Wirtschaft

Knapp 20 Jahre nach FinanzkriseEZB schwächt Risikokontrolle für Banken ab

30.03.2026, 18:37 Uhr
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Banken könnten künftig mehr Spielraum bei der Berechnung ihres Eigenkapitals erhalten. (Foto: picture alliance/dpa)

Die Europäische Zentralbank kündigt an, die Risikomodelle von Banken weniger streng zu kontrollieren. Diese legen fest, wie viel Eigenkapital nötig ist, um die Geschäfte der Kredithäuser abzusichern. Droht jetzt die Aufweichung einer Lehre aus der Finanzkrise?

Die Europäische Zentralbank will die Überprüfung interner Risikomodelle von Banken vereinfachen. Sie begründet das mit langen Verzögerungen und aufwendigen Prüfungen im bisherigen Verfahren. Die sogenannten internen Risikomodelle erlauben Banken, selbst zu berechnen, wie viel Eigenkapital sie mindestens zur Seite legen müssen, um ihre Geschäfte abzusichern. Je risikoreicher die Geschäfte einer Bank, desto mehr Geld muss zurückgelegt werden. Bislang muss die EZB diese Risikomodelle erst genehmigen, bevor sie angewendet werden dürfen. Die Regelung wurde als Reaktion auf die Finanzkrise von 2008 eingeführt.

Das soll sich nun ändern, künftig dürfte die Zentralbank bei den Risikomodellen ein Auge zudrücken. Denn die Institute sollen wesentliche Änderungen an ihren Modellen bereits kurz nach Einreichen des Antrags umsetzen dürfen. Zudem sollen weniger dieser Änderungen eine Vor-Ort-Prüfung auslösen. Sollte ein neues Modell das Risiko geringer bewerten, greift ein eigener Mechanismus. Einerseits erhalten die Banken eine schnelle Genehmigung. Die Kapitalvorteile werden andererseits gedeckelt, bis die EZB das Modell vor Ort geprüft und bewertet hat. Die neuen Regeln sollen ab dem 1. Oktober gelten.

"Unter dem neuen Ansatz wird die EZB diese Vor-Ort-Prüfungen von internen Modellen vor allem dort vornehmen, wo höhere Risiken eine genauere Prüfung rechtfertigen", teilte die Notenbank mit. "Wesentliche Modelländerungen werden nicht mehr automatisch eine Vor-Ort-Prüfung auslösen." Ergänzend dazu hat die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) ebenfalls am Montag die Zahl der Modelländerungen reduziert, die als wesentlich eingestuft und damit genehmigungspflichtig sind.

Die EZB beaufsichtigt etwas mehr als 100 der größten Banken der Euro-Zone. Sie behält sich jedoch für sensible Fälle die Möglichkeit vor, das bisherige Standardverfahren beizubehalten. Dabei müssen die Banken das Ergebnis einer gesonderten Vor-Ort-Prüfung abwarten, bevor sie die Änderungen umsetzen dürfen. Im vergangenen Jahr führte die EZB 74 solcher Prüfungen interner Modelle durch. Davon wurden 90 Prozent durch Anträge von Banken auf erstmalige Modellgenehmigungen oder wesentliche Änderungen ausgelöst.

Nach der Finanzkrise 2008 wurde der EZB die Verantwortung zur Kontrolle der Risikomodelle übertragen. Die Deutsche Bundesbank schrieb 2013 in ihrem Geschäftsbericht: "Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass die bis hierhin existierenden Aufsichtsstrukturen der starken Vernetzung der europäischen Finanzmärkte nicht mehr gerecht wurden." Eine europaweit koordinierte Bankenaufsicht sollte sicherstellen, dass die Banken einheitlich kontrolliert werden und ihr Mindestkapital nicht herunterrechnen.

Ein geringer Eigenkapitalanteil ist aus der Perspektive der Kreditinstitute lukrativ, denn so lässt sich mit wenig eigenem Geld mehr Gewinn erwirtschaften. Anfang des 20. Jahrhunderts lag der Eigenkapitalanteil im Schnitt noch bei 25 Prozent, vor Beginn der Finanzkrise waren es teils weniger als drei Prozent. "Damit reichte ein Wertverlust bei den Anlagen einer Bank von drei Prozent aus, um das Eigenkapital vollständig aufzuzehren und die Bank in die Insolvenz zu treiben", so der Wirtschaftsexperte Caspar Dohmen. Die Gesetze, die als Reaktion auf die Finanzkrise beschlossen wurden, bleiben mit der jüngsten Änderung erhalten, bei der Überprüfung wird nun jedoch gelockert.

Quelle: ntv.de, pte/rts

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