Wirtschaft

Wieder eine zwei vor dem Komma Energiepreise halten Inflation hoch

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Gerade die Energiekosten trieben die Inflation im Juni an.

(Foto: picture alliance / Karl-Josef Hi)

Die Inflation in Deutschland bleibt weiter im eigentlichen Zielbereich der EZB. Und Experten rechnen damit, dass es in den kommenden Monaten so weiter geht. An der Zinspolitik der Zentralbank ändert sich indes vorerst nichts.

Steigende Energiepreise haben die Inflation in Deutschland den zweiten Monat in Folge über die Marke von zwei Prozent getrieben. Die Verbraucherpreise erhöhten sich im Juni binnen Jahresfrist um 2,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Mai hatte die Teuerungsrate bei 2,2 Prozent gelegen. Binnen Monatsfrist legten die Verbraucherpreise im Juni insgesamt um 0,1 Prozent zu.

Wie es weiter hieß, legten die Energiepreise auf Jahressicht um 6,4 Prozent zu. Auch für Lebensmittel mussten die Verbraucher mehr zahlen als im Jahr zuvor. Hier zogen die Preise um 3,4 Prozent an. Während Waren sich mit insgesamt 2,8 Prozent überdurchschnittlich verteuerten, mussten die Verbraucher für Dienstleistungen 1,5 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr.

Rate wird stabil bleiben

Ökonomen erwarten für die nächste Zeit eine ähnliche Preisentwicklung. "Wir bleiben knapp über zwei Prozent - so oder so ähnlich dürfte das die kommenden Monate gehen", sagte LBBW-Analyst Jens-Oliver Niklasch. Erst zum Jahresende werde die Inflation wieder etwas nachgeben.

Den zweiten Monat in Folge eine Zwei vor dem Komma habe es zuletzt im Herbst 2012 gegeben, erklärte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Zwar geht der Anstieg vor allem auf höhere Energiepreise zurück. Mittlerweile stiegen aber auch die übrigen Preise mit solideren Raten: "Das ist Ausdruck einer gesunden Wirtschaftsentwicklung", sagte er weiter.

Niedrigzinsen fressen Erspartes auf

Für den Euroraum insgesamt strebt die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig eine Teuerungsrate knapp unter 2,0 Prozent an. Dieser Wert gilt als Garant für stabile Preise, weil er weit genug entfernt ist von der Nullmarke. Denn sind Preise dauerhaft niedrig oder sinken gar auf breiter Front, könnte das Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Dies könnte dann das Wirtschaftswachstum bremsen.

Weil die Verbraucherpreise seit geraumer Zeit nach oben zeigen, hat die Notenbank in Aussicht gestellt, ihre umstrittenen Wertpapierkäufe zum Jahresende zu beenden. Die Zinsen im Euroraum sollen aber bis mindestens "über den Sommer" 2019 auf dem Rekordtief verharren. Viele Sparer, die ihr Geld trotz mickriger Zinsen als Tages- oder Festgeld parken, verlieren wegen der tendenziell steigenden Inflation daher bares Geld. Nach Berechnung der Comdirect lag der Realzins - also der tatsächliche Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate - im zweiten Quartal 2018 auf dem historischen Tiefstand von minus 1,8 Prozent.

Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres verloren Sparer in Deutschland demnach rund 17 Milliarden Euro oder 204 Euro pro Kopf. Seit 2010 habe jeder Deutsche im Schnitt 1117 Euro wegen Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate verloren, rechnete die Commerzbank-Tochter vor. Kreditnehmer hingegen profitieren von dem Zinstief.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/dpa

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