Wirtschaft

Durch die Hintertür aufs Parkett EU-Aufseher nehmen SPACs unter die Lupe

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Viele Wege führen aufs Parkett: In Mode gekommen sind SPACs - börsennotierte Unternehmen, die kein eigenes Geschäft haben. Ziel dieser "Blankoscheck-Firmen" ist es, ein anderes Unternehmen durch eine Fusion an die Börse zu bringen.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Immer mehr Unternehmen gehen über "Special purpose acquisition companys", kurz SPAC, an die Börse. Das bringt Vorteile: Durch die Fusion mit einem gelisteten Firmenmantel ist ein IPO schneller möglich. Kritiker bemängeln jedoch, dass dabei Schwächen verheimlicht werden könnten.

Die steigende Nachfrage nach leeren Börsenmänteln - sogenannten SPACs - ruft die EU-Finanzwächter auf den Plan. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA will diese zurzeit populäre Art von Börsengängen genauer unter die Lupe nehmen, wie sie ankündigte.

Der Trend, solche "Special Purpose Acquisition Companies" (SPAC) zu gründen, ist vor kurzem aus den USA nach Europa geschwappt. Die EU stelle sich nun die Frage, ob SPACs mit den existierenden Regularien im Einklang sind, sagte die designierte Exekutiv-Direktorin der ESMA, Natasha Cazenave.

SPACs sind börsennotierte Unternehmen, die kein eigenes Geschäft haben. Ihr Ziel ist es, ein anderes Unternehmen durch eine Fusion an die Börse zu bringen. Da die Investoren zunächst nicht wissen, welche Firma übernommen wird, werden SPACs auch "Blankoscheck-Firmen" genannt. Hinter einem SPAC stehen als Initiatoren meist bekannte und branchenerfahrene Manager, Banker oder Investoren. Darunter etwa der frühere Commerzbank-Chef Martin Blessing oder Ex-Unicredit-Boss Jean-Pierre Mustier. Den übernommenen Firmen bietet dieser Weg den Vorteil, mit weniger regulatorischem Aufwand an die Börse zu kommen. Kritiker bemängeln, dass Schwächen verheimlicht werden könnten.

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Auch die US-Finanzaufsicht SEC schaut sich SPACs genauer an. Sie prüft etwa, ob genügend Informationen in Pflichtmitteilungen gemacht werden und sammelt Daten zu Transaktionsvolumen, Gebühren und Risiko-Kontrollen.

Bislang gab es in Europa zehn SPAC-Börsengänge mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Milliarden Dollar. In den USA kamen seit dem vergangenen Jahr 522 solcher Börsenmäntel im Volumen von mehr als 300 Milliarden Dollar an den Markt. "Wir müssen verstehen, warum SPACs so beliebt sind, warum Menschen Geld nur auf der Grundlage der Namen der Sponsoren und der Ankündigung eines Projekts bereitstellen", sagte Cazenave. Noch sei es aber zu früh, eine Entscheidung über eine angemessene Regulierung zu treffen.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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