Wirtschaft

Ratingagenturen am Pranger EU entzieht Lizenz zu töten

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Stark machen für die Wiege der Demokratie.

(Foto: REUTERS)

Für Griechenland wird es eng. Wird das Parlament das Sparpaket durchwinken? Werden die Ratingagenturen die Füße still halten? Die EU lässt keinen Zweifel: Moody’s, S&P und Fitch sollen kein leichtes Spiel mehr haben. Für den Warnschuss ist es allerhöchste Zeit.

Europa übt den Befreiungsschlag. In Zukunft wird es sich nicht mehr den Beurteilungen der US-amerikanisch dominierten Agenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch blindlings ergeben. Zu eng sind deren Bewertungen mit nationalen Interessen verknüpft. In Zukunft sollen klare Standards für Risikobewerter gelten. Wer sich nicht an entsprechende Regularien hält, wird des Platzes verwiesen, kündigt die neue europäische Wertpapieraufsicht ESMA an. Die EU wählt mit ihrer Druck auf Ratingagenturen wächst einen guten Zeitpunkt. Denn Griechenland steht Eine Entscheidung jagt die andere bevor. Das Parlament muss über das Sparpaket abstimmen, das wiederum den Weg für Finanzhilfen des IWF ebnen soll. Gerne nutzen die Ratingagenturen solche sensiblen Momente, um ihre gefürchteten Urteile zu fällen.

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Bleibt die Frage: Was ist die Alternative zu den drei großen Ratingagenturen?

(Foto: picture alliance / dpa)

Spät, vielleicht zu spät, tut sich da was in der Europäischen Union. Nachdem sie jahrelang tatenlos zugesehen hat, welchen Schaden die drei Ratingagenturen angerichtet haben, bläst Europa jetzt endlich ins Horn und weist sie in ihre Schranken. Wer nicht pariert, erhält keine Zulassung in Europa. Das Oligopol, das nicht weniger als 95 Prozent des Marktes kontrolliert, sieht sich mit einer völlig neuen Situation konfrontiert.

Ein klarer Schnitt ist fällig

Die Parade der EU ist überfällig. Viel zu lange hat sie die Ratingagenturen gewähren lassen. Ihre Risikobewertungen sind spätestens seit der Finanzkrise schwer in die Kritik geraten. Daumen rauf, Daumen runter, ihre Beurteilungen von Finanzinstrumenten, Firmen – insbesondere Banken -, und ganzer Staaten werden heute von vielen Kritikern klar als Fehleinschätzungen gewertet. Europa braucht lange, um Lehren daraus zu ziehen und noch viel länger, um Entscheidungen zu treffen und umzusetzen. So lange, dass jetzt die Schicksale einiger Eurostaaten schier Spitz auf Knopf stehen.

Für Griechenland könnte es in der Tat eng werden. Denn wird das Sparpaket nicht durchgewunken und bewerten die Agenturen Griechenbonds bei einer Umschuldung durch private Gläubiger mit D – D steht für "default", also Zahlungsausfall – werden sie von der EZB nicht mehr als Sicherheiten akzeptiert. Griechenland würde die Staatspleite drohen und die Ratingagenturen wären zum Brandbeschleuniger der Eurokrise geworden, bevor man sie an die Kandare genommen hätte.

Abenddämmerung in den USA

Ratlosigkeit macht sich breit angesichts der Frage, warum es so weit kommen musste. Das geldpolitische Interesse der USA, den Euro klein zu halten, ist doch offensichtlich. Der Dollar als Leitwährung büßt mehr und mehr an Bedeutung ein. Der Vertrauensvorschuss in die USA schwindet. Noch ist er unangefochten, aber er verliert jährlich einen Prozentpunkt am Anteil der internationalen Devisenreserven. Die Gewichtung des Euro steigt im gleichen Maße. Besonders die aufstrebenden Schwellenländer disponieren um. Die größte Volkswirtschaft der Welt, die zugleich der größte Schuldner der Welt ist, wird das doch nicht einfach so hinnehmen.

Umso mehr überraschen da die jüngsten Entwicklungen in den Vereinigten Staaten, wo die Finanzaufsicht SEC nun endlich ankündigte, sich ihre Ratingagenturen vorzuknöpfen. Geht man davon aus, dass die Agenturen der verlängerte Arm der US-Administration sind, muss das weh getan haben. Jahrelang hatte die SEC die Aufarbeitung des Fehlverhaltens der Ratingagenturen in der Finanzkrise zwischen 2003 und 2008 auf die lange Bank geschoben. Aktiv geworden ist sie erst, als sie den kardinalen Fehler begingen, die US-amerikanischen Schulden unter die Lupe zu nehmen und zu drohen, das Rating herabzusetzen.

Aufbruch in die neue Bewertungswelt

Ab 7. Juli wird die europäische Wertpapieraufsicht ESMA das alleinige Sagen über Ratingagenturen in Europa haben. Wichtig ist, dass sie endlich eine gesunde Grundlage für künftige Bewertungen schafft. Ein Konkurrenzprogramm zu Moody’s, Standard & Poor's und Fitch in Form einer europäischen Ratingagentur ist da nicht unbedingt die richtige Alternative. Auch sie könnte zum Spielball der Politik werden. Bliebe für die Banken, Ratings künftig vielleicht doch nur als eine Einschätzung unter vielen zu nehmen. Wie es auch kommen mag, möge die Macht in Zukunft hoffentlich mit der ESMA sein und nicht mit irgendwelchen Geschäftemachern in Form von Ratingagenturen.

Quelle: n-tv.de

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