Wirtschaft

Tinder unter Druck Facebook kündigt Dating-Funktion an

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Facebook will ins Dating-Geschäft einsteigen.

(Foto: AP)

Mitten im größten Datenschutzskandal der Firmengeschichte will Facebook eine eigene Online-Partnervermittlung einführen. Der Dienst solle helfen, langfristige Beziehungen aufzubauen, so Chef Zuckerberg. Die Aktien der Konkurrenz sacken ab.

Facebook steigt ins Geschäft mit der Partnersuche ein. Für die Dating-Funktion werden Mitglieder gesonderte Profile anlegen müssen, die auch nur für andere Flirt-Interessierte sichtbar sein werden, wie Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg ankündigte. Auf den Datenschutz sei dabei besonders geachtet worden.

Ob Facebook auch auf sein enormes Wissen über die Mitglieder zurückgreifen will, um Partner-Vorschläge zu machen, ist noch unklar. Zunächst wurde nur bekannt, dass Nutzer an Events und Gruppen teilnehmen und dort ihre Profile für andere sichtbar machen können. Die Kommunikation zwischen zwei Personen soll über einen eigenen neuen Chatdienst laufen. Das Dating-Profil soll nicht für die Facebook-Freunde eines Nutzers sichtbar sein - und sie sollen auch nicht als potenzielle Partner vorgeschlagen werden, hieß es. Weitere Details soll es in den kommenden Monaten geben.

Facebook wolle darauf aufbauen, dass sich bereits viele Paare bei dem Online-Netzwerk kennengelernt hätten, sagte Zuckerberg. Und 200 Millionen Nutzer gäben aktuell an, dass sie alleinstehend seien - "also gibt es hier ganz klar etwas zu tun". Der Dienst solle helfen, langfristige Beziehungen aufzubauen, nicht nur kurzfristige Flirts, sagte Zuckerberg mit einem unverhohlenen Seitenhieb auf die Dating-App Tinder.

Match-Aktie verliert an Börsenwert

Der Konzern hinter Tinder, Match, büßte nach Zuckerbergs Ankündigung 23 Prozent an Börsenwert ein. Die Anteilsscheine der Match-Muttergesellschaft IAC verbilligten sich um 15 Prozent. Der Kurs des Unternehmens Sparks Networks, das hinter religiös orientierten Angeboten wie JDate und ChristianMingle steht, gab mehr als sieben Prozent nach. Facebook-Papiere legten um 1,1 Prozent zu.

Match-Chefin Mandy Ginsberg spielte im Gegenzug in einem bissigen Kommentar auf den jüngsten Datenskandal von Facebook an: Die Ankündigung komme zu einem überraschenden Zeitpunkt, wo doch in diesem Bereich viele persönliche und heikle Informationen anfielen.

Facebook hätte finanziell das Zeug dazu, das auf zusätzlichen Premium-Angeboten basierende Geschäftsmodell von Apps wie Tinder mit einem kostenlosen Dating-Dienst massiv unter Druck zu setzen. Außerdem erleichtert es Facebook den Nutzern nach dem jüngsten Datenskandal, einige gesammelte Informationen wie die Liste besuchter Websites oder angeklickter Links zu löschen. Zudem könnten die Nutzer künftig auch verhindern, dass Daten über ihre Interaktionen mit anderen Websites und Apps überhaupt gespeichert werden, sagte Zuckerberg auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8.

Er verglich die Funktion "Clear History" mit dem Entfernen ähnlicher Informationen in Webbrowsern. Genauso könne ein solcher Schritt auch die Nutzung von Facebook weniger komfortabel machen, betonte er. "Ihr Facebook wird nicht ganz so gut sein, während das System neu lernt."

Eine zentrale Rolle bei Zuckerbergs Auftritt spielte aber der Datenskandal um den Abfluss von Nutzerinformationen an die Analysefirma Cambridge Analytica. Zuckerberg wiederholte, dass dies "ein massiver Vertrauensbruch" gewesen sei. "Wir müssen dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholen kann." Zugleich bekräftigte der Facebook-Chef, dass das Online-Netzwerk wegen des Skandals und der heftigen Kritik der vergangenen Monate nicht stehenbleiben werde. "Es ist wichtig, hart zu arbeiten, um die Welt zusammenzubringen. Wir werden weiterbauen."

Quelle: ntv.de, ghö/dpa/rts