Wirtschaft

Ziel: Zinserhöhung rauszögern EZB überprüft offenbar ihr Inflationsziel

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Wird die EZB beim Inflationsziel flexibler?

(Foto: REUTERS)

Seit Jahren verfehlt die Europäische Zentralbank ihr Inflationsziel von zwei Prozent. Nun analysieren Experten der Notenbank, ob mehr Flexibilität angesagt ist. Auch die US-Notenbank führt diese Debatte.

Die Europäische Zentralbank analysiert offenbar, ob sie ihr Inflationsziel überarbeitet. Der wissenschaftliche Stab habe informell mit der Analyse begonnen, ob die aktuelle Marke noch angemessen sei, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich dabei auf mit dem Thema befasste Beamte. Derzeit strebt EZB als Idealwert für die Wirtschaft eine Teuerung von knapp zwei Prozent an, verfehlt diese Marke aber bereits seit Frühjahr 2013. Im Juni lag sie lediglich bei 1,2 Prozent. Die EZB wollte den Bericht nicht kommentieren.

Es gehe unter anderem um die Frage, ob das derzeitige Preisziel für die Zeit nach der Krise noch angemessen ist, heißt es. EZB-Präsident Mario Draghi bevorzuge einen "symmetrischen Ansatz". Dabei hätte die Notenbank einen größeren Spielraum und könnte über einen längeren Zeitraum eine Abweichung vom Zielwert von zwei Prozent nach oben oder unten akzeptieren.

Sollte nach einer längeren Schwächephase die Inflation wieder anziehen, könnten die Leitzinsen so dennoch weiter niedrig bleiben, um das Wirtschaftswachstum abzusichern. Höhere Zinsen wirken tendenziell preisdämpfend. Sie verteuern Kredite, zudem lohnt sich Sparen mehr. Das heißt: Unternehmen investieren weniger, Verbraucher konsumieren weniger - die Konjunktur wird abgebremst. "Der flexiblere Ansatz würde bedeuten, dass es nicht automatisch zu Zinserhöhungen käme, wenn wir bei zwei Prozent angelangt sind", sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen von der Commerzbank.

"Mehr Flexibilität wäre vernünftig"

Im Juni hatte sich EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny für ein flexibleres Inflationsziel der Europäischen Zentralbank ausgesprochen. "Ich persönlich glaube, dass es vernünftig wäre, etwas mehr Flexibilität zu haben, wie es etwa die israelische oder die tschechische Notenbank gemacht haben", sagte der österreichische Notenbankchef dem "Handelsblatt".

Die Inflationsentwicklung spielt eine entscheidende Rolle bei der Zinspolitik der EZB. Sie will ihren Leitzins noch bis mindestens in nächste Jahr hinein bei null Prozent halten, um mit billigem Geld Investitionen und Konsum anzuschieben. Das soll die Nachfrage stärken und verhindern, dass sich die Inflationsrate weiter von ihrem Ziel entfernt. Er sei dafür, das Zwei-Prozent-Ziel zu erhalten, sagte Nowotny, "aber mit einem Korridor von 0,5 oder einem Prozent auf oder ab".

Auch die US-Notenbank führt eine Debatte über ihr Inflationsziel. Eine Möglichkeit wäre, dass die Fed in Zukunft das Inflationsziel von knapp zwei Prozent nur im Durchschnitt erreichen möchte. Eine niedrige Inflation in der Vergangenheit würde also bedeuten, dass sie in der Zukunft eine höhere Inflation tolerieren würde, um sozusagen das Defizit auszugleichen.

Quelle: n-tv.de, jga/dpa/rts/DJ

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