Wirtschaft

"Das wird kein BER, keine Sorge" Fraport legt Grundstein für drittes Terminal

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Eine Computer-Darstellung von Terminal 3. Der erste Teilabschnitt soll im Jahr 2021 nicht nur fertiggestellt, sondern auch ans Netz gehen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Frankfurter Flughafenbetreiber baut ein neues Terminal, das allein ungefähr so viele Passagiere verkraften kann wie der schwer strapazierte Tegeler Flughafen in Berlin. Das soll aber auch die einzige Parallele zur Hauptstadt bleiben.

Deutschlands größter Flughafen Frankfurt will weiter wachsen - und das möglichst schnell. Mit nahezu 70 Millionen Passagieren pro Jahr platzt er aus allen Nähten, Staus in den beiden Terminals und vor den Start- und Landebahnen gehören zum Alltag. Fraport sieht sich in der Pflicht. Es gilt einen Ruf zu verteidigen: "Wir sind Europas bester Flughafenbetreiber und setzen weltweit Standards." Das Unternehmen will sein Heimatdrehkreuz jetzt nicht nur zügig ausbauen, sondern auch die Kosten aus eigener Kraft stemmen.

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Parkende Flugzeuge hinter dem Baugelände für das neue Terminal.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dreieinhalb Jahre nach dem ersten Spatenstich steht am Montag die Grundsteinlegung für das dritte Passagier-Terminal in Frankfurt an. Stefan Schulte Vorstandschef der Fraport AG, an der das Land Hessen und die Stadt Frankfurt gemeinsam die Mehrheit halten, hat die Pläne über die Jahre begleitet. Mit an Bord ist die Lufthansa, die sich in den vergangenen Monaten mehrfach über die Service-Qualität an ihrem wichtigsten, aber deutlich in die Jahre gekommenen Drehkreuz beklagt hat.

Der Druck, das Neubau-Projekt voranzutreiben, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das Passagieraufkommen ist nach wachstumsschwächeren Jahren um beinahe acht Prozent gestiegen. Mit dem neuen Terminal im Süden des bestehenden Flughafens soll jetzt alles besser werden. Terminal 3 bietet laut den Plänen Platz für 25 Millionen weitere Passagiere. Das ist anderswo ein kompletter Flughafen: Es entspricht in etwa dem Passagieraufkommen, das Berlin-Tegel oder Düsseldorf im vergangenen Jahr hatte, und ist doppelt so viel wie am Stuttgarter Flughafen gezählt wurde.

Finanzen und modularer Bauplan stehen

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Eine Computergrafik zeigt das zukünftigen Terminal von innen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Auch die Finanzplanung stimmt, sagt Vorstandschef Schulte. Fraport habe das Projekt mit einem Investitionsvolumen zwischen 3,5 und 4 Milliarden Euro gut im Griff. In Anspielung auf den immer noch nicht fertigen Berlin-Brandenburger Hauptstadt-Flughafen ließ er klar wissen: "Das wird kein BER, keine Sorge."

Anders als am Berliner BER geplant wurde, wächst der Frankfurter Flughafen im Baukastensystem. Wird der Zeitplan eingehalten, wird ein erster Teilabschnitt, der so genannte Flugsteig G, noch im Jahr 2021 fertiggestellt - und ans Netz gehen.

Generalunternehmer beim Bau des modularen Gebäudes ist die Lindner Group. Der nächste Schritt erfolgt unter Federführung der Tochter des Flughafenbetreibers "Fraport Ausbau Süd GmbH". Dieser Bauabschnitt soll in der zweiten Jahreshälfte 2023 abgeschlossen sein. Er besteht aus dem Terminalzentralgebäude, dem 69 Meter hohen Vorfeld-Tower sowie den weiteren Flugsteigen H und J. Der vierte Flugsteig K ganz im Westen des Gebäudes ist noch nicht abschließend geplant.  

Wegen akuter Platzprobleme am Boden hat Fraport die Zahl der stündlich möglichen Flugbewegungen derzeit eingefroren. Zurzeit könnten theoretisch durch ein erweitertes System an Flugbahnen - trotz Nachtflugverbots - mehr als 700.000 Starts und Landungen im Jahr bewältigt werden, 2018 waren es nur 512.000. Doch in den bestehenden Terminals ist kaum noch Platz, um die Passagiere ein- und aussteigen zu lassen. Deshalb darf es auch vorerst nicht mehr als 104 Starts und Landungen je Stunde geben.

Kritiker: "Sargnagel für die Rhein-Main-Region"

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Eine Luftaufnahme der Baustelle.

(Foto: picture alliance/dpa)

Dass der Protest der Bürgerinitiativen aus dem Flughafen-Umland gegen Lärm und Flächenverbrauch beim Terminal 3 weiter anhält, wundert also nicht. Denn Terminal 3 wird viele der zusätzlichen Flüge erst ermöglichen.

Seit Eröffnung der Nordwestbahn im Oktober 2011 demonstrieren die Gegner des Ausbaus im Wochentakt. Auch für den Tag der Grundsteinlegung haben sie eine Mahnwache angekündigt. Unterstützung erhalten sie beispielsweise von der Rüsselsheimer Mobilitäts-Dezernentin Marianne Flörsheimer (Linke): "Eine vertretbare Größe des Flughafens ist schon längst überschritten, jedes weitere Wachstum ist unverantwortlich." Das Bündnis der flughafenkritischen Bürgerinitiativen nennt Terminal 3 gar den "Sargnagel für die Rhein-Main-Region". 

Die baulichen Gegebenheiten am Frankfurter Autobahn-Kreuz haben die Planer zu manchem Klimmzug gezwungen: So entsteht das Terminal 3 anders als die bisherige Passagier-Infrastruktur südlich der Start- und Landebahnen. Vom Fernbahnhof müssen Passagiere mehr als 5 Kilometer überwinden, um an ihr Gate zu kommen. Nach den Plänen der Fraport AG sollen sie dafür eine nagelneue fahrerlose Bahn mit acht Minuten Fahrtzeit nutzen. Der Auftrag ist an ein Konsortium aus Siemens, Max Bögl und Keolis gegangen.

Quelle: n-tv.de, ddi/dpa

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