Wirtschaft

Debütanten an der Wall Street Firmen gehen in Rekordtempo an die Börse

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Auch die Dating-App Bumble ist dieses Jahr an die Börse gegangen.

(Foto: REUTERS)

Per Direktplatzierung, Spac oder ganz regulär: Bereits vor Jahresende sind so viele Unternehmen an die Börse gegangen wie nie zuvor. Besonders junge Unternehmen profitieren von niedrigen Zinsen und Anreizen der US-Notenbank. Auch für das kommende Jahr sind Experten optimistisch.

In diesem Jahr haben bereits in den ersten drei Quartalen so viele Firmen den Gang auf das Parkett gewagt wie 1996, dem bislang erfolgreichsten Jahr für Börsengänge, das berichtet der US-Sender CNN unter Berufung auf FactSet. Demnach sind in den ersten neun Monaten in den USA 785 Unternehmen an die Börse gegangen, verglichen mit 664 im gesamten Jahr 1996 und 555 im vergangenen Jahr. Unter ihnen sind die Dating-App Bumble, das pflanzliche Milchunternehmen Oatly und der Online-Broker Robinhood. Erst in der vergangenen Woche gesellte sich der Schuhverkäufer Allbirds dazu, die Aktie des Unternehmens hat sich daraufhin fast verdoppelt.

Gerade Startups profitieren von den aktuell niedrigen Zinsen und anderen Anreizen der US-Notenbank, einem schier unstillbaren Appetit von Investoren sowie dem Boom von sogenannten Spacs. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen ohne operatives Geschäft, das bei einem Börsengang Gelder einsammelt, um später mit einem Privatunternehmen zu verschmelzen, das dadurch an die Börse geht. Dieser Weg ist weniger reguliert als eine traditionelle Neuemission. Im vergangenen Jahr stiegen Spacs in den USA zu einem der heißesten Investitionsvehikel auf. Viele Anleger schlossen inder Corona-Boomphase am Aktienmarkt Wetten auf sie ab. Allerdings schwappte die Begeisterung nie vollends über den großen Teich.

Richard Bransons Raumfahrtfirma Virgin Galactics, der Sportwettanbieter DraftKings und der Büroraum-Anbieter WeWork sind allesamt per Spac an die Börse gegangen. Auch der ehemalige Präsident Donald Trump plant, sein neues Social-Media-Unternehmen mit einer Spac zu fusionieren. Einige große Unternehmen entscheiden sich für eine direkte Notierung ihrer Aktien an der Wall Street. Die Online-Spiele-Plattform Roblox und die Handelsplattform für Cyberwährungen Coinbase haben etwa beide ihre Aktien direkt ausgegeben, anstatt neue Aktien im Rahmen eines Börsengangs zu verkaufen.

Der Anstieg der Nachfrage nach regulären Börsengängen zeigt jedoch, dass viele sogenannte Einhörner, also Startups mit einer Bewertung von mindestens 1 Milliarde US-Dollar, bereit sind, den guten, altmodischen Weg des Börsengangs zu gehen. Laut CNN wird sich daran in nächster Zeit wohl auch nichts ändern. "Ein freundliches Marktumfeld und hohe Bewertungen haben Unternehmen dazu ermutigt, an die Börse zu gehen", zitiert das Portal Rachel Gerring, IPO-Leiterin bei EY Americas, in einem Bericht. "Wir sind vorsichtig optimistisch, dass sich diese Trends bis zum Jahresende und bis ins Jahr 2022 fortsetzen können."

Für diesen Monat stehen noch die Börsengänge des Elektrofahrzeug-Herstellers Rivian und der brasilianischen Digitalbank Riese Nu Holdings an. "Wir gehen davon aus, dass der IPO-Markt das Jahr stark abschließen wird, mit einer robusten Projektliste und einem reichlichen ... Auftragsbestand zur Unterstützung von Emissionen im vierten Quartal", sind sich die Analysten von Renaissance Capital, einem Forschungs- und Investmentunternehmen, das sich auf IPOs konzentriert, in einem aktuellen Bericht sicher.

Quelle: ntv.de, jki

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