Wirtschaft

Europäische Small Caps auf Erfolgsspur Drei Nebenwerte, die einen Blick lohnen

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Auch am Rande des Beckens gibt es Attraktives zu entdecken.

(Foto: REUTERS)

Nebenwerte waren 2013 die absoluten Spitzenreiter an den internationalen Aktienmärkten. Ralf von Ziegesar, Focam AG, rechnet damit, dass 2014 die Musik vor allem bei europäischen Small Caps spielt und stellt drei Paradebeispiele vor.

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Ralf von Ziegesar ist bei der Focam AG als Chief Investment Officer (CIO) für die generelle Anlagestrategie verantwortlich.

Im vergangenen Jahr erzielten auf nordamerikanische Nebenwerte fokussierte Aktienfonds einen Wertzuwachs von durchschnittlich 32 Prozent. Damit schnitten sie besser als jede andere Fondsgattung ab. Nach einer Analyse von Feri Eurorating belegten Fonds mit den Anlageschwerpunkten deutsche, japanische, europäische und weltweite Nebenwerte zudem die Spitzenplätze drei bis sechs. Am schlechtesten liefen dagegen auf Goldminen fokussierte Aktienfonds.

Im laufenden Jahr spricht einiges dafür, dass sich Nebenwerte erneut überdurchschnittlich gut entwickeln werden. Kleine und mittelgroße Unternehmen weisen insgesamt eine höhere Sensitivität gegenüber der Konjunktur auf als große Konzerne. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet 2014 mit einem globalen Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent. Im kommenden Jahr ist nach der IWF-Prognose sogar ein Plus von 3,9 Prozent drin. Dazu kommt, dass die Zahl und Volumina von Übernahmen und Firmenzusammenschlüssen steigen. Angesichts der wachsenden Weltwirtschaft kaufen sich große Konzerne gerne Umsätze dazu und erwerben sehr oft Unternehmen aus der zweiten Reihe. Auch Finanzinvestoren sind wieder so aktiv wie schon lange nicht mehr. Die generellen Rahmenbedingen stimmen also für Nebenwerte.

Markt für Stock Picker

An den Aktienmärkten gibt es deutlich mehr Small als Large Caps. Die größeren Auswahlmöglichkeiten erhöhen die Chancen, durch ein gezieltes Stock Picking, den breiten Markt zu schlagen. Außerdem werden die meisten Nebenwerte von den Unternehmensanalysten kaum oder gar nicht beachtet. Die geringe Coverage ermöglicht es, Marktineffizienzen zu erkennen und zu heben.

Regional betrachtet sind vor allem europäische Nebenwerte aussichtsreich. Gemessen am MSCI Europe Small Caps kommen sie zurzeit auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 (2014e). Damit sind sie deutlich günstiger als amerikanische Small Caps bewertet. Das KGV des Russel 2000, der 2000 US-amerikanische Small Caps umfasst, liegt immerhin im Bereich von 23 (2014e). Im Vergleich zu den Nebenwerten aus den Schwellenländern sind europäische Firmen zudem weniger von den Kapitalflüssen von internationalen Investoren abhängig. Diese hatten 2013 aus den Emerging Markets umfangreich Mittel abgezogen, was für deutliche Kursverluste gesorgt hat. Aktienfonds mit Anlagenschwerpunkt Emerging Markets verloren nach Feri-Angaben 2013  immerhin 4,8 Prozent an Wert.

Für europäische Nebenwerte verlief 2014 der Start bereits erfolgreich. Seit Jahresanfang stiegen sie durchschnittlich um  1,6 Prozent. Bei der Auswahl von aussichtsreichen Einzelwerten sollten Anleger Unternehmen mit einem soliden Management, stabilen Barmittelzuflüssen und guten Gewinnentwicklungen bevorzugen.

Gerry Weber

Ein Paradebeispiel für eine unternehmerisch erfolgreich geführte Aktiengesellschaft ist Gerry Weber. Bei dem Hersteller von Damenmode ist Unternehmensgründer und Vorstandschef Gerhard Weber mit gut 29 Prozent der Anteile Mehrheitsaktionär. Seit Jahren wächst das Unternehmen durch neue Geschäfte, Franchisenehmer und sogenannte Shop-in-Shops, also eigenen Verkaufsflächen in Kaufhäusern. Die höchsten Zuwachsraten verzeichnet der Modespezialist aber im Handel über das Internet. Hier will Gerry Weber durch neue E-Commerce-Shops auch international weiter expandieren. In den zurückliegenden fünf Jahren steigerte das Unternehmen den Umsatz um rund 40 Prozent und verdoppelte den Gewinn.

Wincor Nixdorf

Wincor Nixdorf zählt zu den international führenden Spezialisten im Bereich IT-Lösungen für Banken und Handelsunternehmen. Bei Geldautomaten sind die Deutschen in Asien sogar die Nummer zwei. Im laufenden Geschäftsjahr will das MDax-Unternehmen beim Umsatz um vier und beim operativen Gewinn um 17 Prozent zulegen. Das Wachstum soll vor allem aus den Schwellenländern kommen. Zudem stellt Microsoft im April diesen Jahres die Pflege von Windows XP ein. Mit dem Betriebssystem laufen derzeit weltweit noch rund 90 Prozent aller Geldautomaten. Damit entsteht ein umfangreicher Bedarf an Support, um auch künftig die Sicherheit der Automaten zu gewährleisten. Davon sollten IT-Dienstleister wie Wincor Nixdorf profitieren. Für das abgelaufene Geschäftsjahr schüttet das Unternehmen eine Gewinnbeteiligung von 1,48 Euro je Aktie aus, woraus sich eine Dividendenrendite von knapp drei Prozent ergibt.

Finmeccanica

Finmeccanica
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Risiko- aber auch chancenreicher als Gerry Weber und Wincor Nixdorf ist der italienische Rüstungs-, Luft- und Raumfahrtkonzern Finmeccanica. Das Unternehmen litt zuletzt unter der Drosselung der Verteidigungsausgaben vor allem in Italien und den USA und schrieb rote Zahlen. Trotz wirtschaftlicher Turbulenzen im Rüstungssegment (rund 60 Prozent des Umsatzes) spekuliert die Börse seit einem guten halben Jahr darauf, dass der neuen Unternehmensführung der Turnaround gelingt. Nach drei Verlustjahren in Folge winkt für das laufende Jahr wieder ein Gewinn von 0,42 Euro pro Aktie. Beim aktuellen Kurs  beträgt das KGV rund 15.

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Quelle: ntv.de