Wirtschaft

Führungswechsel bei Volkswagen "Es gab weder Anzeichen noch Gerüchte"

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Herbert Diess wird Michael Müller wohl schon bald ersetzen.

(Foto: dpa)

Der Chef von Volkswagen trägt künftig wohl nicht mehr den Namen Matthias Müller. Nord-LB-Analyst Frank Schwope erklärt im Interview, warum ihn der Wechsel an der Spitze von Volkswagen überrascht - und wieso Müllers potentieller Nachfolger eine plausible Wahl ist.

Ganz offiziell hat Volkswagen den Führungswechsel zwar noch nicht gemacht - der Autobauer kündigt lediglich mögliche Veränderungen im Vorstand an. Doch die Berichte häufen sich, dass Volkswagen-Chef Matthias Müller seinen Platz schon in wenigen Tagen für den bisherigen Markenchef Herbert Diess räumen muss. Letzterer hat bewiesen, dass er Änderungen durchziehen kann, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope im Interview.

n-tv.de: Nach der Deutschen Bank tauscht jetzt Volkswagen den Chef aus. Hat Sie das überrascht?

Frank Schwope: Ja. Es gab weder Anzeichen noch Gerüchte in dieser Richtung. Der Vertrag von VW-Chef Matthias Müller läuft erst 2020 aus. Allerdings hat er die wichtigsten Aufräumarbeiten bereits erledigt.


VW hat kürzlich gute Zahlen für das vergangene Jahr präsentiert. Ist das der richtige Zeitpunkt für einen Chefwechsel? 

Müller ist 64. Er hat den Job übernommen, nachdem Vorgänger Martin Winterkorn nach dem Bekanntwerden des Abgasskandals zurückgetreten war. Ein Neuanfang für Zukunftsthemen und weitere Umstrukturierungen wäre nicht unplausibel.

Die Volkswagen-Aktie legt im Dax zu. Die Börse scheint den Wechsel für eine gute Idee zu halten. 

Börsenkurse sagen nicht unbedingt etwas darüber aus, ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist. Das wird sich erst noch herausstellen müssen.

Als Nachfolger wird VW-Markenvorstand Herbert Diess gehandelt. Ist er eine gute Wahl? 

Das wäre eine der plausibelsten Lösungen, weil er der Chef der wichtigsten Marke im Konzern ist. Diess hat dort bewiesen, dass er Änderungen durchziehen kann. Die Marke steht gestärkt da.

Was sind die wichtigsten Aufgaben des künftigen VW-Chefs? 

Ganz vorne steht der nötige interne Umbau für Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder autonomes Fahren. Die einzelnen Marken Volkswagen, Seat, Audi und Skoda brauchen eine bessere Abstimmung. Außerdem müssen die Lkw-Marken Scania und MAN stärker zusammengeführt werden, Ziel muss eine Modulstrategie sein.

Ist der Dieselskandal abgehakt? 

Keinesfalls. Es wird mindestens noch 5 Jahre dauern, bis der abgearbeitet ist. Da droht noch die eine oder andere Milliarde Schadenersatz oder Strafzahlung. Die Kosten könnten insgesamt noch auf 35 Milliarden Euro ansteigen. Das kann der Konzern aber durchaus verkraften, weil die operativen Erträge sehr stark sind. Der Kunde verzeiht schnell, und Volkswagen ist überdies in China besonders stark - und da hat es den Dieselskandal nicht gegeben. 

Kommt mit dem Chefwechsel der Börsengang von MAN/Scania näher? 

Ich denke, dass beide Marken zunächst gebündelt werden. Einen baldigen Börsengang halte ich für unwahrscheinlich. Dazu wird es erst kommen, wenn Synergien gehoben und die Gleichteilstrategie umgesetzt worden ist. Sonst würde man Werte der Aktionäre verschenken.

Hinkt VW bei der Elektromobilität nicht hinterher? 

Volkswagen hat in vielen Bereichen - beispielsweise bei den SUV - gezeigt, dass der Konzern etwas später auf den Plan tritt - dann aber mit großer Wucht. Wenn es bei VW personelle Veränderungen gibt, dann sicher auch mit Blick auf diesen ganz wichtigen Bereich.

Ist VW dafür gut aufgestellt? 

VW könnte jederzeit die Produktion von E-Autos hochfahren. Aber zunächst muss der Kunde solche Autos auch kaufen wollen. In den 2020er Jahren wird VW in der E-Mobilität stark zulegen. 

Mit Frank Schwope sprach Jan Gänger.

Quelle: ntv.de