Satelliten und KI Diesen Mega-Börsengängen fiebern Anleger entgegen

In den USA stehen drei Blockbuster-Börsengänge vor der Tür. Elon Musks SpaceX sowie die beiden KI-Pioniere OpenAI und Anthropic treiben ihre Pläne voran. Schon jetzt gehören die Firmen zu den wertvollsten der Welt.
Goldman Sachs zufolge könnten Börsenaspiranten bei Investoren insgesamt 160 Milliarden Dollar einsammeln. Knapp die Hälfte dieser Summe wird wohl an SpaceX gehen, die Raumfahrtfirma des Milliardärs Elon Musk. Mit OpenAI und Anthropic stehen aber auch zwei wichtige Entwickler von Künstlicher Intelligenz (KI) vor dem Sprung auf das Börsenparkett, die Schätzungen zufolge auf ein Emissionsvolumen von zusammengerechnet etwa 50 Milliarden Dollar kommen werden.
SpaceX
SpaceX hat einen Antrag für einen Börsengang in den USA gestellt, im Juni soll es so weit sein. Musk strebt beim Börsengang eine Bewertung von 1,75 Billionen Dollar an. Damit wäre SpaceX schon zum Börsenstart eines der zehn wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt und würde noch vor Musks Autobauer Tesla rangieren. Das Unternehmen wird derzeit mit knapp 1,5 Billionen Dollar bewertet.
SpaceX ist die weltweit größte privatwirtschaftliche Weltraumfirma. Das 2002 gegründete Unternehmen absolviert pro Jahr mehr Missionen als sämtliche anderen staatlichen und privaten Anbieter zusammengerechnet. 2025 waren es 165 Starts der wiederverwendbaren Rakete "Falcon 9". Zu den Kunden gehören neben der US-Weltraumbehörde Nasa das US-Verteidigungsministerium und private Satellitenbetreiber.
SpaceX arbeitet zudem an "Starship". Die Kombination aus Schwerlastrakete und Raumkapsel soll künftig Menschen und Fracht zum Mond und zum Mars fliegen. Musk plant darüber hinaus ein KI-Rechenzentrum im All, das aus einer Flotte von einer Million solarbetriebenen Kleinsatelliten besteht.
Zu SpaceX gehört auch Starlink. Das Tochterunternehmen ist der weltweit größte Anbieter von Weltraum-Kommunikation mit mehr als 10.000 aktiven Satelliten und gut zehn Millionen Nutzern. Das profitable Geschäft steuert etwa 50 bis 80 Prozent zum Konzernumsatz bei.
In dem Unternehmen hat Musk sein Satelliten-Geschäft mit dem KI-Chatbot "Grok" und der Social-Media-Plattform X (ehemals Twitter) gebündelt. Die milliardenschweren Investitionen in das Geschäft mit Künstlicher Intelligenz haben 2025 die Gewinne des satellitengestützten Starlink-Internets aufgefressen, unter dem Strich standen fast fünf Milliarden Dollar Verlust.
Das angepeilte Emissionsvolumen von 75 Milliarden Dollar würde den bisherigen Weltrekord des Ölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um das Dreifache übertreffen. Experten trauen SpaceX eine Marktkapitalisierung von 1,75 Billionen Dollar zu. Das Unternehmen will Insidern zufolge bis zu 30 Prozent der ausgegebenen Aktien für Kleinanleger reservieren. Das ist etwa dreimal mehr als üblich.
Zur Vorbereitung des Börsengangs fusioniert Musk seine Weltraumfirma mit dem KI-Entwickler xAI. Mit einem Gesamtvolumen von 1,25 Billionen Dollar ist dieser Zusammenschluss der größte der Geschichte.
OpenAi
Der Börsengang des ChatGPT-Entwicklers wird bis zum Ende des Jahres erwartet. Dabei könnte OpenAI mit bis zu einer Billion Dollar bewertet werden - derzeit bringen weltweit nur ein Dutzend Unternehmen ein solches Gewicht auf die Börsenwaage.
Um für Investoren attraktiver zu werden, hat sich OpenAI in eine sogenannte Public Benefit Corporation (PBC) umgewandelt. In dieser Gesellschaftsform sollen Gewinnorientierung und die Einhaltung sozialer Ziele austariert werden. Zudem hat die gemeinnützige Organisation OpenAI die Kontrolle über die gewinnorientierte OpenAI LP, die die KI-Entwicklung vorantreibt, abgegeben.
OpenAI hatte vor wenigen Wochen bei der größten Finanzierungsrunde in der Geschichte des Silicon Valley 122 Milliarden US-Dollar eingesammelt - noch vor dem geplanten Blockbuster-Börsengang des Unternehmens. Der Deal bewertet Open Ai mit 852 Milliarden US-Dollar.
Zugleich verschaffte sich der KI-Pionier damit einen größeren Zugang zu Privatanlegern. Denn im Rahmen der Finanzierung kamen über Banken mehr als 3 Milliarden Dollar von vermögenden Investoren herein. Mehrere der von Tech-Investorin Cathie Wood geführten börsengehandelten Fonds (ETFs) nahmen OpenAI in ihr Portfolio auf.
Der Deal zeigt, wie der ChatGPT-Entwickler seine Aktionärsbasis vor dem geplanten Börsengang diversifiziert, besonders bei Privatanlegern, die darauf aus sind, an einigen der begehrtesten Namen des KI-Booms beteiligt zu sein.
Derweil haben sich Amazon, Nvidia und Softbank haben sich mit 110 Milliarden Dollar an der Finanzierungsrunde beteiligt. Weiteres Kapital stammt von Investmentfirmen aus dem Silicon Valley und von der Wall Street. OpenAI verfügt damit über ein erhebliches finanzielles Polster, um weiterhin aggressiv in KI-Chips für Forschung und Produkte zu investieren
Anthropic
Auch der OpenAI-Rivale Anthropic bereitet seinen Börsengang vor - versichert jedoch, dass noch keine finale Entscheidung gefallen sei. Der Entwickler des Chatbots "Claude" ist derzeit das KI-Unternehmen, dass für die meisten Schlagzeilen sorgt.
Anfang des Jahres veröffentlichte Anthropic Zusatzmodule für den Einsatz bei Geschäftskunden. Dies schürt Spekulationen, dass maßgeschneiderte Software von Anbietern wie SAP oder Salesforce überflüssig werden könnten.
Nun sorgt das KI-Modell "Claude Mythos" mit verbesserten Fähigkeiten zum Aufspüren und Ausnutzen von Schwachstellen in Betriebssystemen und anderen Programmen für Aufsehen. Die Vorabversion wird nur einen kleinen Kreis von Unternehmen zur Verfügung gestellt, um Schwachstellen aufzuspüren - darunter Apple, Microsoft, Google, Nvidia. Auch Cybersecurity-Spezialisten und Wall-Street-Banken haben Zugang. Nach Angaben von Anthropic hat das Modell Tausende schwerwiegende Sicherheitslücken in weit verbreiteter Software identifiziert. Befürchtet wird, dass "Claude Mythos" in die falschen Hände gerät und als Cyberwaffe verwendet wird.
Zudem wird Anthropic von der US-Regierung unter Druck gesetzt. Das Verteidigungsministerium stuft das Unternehmen als Sicherheitsrisiko ein. Der Grund: Das Startup weigert sich, seine KI für autonome Waffen und zur Massenüberwachung in den USA zuzulassen. Anthropic kündigte Klage gegen die Entscheidung der US-Regierung an.
Wenige Tage nach einem Treffen des Anthropic-Chefs Dario Amodei mit hochrangigen Regierungsvertretern kann sich der KI-Entwickler wieder Hoffnungen auf Staatsaufträge machen. "Wir hatten gute Gespräche", sagte US-Präsident Donald Trump vor wenigen Tagen. Das Startup befinde sich "auf einem guten Weg", und er sei offen für einen Deal.
Trumps versöhnliche Töne kommen für Anthropic zu einem kritischen Zeitpunkt. Einem Medienbericht zufolge wollen einige Investoren vorher noch vor dem Börsengang bei Anthropic einsteigen. Bei einer solchen Finanzierungsrunde würde sich die Bewertung im Vergleich zu Februar auf 800 Milliarden Dollar verdoppeln. Anthropic lehne diese Geldspritzen bislang aber ab.