Wirtschaft

Andere Aktienmärkte viel größer Experte kann sich Dax 50 vorstellen

Es ist die bisher größte Umgestaltung seit seiner Einführung: Der Dax umfasst künftig 40 statt bisher 30 Unternehmen. Ein Wirtschaftsprofessor kann sich auch einen Index mit noch mehr Konzernen vorstellen. Eine Erweiterung ist nach Meinung eines anderen Experten aber nicht alles.

Der Deutsche Aktienindex könnte nach Ansicht von Dirk Schiereck, Experte für Unternehmensfinanzierung, noch größer werden. Die Erweiterung von 30 auf 40 Konzerne, die nun umgesetzt wird, finde er grundsätzlich sehr sinnvoll, sagte der Darmstädter Wirtschaftsprofessor. "Wenn man sich in Europa andere Aktienmärkte anschaut, sind die dortigen Leitindizes alle größer, obwohl diese Volkswirtschaften kleiner sind als die deutsche. Das allein zeigt, dass ein Index mit 30 Mitgliedern die deutsche Volkswirtschaft nicht angemessen abbildet."

Dax
Dax 15.169,98

Perspektivisch sollte eine noch breitere Aufstellung des deutschen Leitindex im Auge behalten werden, meint Schiereck: "Wenn es wieder mehr Börsengänge gibt und der Kurszettel deutlich anwachsen sollte, wäre 40 aber sicher nicht das Ende. Da kann man sich auch einen Dax 50 vorstellen."

Eine Dax-Aufstockung hatten einige Marktteilnehmer schon seit längerem gefordert. Sie begründeten dies unter anderem damit, dass im Vergleich zum Startjahr des Dax 1988 es nun viel mehr größere börsennotierte Werte gebe. Die Deutsche Börse verschärft auch die Regeln für eine Dax-Mitgliedschaft. Damit soll verhindert werden, dass es erneut zu einem Skandal um ein Dax-Mitglied wie beim Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters Wirecard-kommen kann. Außerdem fliegen Firmen bei einer Insolvenz nun binnen zwei Handelstagen aus den Auswahl-Indizes. Bei Wirecard hatte das alte Regelwerk den Dax-Verbleib des Unternehmens trotz der Affäre um Luftbuchungen bis zu einer regulären Prüfung vorgesehen.


10 neue Konzerne gehören zum Leitindex

Die Verschärfung der Kriterien könne aber nur ein erster Schritt sein, um die Attraktivität des Leitindex zu steigern, gab Börsenexperte Tobias Stöhr vom digitalen Handelsplatz Spectrum Markets zu bedenken.

Manfred Schlumberger, Chef-Portfoliomanager des Vermögensverwalters Starcapital, bezweifelt allerdings, dass der Dax dank der Erweiterung zur Konkurrenz aufschließen könne. "US-Aktienindizes sind viel attraktiver als ihre europäischen Pendants, weil sie einen sehr hohen Anteil in zukunftsträchtigen Branchen wie Technologie und Kommunikation haben. Die bekommt der Dax auch durch die Reform nicht, weil es die hierzulande schlicht nicht gibt."

Seit Freitagabend ist offiziell, wer ab dem 20. September die zehn neuen Konzerne in der künftig erweiterten ersten deutschen Börsenliga sind: der deutsch-französische Flugzeughersteller Airbus, der Chemikalienhändler Brenntag, der Kochboxenlieferant Hellofresh, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Aromen- und Duftstoffehersteller Symrise sowie der Online-Modehändler Zalando. Im Gegenzug wird der MDax der mittelgroßen Werte von 60 auf 50 Titel verkleinert.

Quelle: ntv.de, hul/dpa/rts

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