Wirtschaft

Überraschende Entscheidung Diess soll bis 2025 VW-Konzernchef bleiben

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Seit 2018 steht Herbert Diess an der Spitze des VW-Konzerns.

(Foto: REUTERS)

Er steht für den Umbau der VW-Gruppe hin zu E-Mobilität und Digitalisierung: Herbert Diess soll nun noch weitere Jahre an der Spitze des Konzerns bleiben. Er erhält einen Vertrag bis 2025. Das Bekenntnis zu Diess zu so einem frühen Zeitpunkt dürfte manchen Branchenkenner überraschen.

Herbert Diess soll bis zum Herbst 2025 Konzernchef von Volkswagen bleiben. Das wurde nach Beratungen des Aufsichtsrates bekannt. Der Topmanager solle einen neuen Vertrag über rund vier weitere Jahre erhalten, hieß es aus dem Kontrollgremium. Bisher war Diess bis zum Frühjahr 2023 als Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Autobauers bestellt. Formal handelt es sich jetzt um einen neuen Kontrakt, der bis zum Oktober 2025 laufen soll.

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Die Festlegung auf den früheren BMW-Entwicklungschef, der im Sommer 2015 zunächst als Leiter der Kernmarke zu Volkswagen gewechselt war, dürfte zum augenblicklichen Zeitpunkt so manchen in der Branche überraschen. Im vergangenen Jahr hatte es noch hitzige Diskussionen über eine mögliche vorzeitige Vertragsverlängerung gegeben, die Diess nach Darstellung mehrerer Insider aus dem Konzernumfeld selbst eingefordert haben soll. Üblicherweise wird auch in Wolfsburg erst ab einem Jahr vor dem Auslaufen über eine Fortsetzung verhandelt. Ende Oktober 2025 wird Diess 67 Jahre alt sein.

Die nun getroffene Vereinbarung gilt als Bekenntnis der Eigentümer zu seinem Kurs. Er baut die Volkswagen-Gruppe umfassend in Richtung Elektromobilität und Digitalisierung um. In neue Modelle, mehr Vernetzung, eigene Software-Technologien und CO2-ärmere Produktion fließen Milliarden.

Aufsichtsräte fühlten sich unter Druck gesetzt

Diess soll im vorigen Jahr dem Vernehmen versucht haben, eine Verlängerung seines Vertrags weit vor der üblichen Entscheidungsreife durchzudrücken. Weil der Zeitpunkt aus Sicht mehrerer Aufsichtsräte offiziell gar nicht zur Debatte stand, blitzte der gern forsch und zupackend auftretende Manager mit seinem Ansinnen vorerst ab. Einige Kontrolleure fühlten sich durch Bestrebungen, die Agenda ihrer Beratungen zu beeinflussen, unzulässig unter Druck gesetzt.

Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch musste zwischenzeitlich etliches an Vermittlungsarbeit leisten. Zur Bekanntgabe des neuen Vertrages meinte er nun: "Der Aufsichtsrat sieht auch in den kommenden Jahren unter der Leitung von Dr. Diess beste Voraussetzungen für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung des gesamten Unternehmens, insbesondere mit Blick auf die Strategie 2030." Die von Diess maßgeblich mit ausgearbeitete Gesamtausrichtung für die nächsten neun Jahre soll am Dienstag näher vorgestellt werden.

Diess wird im Konzern und in weiten Teilen der Autoindustrie für seine Entschlossenheit zur Transformation des größten deutschen Unternehmens geschätzt. Zugleich rieb er sich wiederholt in Streitereien mit dem mächtigen Ex-Betriebsratschef und -Aufseher Bernd Osterloh auf. Das Tempo des Umbaus einschließlich der Streichung einiger Tausend Jobs stieß in der Belegschaftsvertretung immer wieder auf Kritik. Hinzu kam Diess' Umgang mit der steigenden Arbeitsbelastung an den Fertigungslinien sowie technischen Pannen bei der Einführung der wichtigen Volumenmodelle Golf 8 und ID.3. Er erklärte seinerseits, verkrustete Strukturen aufbrechen zu wollen.

Eklat im Sommer 2020

Die Auseinandersetzungen schaukelten sich im Sommer 2020 zu einem Eklat hoch, als der Vorstandschef Mitgliedern des Aufsichtsrats strafbares Verhalten und "fehlende Integrität" durch Indiskretionen vorwarf. Später entschuldigte er sich. Auf der anderen Seite stärkten Fürsprecher dem Manager den Rücken und betonten, Volkswagen dürfe mitten im Umbau nicht vorschnell auf anderes Führungspersonal setzen.

Osterloh ist seit Anfang Mai nicht mehr in Wolfsburg, er ging als Personalchef zur VW-Nutzfahrzeug-Holding Traton nach München. Seine Nachfolgerin an der Spitze des Betriebsrats sowie im Präsidium des VW-Aufsichtsrates, Daniela Cavallo, hatte angekündigt, die Interessen der Arbeitnehmerschaft genauso entschlossen vertreten zu wollen.

Quelle: ntv.de, kst/dpa

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