Wirtschaft

Mehrere Milliarden-Deals Finanzinvestoren mögen "Made in Germany"

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(Foto: picture-alliance/ dpa)

Es ist viel Geld im Markt - und etliche Firmen müssen bei ihren Geschäften nachjustieren: Finanzinvestoren haben im laufenden Jahr Beteiligungen gekauft oder abgestoßen wie seit Jahren nicht. Experten erwarten eine Fortsetzung der Entwicklung.

Finanzinvestoren haben in den vergangenen sechs Monaten bei deutschen Unternehmen zugegriffen wie seit einem Jahrzehnt nicht. Im Vergleich zur ersten Jahreshälfte stieg die Zahl der Zukäufe um fast zwei Drittel auf 106, wie die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young mitteilten. Der Wert der Übernahmen verdreifachte sich in diesem Zeitraum demnach sogar auf fast 16 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr verzeichneten die Experten 171 Zukäufe von Finanzinvestoren mit einem Volumen von knapp 21 Milliarden Euro. 2016 sei damit das stärkste Private-Equity-Jahr seit 2007 gewesen. Allerdings lag das Finanz-Volumen noch gut ein Drittel niedriger als damals. Zugleich verkauften sie Beteiligungen an deutschen Unternehmen im Wert von fast 20 Milliarden Euro. Erstmals seit 2012 haben Finanzinvestoren damit auf dem deutschen Markt mehr investiert als sie bei Beteiligungsverkäufen eingenommen haben. Im Schnitt hatten die Investoren die Firmen zuvor 73 Monate in ihrem Portefolio.

Wie es weiter hieß, sank indes im Zeitraum von Juli bis Ende Dezember im Vergleich zur ersten Jahreshälfte die Zahl der strategischen Käufe - etwa durch andere Firmen - um ein Viertel auf 210. "Das Brexit-Votum und der US-Präsidentschaftswahlkampf führten in etlichen Branchen zu Zurückhaltung bei größeren Deals", sagte Alexander Kron von EY. Diese Zurückhaltung werde zunächst anhalten. "Nach dem für viele überraschenden Ausgang der US-Wahl wartet der Markt derzeit auf eindeutige Signale bezüglich der zukünftigen Ausrichtung der US-Wirtschaftspolitik. So lange bleiben viele Unternehmen in Wartestellung", sagte Kron weiter. Allerdings spreche einiges dafür, "dass sich zukünftig US-Konzerne weniger stark in Europa engagieren werden".

Wolfgang Taudte, Partner bei EY, verwies darauf, dass weiter sehr viel Liquidität im Markt sei und Unternehmen gezwungen seien, sich neu auszurichten. "Wir haben in diesem Jahr bereits große Abspaltungen ganzer Bereiche gesehen, weitere werden folgen. Als Käufer dürften Finanzinvestoren eine relevante Rolle spielen", sagte er.

Der größte Deal eines privaten Finanzinvestors des Jahres war den Angaben zufolge der Verkauf des Immobilienunternehmens Officefirst an Blackstone für 3,3 Milliarden Euro. Der Berliner Spezialchemie-Unternehmens Atotech wechselte für 2,9 Milliarden Euro von der Mutter Total an Carlyle. Insgesamt hatte es sechs Milliarden-Deals privater Investoren gegeben.

Den größten Unternehmenskauf eines Konkurrenten bewältigte die chinesische Midea Group, die sich für 3,8 Milliarden Euro die Mehrheit am Roboterbauer Kuka einverleibte. BASF kaufte die Chemetall GmbH. Insgesamt registrierten die Experten fünf Milliarden-Deals von Unternehmen.

Quelle: n-tv.de, jwu

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