Wirtschaft

Nur eine Frage der Zeit? Experten erwarten die Schweinepest

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Ihnen ging es im Falle des Ausbruchs der Krankheit an den Kragen.

(Foto: picture alliance / Carsten Rehde)

Der Notfallplan steht - doch ein Auftreten der Schweinepest wäre bereits die Katastrophe. Pufferzonen, Exportstopps und gekeulte Bestände wären die Folge. Landwirten droht das wirtschaftliche Aus.

Die rosigen Aussichten der deutschen Schweinefleisch-Erzeuger drohen zunichte gemacht zu werden. Die in osteuropäischen Ländern ausgebrochene Afrikanische Schweinepest rückt immer näher an die deutsche Grenze. Sollte in der Bundesrepublik ein infiziertes Wildschwein oder gar ein an der Seuche erkranktes Hausschwein entdeckt werden, können die Schweinemäster das von der EU-Kommission 2018 erwartete einprozentige Wachstum in der Branche abschreiben. Stattdessen werden sie um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen müssen, zeigt sich der Deutsche Bauernverband (DBV) überzeugt.

Der Grund liegt nicht in der Gefahr eines Massensterbens in Ställen, sondern in Handelsbeschränkungen. Sollte auch nur ein Wildschwein an der unheilbaren Schweinepest erkranken, würden wichtige Exportmärkte sofort mit einem Importstopp reagieren, warnt DBV-Chef Joachim Rukwied.

Damit würde eine prosperierende Branche schwer getroffen. Nach Angaben des Branchendienstes PIG-Report ist Deutschland der größte Schweinefleisch-Exporteur der Welt. Demnach werden (Stand: Mai 2017) 27 Millionen Schweine in 23.800 Betrieben gehalten, wobei es in Nordrhein-Westfalen die meisten Betriebe gibt und in Niedersachsen die meisten Schweine gehalten werden.

Exportstopp heißt Preisverfall

Großabnehmer des deutschen Schweinefleisches ist China. Seit 2011 hat sich der Export in die Volksrepublik verzehnfacht. Über ein Fünftel der deutschen Exporte gehen dorthin.

In China werden vor allem sogenannte Schlachtnebenprodukte wie Pfoten, Ohren oder Schwänze abgenommen, die auf dem deutschen oder europäischen Markt nur schwer verkäuflich sind. Nach Angaben des DBV gingen allein 2016 Agrarprodukte im Wert von 1,76 Milliarden Euro nach China. Deswegen mokierte sich auch DBV-Chef Rukwied über Umweltministerin Barbara Hendricks, die die Exporte als ökologisch fragwürdig angeprangert hatte.

Ein Stopp der Ausfuhren würde zu einem Überangebot in Deutschland führen. Das wiederum würde einen Preisverfall auslösen, den aus DBV-Sicht viele Schweinemäster nicht überstehen würden. Zudem ist mit der Einrichtung von Pufferzonen um die Fundorte infizierter Tiere zu rechnen. Aus diesen Zonen darf kein Fleisch mehr ausgeführt werden. Bestände von Mastschweinen, in denen auch nur ein Tier erkrankt ist, müssen vollständig getötet werden. In Polen, wo die Afrikanische Schweinepest seit Jahren nachgewiesen ist, führte dies 2014 zu einem Preisverfall von 40 Prozent bei Schweinefleisch.

Gegen die hochansteckende - für den Menschen allerdings ungefährliche - Schweinepest gibt es keinen Impfstoff. Übertragen wird die Seuche durch direkten Tierkontakt, Speiseabfälle oder kontaminierte Gegenstände wie Fahrzeuge, Kleidung oder Werkzeug.

Experten rechnen nicht damit, dass die Seuche aufgehalten werden kann. Für sie ist es eher eine Frage der Zeit, wann sie in Deutschland auftritt. Eingeschleppt werden könnte sie von Wildschweinen. Der DBV fordert als präventive Maßnahme den Abschuss von 70 Prozent des deutschen Wildschweinbestandes, vor allem in den Grenzgebieten. Erst bei dieser Abschussquote lasse sich nach Ansicht von Epidemiologen die Ansteckungsgefahr reduzieren, begründet der Verband seine Forderung. Das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut fordert im Fall von Infektionen eine Jagd auf Wildschweine im Seuchengebiet. Die Behörde regt an, dann auch Hubschrauber oder Drohnen einzusetzen.

Quelle: n-tv.de, Hans-Edzard Busemann, rts

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