Wirtschaft

Interview schlägt hohe Wellen EZB geht zu Nowotny auf Distanz

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Österreichs Notenbankchef spricht, die EZB rudert zurück: Analysten heben die Augenbrauen - und schauen sich Nowotnys Worte genauer an.

REUTERS

Klare Ansagen zu geplanten Zinsschritten sind selten. Noch seltener ist es, dass die Europäische Zentralbank Interview-Aussagen eines Währungshüters kommentiert. Österreichs Notenbankchef Nowotny ist sich sicher: Die EZB wird schon bald den Euro-Leitzins anheben.

In einem höchst ungewöhnlichen Schritt hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) von geldpolitischen Überlegungen eines ihrer Ratsmitglieder distanziert. Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny, der in seiner Eigenschaft als Währungshüter der Alpenrepublik im Entscheidungsgremium der EZB sitzt, hatte sich in einem Reuters-Interview zur Zukunft der Anleihenkäufe und möglichen Zinsschritten geäußert - und damit an den Märkten großes Aufsehen ausgelöst.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,14

Die EZB sah sich daraufhin zu einer raschen Klarstellung veranlasst: Bei den Äußerungen habe es sich lediglich um die Ansichten von Gouverneur Nowotny gehandelt, erklärte ein EZB-Sprecher kurz nach Veröffentlichung des Interviews. Die Einschätzungen repräsentierten ausdrücklich nicht die Sicht des EZB-Rats. An den Märkten schlugen die Kurse daraufhin die Gegenrichtung ein: Der Euro brach seinen Kursanstieg ab und grenzte die zuvor erzielten Gewinne zum Dollar ein. Im Tageshoch am Dienstag hatte die Gemeinschaftswährung zuvor ein Niveau von 1,2377 Dollar erreicht.

Nowotny hatte unter anderem erklärt, die EZB werde ihr billionenschweres Anleihen-Kaufprogramm wohl bis zum Jahresende auslaufen lassen. Dies werde den Weg bereiten für die erste Zinserhöhung seit dem Jahr 2011. Dabei sollten die Währungshüter graduell vorgehen, wobei zunächst der Einlagensatz angehoben werden könne. Konkret ging er dabei vor allem auf den Einlagensatz ein, zu dem Banken Geld über Nacht bei der Zentralbank parken können: "Ich würde kein Problem damit haben, in einem ersten Schritt von minus 0,4 Prozent auf minus 0,2 Prozent zu gehen und dann als zweiten Schritt den Leitzins einzubeziehen."

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Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny hatte sich in einem Interview zur Zukunft der Anleihenkäufe und möglichen Zinsschritten geäußert.

(Foto: REUTERS)

Zinswende beim Einlagensatz?

Der Einlagensatz liegt seit März 2016 bei minus 0,4 Prozent. Ein negatives Vorzeichen bedeutet, dass Geldhäuser Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der EZB über Nacht überschüssige Liquidität unterbringen wollen. Der Einlagenzins zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld gilt als zweitwichtigste Stellschraube der Währungshüter nach dem Leitzins, der für alle Kreditgeschäfte im Euroraum maßgeblich ist. Dieser liegt seit März 2016 auf dem historisch niedrigen Niveau von 0,0 Prozent.

Bislang hatte sich noch kein Ratsmitglied so detailliert zu möglichen Zinsänderungen geäußert. Dennoch ist es höchst ungewöhnlich, dass die EZB öffentlich zu Interviews eines Notenbank-Gouverneurs aus den 19 Euro-Ländern Stellung nimmt. Volkswirte erwarten aktuell, dass die EZB im Juni oder Juli ihre Pläne bekanntgeben wird, wie sie ihr auf 2,55 Billionen Euro angelegtes Anleihen-Kaufprogramm beenden will. Die Käufe waren in den vergangenen drei Jahren das zentrale Kriseninstrument der Euro-Notenbank, um die Konjunktur und die aus ihrer Sicht unerwünscht niedrige Inflation anzuschieben.

Handelsstreit könnte Euro-Kurs hochtreiben

Mehrere Währungshüter hatten zuletzt Übereinstimmung mit Markterwartungen signalisiert, nach denen nach einem Stopp der Käufe eine erste Anhebung von Schlüsselzinsen bis etwa Mitte 2019 möglich sei. Zum exakten Zeitplan äußerte sich Nowotny allerdings nicht. Dazu sei es noch zu früh. Zu den jüngsten Kursschwankungen an den Börsen sagte er: "Ich denke, Zentralbank-Politik muss eine mittelfristige Strategie verfolgen."

Kurzfristig könnte es allerdings noch zu Störfeuer kommen: Der Handelsstreit zwischen den USA und China könne die Wechselkurse beeinflussen, gab Nowotny zu bedenken. Die Turbulenzen könnten Investoren dazu veranlassen, Geld in die Eurozone zu verlagern. Ein starker Euro käme für die EZB in der heiklen Phase des Übergangs zu einer weniger expansiven Ausrichtung jedoch zur Unzeit. Denn das schmälert tendenziell die Absatzchancen europäischer Waren auf dem Weltmarkt und verbilligt Importe, was die Inflation dämpft.

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Quelle: n-tv.de, jki/rts

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