Wirtschaft

Zehn Jahre Bau-Blamage Die beschämende Geschichte des BER

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5. September 2006: Sechs Männer in Feierlaune. Doch der Kater lässt nicht lange auf sich warten.

(Foto: dpa)

Der erste Spatenstich für den neuen Hauptstadtflughafen ist am 5. September 2006. Zehn Jahre später ist der BER noch immer nicht fertig und ein Ende der Baublamage nicht in Sicht. Eine Geschichte, die peinlicher kaum sein könnte.

Sechs fröhliche Männer in dunklen Anzügen buddeln im September 2006 symbolisch mit Spaten im Sand. Darunter Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck, Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Die Stimmung ist beschwingt, denn schließlich soll das der Anfang einer Erfolgsgeschichte namens BER sein. 2011 soll der Großflughafen in Betrieb gehen. Doch was folgt, ist eine absurde Liste von Baumängeln und Planungsfehlern – die bis heute nicht kürzer werden will.

Bereits vor dem ersten Spatenstich hatte es der neue Flughafen nicht leicht: das Gezerre um den Standort, die Klage von tausenden Anwohnern, die gescheiterte Vergabe des Baus an ein privates Konsortium, ein zeitweiliger Baustopp. Doch so schwierig die Zeit vor dem Bau war, so glänzend sollte die Zukunft sein.

Diese Illusion wird im Juni 2010 zerstört. Aufgrund der Pleite der Planungsfirma für den Innenausbau des Terminals und neuer EU-Sicherheitsrichtlinien für die Gepäckkontrolle wird verkündet, dass der Eröffnungstermin im Oktober 2011 nicht stattfinden wird. Berlins damaliger Bürgermeister Klaus Wowereit gibt sich zuversichtlich und nennt den 3. Juni 2012 als neues Eröffnungsdatum. Doch nur vier Wochen vorher wird der Termin erneut verschoben. Das Problem ist diesmal der Brandschutz. Neuer Eröffnungstermin: Der 17. März 2013.

Zehntausende Baumängel waren nur der Anfang

Während die Zahl der Baumängel steigt, rollen die ersten Köpfe. Am 1. Juni 2012 wird Flughafen-Technik-Chef Manfred Körtgen gefeuert. Heute sagt Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller dazu: "Mit dem Wissen von heute war es ein Fehler, die Generalplaner vom Flughafen zu entlassen. Dadurch musste 2012 praktisch bei null angefangen werden."

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Die Tore bleiben weiterhin geschlossen - zu viele Mängel müssen im neuen Flughafen BER noch bereinigt werden.

(Foto: dpa)

Gut zwei Milliarden Euro sollte der Großflughafen kosten. Doch die waren bereits im Januar 2013 ausgegeben - die Kosten auf stolze 4,3 Milliarden Euro gestiegen. Nach einer veröffentlichten Liste der Baumängel wundert dies keinen mehr: Zehntausende Baumängel werden dort aufgeführt, darunter bröckelnde Parkhäuser und nicht isolierte Kühlleitungen. Geplant wurden auch zu wenige Check-In-Schalter und Gepäckbänder, die Brandschutzanlage macht ebenfalls Probleme. "Es ist dramatisch, es ist ein Desaster", sagte damals der Aufsichtsratschef Platzeck. Auch der neue Termin 27. Oktober 2013 platzt.

Auf die nächsten 10 Jahre!

Zu diesem Zeitpunkt ist BER bereits zum internationalen Gespött geworden. Neuer Eröffnungstermin? Nicht in Sicht, keiner will sich mehr festlegen. Nachdem der Flughafen im August 2013 einen Antrag für den Umbau des Nordpiers für die Teileröffnung eingereicht hat, ist klar, dass der Probebetrieb frühestens Herbst 2014 beginnen kann.

Dann folgt die nächste Pleite: Der Gebäudetechnik-Austrüster Imtech geht insolvent. Flughafenchef Karsten Mühlefeld gibt zu, dass eine Baufertigstellung nicht bis März 2016 gelingen wird. Kurz darauf müssen 600 Brandschutzwände eingerissen und erneuert werden. In Treppenhäusern, Büros und Aufzügen wurden die Glasbeton-Steine falsch verarbeitet.

Derweil gilt auch die geplante Eröffnung Ende 2017 als unrealistisch. Denn eine wichtige Genehmigung des zuständigen Bauordnungsamtes steht weiterhin aus. Ungelöst ist im Falle eines Brandes das Problem des Rauchabzugs am Übergang zwischen Terminal und dem unterirdischen Flughafen-Bahnhof. Die jüngsten Kostenschätzungen für das Projekt liegen mittlerweile bei weit über fünf Milliarden Euro.

Und wann wird der BER nun eröffnet? "Unser Ziel ist weiterhin die Inbetriebnahme Ende 2017", sagt Flughafen-Sprecher Lars Wagner. "Dazu besteht nach wie vor die Chance." Sein Vorgänger hatte es anders ausgedrückt: "Kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen." Daraufhin wurde er gefeuert.

Quelle: n-tv.de

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