Wirtschaft

737 Max bleiben am Boden Ex-Manager berichtet von "Chaos" bei Boeing

Bei zwei Abstürzen von Boeing 737-Max-Maschinen sterben mehr als 340 Menschen. Dem Modell wird die Flugerlaubnis entzogen, der US-Flugzeugbauer gerät in eine schwere Krise. Es könnte noch schlimmer kommen für den Airbus-Rivalen: Ein früherer Manager berichtet von katastrophalen Zuständen.

Gut ein Jahr nach dem ersten Absturz einer Boeing 737 Max gerät der US-Flugzeughersteller immer mehr in Bedrängnis. Die US-Luftfahrtbehörde FAA kündigte Untersuchungen der Fertigung bei dem Airbus-Rivalen an, nachdem ein ehemaliger Boeing-Manager scharfe Kritik an den Produktionsabläufen geübt hatte.

"Ich habe eine Fabrik im Chaos erlebt", sagte der Manager, Ed Pierson, bei einer Anhörung vor US-Abgeordneten. Termindruck und die Erschöpfung von Arbeitern seien zu Lasten von Qualität und Sicherheit gegangen. Das Bestreben von Boeing das Produktionstempo zu beschleunigen, habe zu "chaotischen" Szenen in der Montagefabrik geführt, als die Fertigung hinter dem Zeitplan zurückgeblieben sei.

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Insbesondere habe er sich die Frage gestellt, wie Sensoren bei neuen Flugzeugen ausfallen könnten. "Es ist alarmierend, dass diese Sensoren bei mehreren Flügen nur wenige Monate nach der Herstellung der Maschinen versagten", sagte er in der Anhörung weiter.

Sowohl Boeing als auch die Untersuchungsbeauftragten erklärten aber, dass es für sie keinen Zusammenhang zwischen den von Pierson angesprochenen Problemen und den aktuellen Schwierigkeiten bei den Flugzeugen gebe. Denn diese gingen auf Software-Designprobleme und nicht auf eine Produktionsproblematik zurück.

Dickson nennt keinen Zeitplan

Der Chef der FAA, Steve Dickson, sagte ebenfalls in der Anhörung, man habe von den Bedenken von Pierson Kenntnis gehabt. Boeing erklärte, dass der Konzern regelkonform mit Sicherheitsmaßnahmen und Software-Updates auf den Absturz im Oktober 2018 reagiert habe. Knapp fünf Monate später stürzte eine zweite 737 Max in Äthiopien ab.

Nach der Anhörung erklärte die FAA, dass die 737 vor Jahresende keine Starterlaubnis mehr bekämen. Vor einer erneuten Zulassung seien fast ein Dutzend Punkte zu bearbeiten. Boeing drohten zudem Strafzahlungen, falls Informationen über Probleme bei den Modellen nicht rechtzeitig weitergegeben worden seien.

Dickson nannte keinen Zeitplan, wann die Untersuchungen zum Produktionsprozess der 737 Max abgeschlossen sein sollen. Er wolle noch mit weiteren Boeing-Mitarbeitern sprechen, so Dickson weiter, der erst im August zum Leiter der FAA ernannt wurde.

Im Herbst 2018 war eine Boeing 737 Max der indonesischen Lion Air abgestürzt. Einige Monate später gab es einen zweiten Crash einer Maschine dieses Typs in Äthiopien. Erst danach wurde die globale 737-Max-Flotte ab März mit einem kompletten Flugverbot belegt.

Quelle: ntv.de, bad/shu/DJ/rts