Wirtschaft

Kein Ende der Anleihekäufe absehbar EZB hält Leitzins auf Rekordtief

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Seit März liegt der Zinssatz auf dem Rekordtief.

(Foto: dpa)

Keine Überraschung beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die Notenbank hält Schlüsselsatz auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Auch an ein Ende der Anleihekäufe denkt EZB-Chef Draghi noch nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihr Pulver trocken: Die Währungshüter beließen den Leitzins im Euroraum, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, auf dem Rekordtief von null Prozent. Das teilte die EZB im Anschluss an eine Ratssitzung in Frankfurt am Main mit. Parken Banken überschüssiges Geld bei der Notenbank, müssen sie weiter 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Die EZB bekräftigte zudem, an ihrem milliardenschweren Anleihenkaufprogramm wie geplant bis mindestens Ende März 2017 festzuhalten. Damit will sie die Konjunktur ankurbeln und die Inflation im Euroraum anschieben. EZB-Präsident Mario Draghi sagte dazu, der Rat habe bei seiner Sitzung nicht über einen schrittweisen Ausstieg aus den milliardenschweren Anleihekäufen diskutiert. Er bekräftigte die Bereitschaft der Notenbank, ihre lockere Geldpolitik fortzusetzen, bis die Inflation nachhaltig zulege.

Entscheidung im Dezember

Zugleich verwies der Notenbank-Präsident auf die Sitzung des Rates im Dezember. Dann legt die EZB aktuelle Konjunktur- und Inflationsprognosen vor. Beobachter erwarteten zuletzt, dass die Währungshüter die Käufe von Anleihen und anderen Wertpapieren dann über März 2017 hinaus verlängern könnten. "Keiner will ein abruptes Ende der Anleihekäufe", sagte Draghi.

Zwar stieg die Inflation im gemeinsamen Währungsraum im September auf den höchsten Stand seit Oktober 2014. Die Rate ist mit 0,4 Prozent aber weit entfernt von dem Preisziel der EZB von knapp zwei Prozent. Langfristig niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Investitionen aufschieben, weil sie erwarten, dass es noch billiger wird. Draghi rechnet allerdings mit einem Anziehen der Inflation. Die Preise dürften in den nächsten Monaten schrittweise zulegen, sagte er. Der Italiener hatte jüngst in Washington gesagt, die Teuerung werde voraussichtlich Ende 2018 oder Anfang 2019 an die EZB-Zielmarke herankommen.

Die meisten Ökonomen hatten nicht damit gerechnet, dass die Notenbank bei ihrer Sitzung weitreichende Entscheidungen trifft. "Die Konjunkturentwicklung seit September versetzt die EZB nicht in Eile, zusätzlich geldpolitische Maßnahmen zu präsentieren", argumentiert Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank ING Diba.

"Gedankenspiele für die weitere Zukunft"

Die EZB kauft seit März 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere im großen Stil. 80 Milliarden Euro fließen derzeit monatlich, insgesamt sollen es 1,74 Billionen Euro werden. Seit Juni stehen auch Unternehmensanleihen auf dem Einkaufszettel. Derzeit darf die Notenbank keine Anleihen kaufen, deren Zinsen unterhalb des Einlagensatzes von derzeit minus 0,4 Prozent liegen. Zudem hat sie sich auferlegt, höchstens 33 Prozent eines jeweils ausgegebenen Wertpapiers zu kaufen.

Zuletzt hatten Spekulationen auf ein absehbares Ende der Geldschwemme für Unruhe gesorgt. Bankvolkswirte sind aber überwiegend der Meinung, dass sich Überlegungen über ein schrittweises Auslaufen der Wertpapierkäufe (Tapering) - sollte es sie in der EZB geben - auf einen fern liegenden Zeitpunkt beziehen.

Ein schrittweises Auslaufen der Wertpapierkäufe sei zwar grundsätzlich unabdingbar, um Schocks an den Finanzmärkten zu vermeiden. "Allerdings sind diese Ausstiegsszenarien Gedankenspiele für die weitere Zukunft", erläutern Volkswirte der BayernLB. Die ultralockere Geldpolitik der EZB ist vor allem in Deutschland umstritten. Sie belastet Sparer. Kritiker befürchten zudem eine sinkende Reformbereitschaft der Politik.

Quelle: n-tv.de, mli/bdk/dpa/rts

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