Wirtschaft
Ein gutes Gespür für rentable Geschäfte hat der 41-Jährige schon ziemlich früh bewiesen.
Ein gutes Gespür für rentable Geschäfte hat der 41-Jährige schon ziemlich früh bewiesen.(Foto: imago/SKATA)
Samstag, 08. September 2018

Benko schluckt Kaufhof: Ein Schulschwänzer wird zum Immobilienhai

Von Juliane Kipper

Mit der Übernahme von Kaufhof soll es für Karstadt-Eigner René Benko lange nicht klappen. Doch die nahende Ehe zwischen Karstadt und Kaufhof macht den 41-Jährigen jetzt zum Eigentümer einer der größten Warenhauskonzerne.

Spätestens mit dem Kauf der angeschlagenen Kaufhauskette Karstadt im Jahr 2014, wurde der Tiroler Selfmademan René Benko europaweit auch über die Grenzen von Österreich hinaus bekannt. Benko sanierte die Kette und teilte sie in ein Warenhausgeschäft, einen Sportbereich und die Luxus-Warenhäuser um das Berliner KaDeWe auf. Und die Bilanz gibt ihm Recht. Den zuletzt vorgelegten Zahlen aus dem vergangenen Geschäftsjahr zufolge schrumpfte der Einzelhandelsumsatz zwar um knapp zwei Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro. Allerdings ist es Karstadt dafür gelungen, die Verlustzone zu verlassen. Unterm Strich erwirtschaftete das Kaufhaus ein Überschuss von 1,4 Millionen Euro. Im Jahr zuvor stand dort noch ein dickes Minus von 7,5 Millionen Euro.

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Ein gutes Gespür für rentable Geschäfte hat Benko schon ziemlich früh bewiesen. Während seine Mitschüler in den 1990er Jahren die Schulbank drückten, wandelte der 17-Jährige mit einem befreundeten Baumeister aus Innsbruck bereits leerstehende Dachböden in attraktiver Lage in Luxuswohnungen um. Doch sein Start ins Berufsleben begann holprig, denn der Junge aus einfachen Verhältnissen verließ die Schule ohne Abschluss. "Das ist wahrlich so, ich war im letzten Schuljahr so wenig in der Schule, dass ich dann aufgrund der vielen Fehlstunden nicht mehr zur Matura zugelassen wurde", erzählte er einmal in einem Interview mit dem ORF.

Ein großes Talent, auf dem die Geschäfte von Benko bis heute fußen, ist seine Fähigkeit, einflussreiche Geldgeber für seine Geschäftsideen zu erwärmen. Nur ein Jahr nach der Gründung seiner Firma, damals war Benko gerade 22 Jahre alt, steigt Signa Holding Dank einer Unterstützung im zweistelligen Millionenbetrag durch den "Stroh"-Tankstellenerben Karl Kovarik zu einem der größten österreichischen Immobilienunternehmen auf.

Geschäfte mit Prominenten aus Politik und Wirtschaft

Für das Wachstum seiner Firma war der 41-Jährige früher auch von zweifelhaften Geldgebern wie der griechischen Rederei Georgios Ikonomou oder dem israelischen Diamantenhändler Benny Steinmetz abhängig, die er inzwischen wieder ausgezahlt hat. Mit knapp 85 Prozent gehört Signa Holding jetzt der Familie Benko Privatstiftung und der ARP Seventeen GmbH, die ebenfalls im Besitz der Benko-Familie ist. Zehn Prozent gehören dem Ex-Lindt-Chef Ernst Tanner und die restlichen fünf Prozent dem Fressnapf-Milliardär Torsten Toeller.

Als einer der größten privaten Immobilienbesitzer in Wien wird das Vermögen von Benko heute auf knapp vier Milliarden Euro geschätzt, sein Immobilienimperium Sigma soll rund 7,5 Milliarden Euro wert sein. Das Goldene Quartier in der Innenstadt von Wien zählt mit seinen Luxusshops und Penthäusern zu einem der Aushängeschilder des Milliardärs.

Bis heute machen zahlreiche Prominente aus Politik und Wirtschaft Geschäfte mit Benko. Als Anteilseigner von Signa Prime, das nur exklusive Immobilien in bester Innenstadtlage im Portfolio hat, und der Karstadt-Dachgesellschaft Signa Retail gehört unter anderem auch Ex-Rennfahrer Niki Lauda. Ähnlich prominente Namen finden sich beispielsweise mit dem früheren österreichischen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer im Beirat seiner Firma.

Auch als Benko im August 2013 in einem Strafverfahren wegen "verbotener Intervention" zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten verurteilt wurde, kann das dem Band zwischen ihm und seinen Geschäftspartnern nichts anhaben. Gemeinsam mit seinem Steuerberater wird ihm vorgeworfen, den ehemaligen Regierungschef Ivo Sanader mit 150.000 Euro bestochen zu haben. Im Gegenzug sollte Sanader Benko bei einer Steuerangelegenheit in Italien helfen. Seit seiner Verurteilung hat Benko bei der Signa Holding keinen aktiven Posten mehr, sondern operiert aus dem Beirat heraus.

Karstadt soll nach Fusion das Sagen haben

Vor der nahenden Fusion der beiden Warenhäuser hat der Vater von vier Kindern bereits drei Mal ohne Erfolg für Kaufhof geboten. Sein Nachdruck beweist: Die Signa Holding versteht sich längst nicht mehr nur als Immobilieninvestor, sondern rückt den Handel immer mehr in den Mittelpunkt – auch den, der im Internet stattfindet. Benko kaufte im Zuge dessen unter anderem den Webdiscounter Dress for Less und den Onlineshop Outfitter. Hinter dem Einstieg in den Handel steckt auch die Idee, Webshops sukzessive mit dem stationären Verkauf zu verknüpfen.

Durch die bevorstehende Ehe von Karstadt mit Kaufhof entsteht jetzt unter der Führung von Benko der zweitgrößte Warenhauskonzern Europas nach dem spanischen Unternehmen El Corte Inglés. Beide Ketten leiden seit Jahren unter dem Siegeszug von Billiganbietern. Durch einen Zusammenschluss könnten beide von erheblichen Einsparungen profitieren - und Benko sich endgültig in Deutschland etablieren. "Benko will beweisen, dass er ein guter Unternehmer ist und mehr kann als Immobilien", zitiert "Capital" den ehemalige Postbank-Vorstand und Benko-Vertraute Harald Christ.

Laut Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll das zuletzt erfolgreichere Unternehmen Karstadt nach der Fusion das Sagen haben. Die Signa Holding übernehme faktisch 50,01 Prozent am Warenhausgeschäft. Wie die SZ aus Bankenkreisen erfuhr, soll das Unternehmen auch das gesamte Management des Gemeinschaftsunternehmens stellen. Das ist sicherlich mehr als im Interesse von Benko.

Quelle: n-tv.de