Wirtschaft

Millionengrab in Hessen Flughafen Kassel ist ein Schlag ins Kontor

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Berlin hat den BER, Hessen den Flughafen Kassel.

(Foto: dpa)

Er sollte das Vorzeigeprojekt für die Region werden. Doch nun ergibt eine Prüfung: Der Regionalflughafen Kassel-Calden wird die Steuerzahler hunderte Millionen Euro in den kommenden Jahren kosten - viel Geld, das an anderer Stelle fehlt.

Zu wenig Passagiere und viel zu teuer, lautet die verheerende Bilanz nach vier Jahren: Der umstrittene Regionalflughafen Kassel-Calden wird die Steuerzahler einem Bericht zufolge bis 2024 mehr als 326 Millionen Euro kosten. Das gehe aus einem vertraulichen Prüfbericht des Hessischen Rechnungshofs hervor, schreibt der "Spiegel". Die Prüfer werfen der Landesregierung vor, mit dem Flughafen trotz hoher Subventionen kaum volkswirtschaftliche Effekte zu erzielen.

Schon der Bau des 2013 eröffneten Airports war mit über 270 Millionen Euro etwa dreimal teurer als geplant. Die Passagierzahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Auch neues Gewerbe habe sich kaum angesiedelt, zitiert das Magazin aus dem Bericht. Selbst nach den Businessplänen des Flughafenbetreibers werde über 2024 hinaus "ein strukturelles Defizit für das Land von rund fünf Millionen Euro jährlich" bleiben.  

Geplant was das anders: Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte den Flughafen seinerzeit zum "Leuchtturmprojekt" für Nordhessen erklärt, obwohl es im näheren Umkreis eine Reihe anderer Regionalflughäfen gibt - die sich alle schwer tun.

Kassel-Calden ist neben dem großen Flughafen Frankfurt am Main der einzig weitere Verkehrsflughafen Hessens. Im vergangenen Jahr reisten von Kassel aber nur rund 55.000 Passagiere nach Mallorca, Iraklio, Fuerteventura, Teneriffa oder Gran Canaria. Nicht genug, um die hoch gesteckten Erwartungen zu erfüllen. Die Flughäfen greifen sich gegenseitig die Kundschaft ab und der Bund muss finanziell einspringen.

Das Urteil der Prüfer fällt vernichtend aus: "Die umfangreichen finanziellen Mittel hätten im Rahmen anderer Maßnahmen wirkungsvoller für die Förderung Nordhessens eingesetzt werden können".

Quelle: n-tv.de, ddi/afp

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