Wirtschaft

Autogipfel beim n-tv Frühstart Eine Million Ladepunkte "brauchen wir nicht"

Erneut treffen sich im Kanzleramt Politiker und Vertreter der Industrie, um über den Ausbau der Elektromobilität zu diskutieren. Doch das Ziel, eine Million Ladestationen zu bauen, erntet auch Kritik. "Kleinere Brötchen backen, aber das wirklich sinnvoll ausgestalten", sagt dazu die Deutsche Umwelthilfe.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat das von Kanzlerin Angela Merkel ausgegebene Ziel, bis 2030 eine Million Ladestationen für Elektroautos aufzubauen, scharf kritisiert. "Das brauchen wir im Moment gar nicht in dieser Größenordnung", sagte Vize-Geschäftsführerin Barbara Metz im n-tv Frühstart. "Man muss sich dann fragen: Ist das wieder ein Programm, um der Industrie ganz viel Geld zuzuschustern?" Es seien auch eine Million vollelektrische Fahrzeuge bis 2020 versprochen worden. "Und wir haben 85.000", so Metz. "Da würde ich immer sagen: Kleinere Brötchen backen, aber das wirklich sinnvoll ausgestalten."

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Barbara Metz geht der Ausbau Elektromobilität zu langsam.

(Foto: imago/Metodi Popow)

Der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos, der beim heutigen Autogipfel im Kanzleramt diskutiert werden soll, müsse an der Realität ausgerichtet sein. "Wir brauchen nur einen Bruchteil von einer Million Ladestationen, aber sie müssen zugangsfähig sein für alle Verbraucher." Metz forderte ein Verzeichnis, in dem alle Ladestationen aufgelistet sind, und kritisierte die Vielzahl von unterschiedlichen Apps und technischen Systemen, die derzeit vorhanden sind.

Dafür brauche man in der Diskussion auch diejenigen, die in der Realität wissen, was denn tatsächlich nötig sei, so Metz. Sie kritisiert deshalb die Zusammensetzung des Treffens im Kanzleramt. "Der Autogipfel findet einmal mehr statt ohne Beteiligung von zivilgesellschaftlichen Akteuren", sagte sie. Wie komme man auf die Idee, dass man dann wirklich eine Lösung findet, die gesamtgesellschaftlich tragfähig ist, fragte Metz. "Die Umweltverbände sollten dabei sein." Dabei sei es nicht entscheidend, ob die Deutsche Umwelthilfe oder einer der anderen Umweltverbände beteiligt werde.

"Brauchen Elektromobilität als Technologie"

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur sieht Metz vor allem die Industrie in der Pflicht. "Natürlich müssen die E-Autos bauen und wenn sie die auch wirklich bauen wollen, dann müssten sie eigentlich auch ein Interesse haben, diese Infrastruktur auf den Markt zu bringen." Sie habe grundsätzlich nichts gegen eine staatliche Förderung einer sinnvollen Infrastruktur, so Metz, "aber auch da ist natürlich die Industrie gefragt an erster Stelle".

"Wir brauchen die Elektromobilität sicherlich als Technologie", sagte Metz weiter. Entscheidend sei jedoch, dass es weniger Individualverkehr gebe. "Da ist natürlich die Politik wieder gefragt, zu sagen, dass man wirklich den öffentlichen Nahverkehr ausbaut." Jedoch kritisierte Metz, dass dies zu langsam gehe. "Wir würden, wenn wir mit der Geschwindigkeit die Elektrifizierung der Schiene voranbringen, in 200 Jahren da sein, wo die Schweiz heute ist", sagte sie.

Am Autogipfel am Montagabend im Kanzleramt werden neben Kanzlerin Angela Merkel auch mehrere Minister teilnehmen. Erwartet werden zudem Vertreter von Gewerkschaften und Vorstandsmitglieder der Autobauer. Eines der Hauptthemen wird der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos sein.

Quelle: ntv.de, mli