "nahe an einer marktbeherrschenden Stellung".

Ungleiche Kursentwicklung

An der Börse wird RWE als der Gewinner des ziemlich genau vor drei Jahren bekannt gegebenen Deals mit Eon gesehen. Während die Eon-Aktie bleischwer bei ihrem damaligen Kursniveau liegt, ist der Preis für RWE-Papiere seitdem um rund 80 Prozent gestiegen. Beim Börsenwert hat RWE inzwischen Eon eingeholt.

Teyssen, der seit mehr als einem Jahrzehnt an der Eon-Spitze steht, galt als treibende Kraft hinter dem Coup. Man habe einen der "kreativsten Gestaltungsdeals der deutschen Industriegeschichte" abgeschlossen, hatte er die Vereinbarung mit RWE gelobt. Sie war aber wohl auch das Eingeständnis, dass die Finanzkraft des früher einmal wertvollsten börsennotierten Konzerns in Deutschland nicht mehr ausreichte, um Ökostrom- und Netzausbau gleichzeitig zu schultern.

Für Schmitz bot der Deal die Chance, das Schmuddel-Image von RWE als Braunkohle-Verbrenner abzulegen. Beinahe im Wochenrhythmus verkündet RWE seitdem neue Ökostromprojekte. Ein schwimmendes Windrad vor der spanischen Atlantikküste, Solarmodule auf einem See in den Niederlanden oder Lenkdrachen zur Stromproduktion in luftiger Höhe - die neue RWE präsentiert sich grün und innovativ. Schon jetzt zählt RWE zu den weltweit führenden Anbietern von Ökoenergie.

Grüner Schein und graue Wirklichkeit

Die aktuellen Zahlen spiegeln den angestrebten Wandel noch nicht so recht wider. Im vergangenen Jahr kam gerade ein Fünftel des von RWE erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Umweltschützer sehen den Konzern deshalb als "Dinosaurier" der Klima- und Umweltpolitik. Auch den größte Staatsfonds der Welt, der norwegische Ölfonds, überzeugte der eingeleitete Wandel nicht, er verkaufte seine RWE-Anteile wegen der Kohleaktivitäten der Essener.

Zum Buhmann der Klimaaktivisten brachte es RWE-Chef Schmitz vor allem im Ringen um den Erhalt des Hambacher Forsts. "Es gibt keine Chance, den Wald stehen zu lassen", gab sich der in Mönchengladbach am Rande des Braunkohlereviers geborene Ingenieur lange beinhart. Am Ende wurde der Erhalt des umkämpften Walds im Kohleausstiegsgesetz festgeschrieben, RWE bekam eine Entschädigung von 2,6 Milliarden Euro für das Braunkohle-Aus zugesagt. Kritiker nennen das ein Milliardengeschenk. RWE hält dem entgegen, dass die tatsächlichen Kosten mit 3,5 Milliarden Euro deutlich höher als die Entschädigung seien.

Es ist nicht die einzige Zahlung aus der Staatskasse, die Schmitz auf der Zielgeraden seiner Amtszeit dem Unternehmen sichern konnte. Für das vorzeitige Abschalten von zwei Steinkohlekraftwerken erhält RWE 216 Millionen Euro, bei Atomausstieg fließen 880 Millionen in die Kasse des Energiekonzerns.

Die Nachfolger von Schmitz und Teyssen kommen aus dem eigenen Haus. Bei RWE übernimmt der bisherige Finanzvorstand Markus Krebber das Ruder. Krebber, seit 2016 im RWE-Vorstand, wirkt wie ein Gegenmodell zum Strommann Schmitz, der in seiner Kariere für so ziemlich alle großen Energieversorger gearbeitet hat. Der künftige RWE-Chef ist ausgebildeter Bankkaufmann und über die Unternehmensberatung McKinsey und die Commerzbank 2012 zu den Essenern gekommen.

Auch der künftige Eon-Chef Leonhard Birnbaum hat seine berufliche Laufbahn bei McKinsey begonnen. Der gebürtige Ludwigshafener, der auch die italienische Staatsangehörigkeit besitzt, ist aber vor allem ein Manager mit RWE-Vergangenheit, wo er bereits als möglicher Vorstandschef galt. Als dort die Wahl auf einen anderen fiel, wechselte Birnbaum 2013 zu Eon in den Vorstand. Jetzt hat der passionierte Bergsteiger im zweiten Anlauf den Gipfel erreicht.

Quelle: ntv.de, Claus Haffert, dpa

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