Wirtschaft

Russland drosselt Lieferungen Gaspreis schießt in die Höhe

250889525 (1).jpg

Gazprom will ab kommender Woche dafür sorgen, dass sich die europäischen Gasspeicher füllen.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

Die Gaspreise kennen seit Monaten nur eine Richtung: Sie gehen steil nach oben. Nun versiegt eine wichtige russische Pipeline - und die Preise steigen weiter.

Während Gazprom und die EU über die Betriebserlaubnis für die Pipeline Nord Stream 2 streiten, versiegen russische Gas-Lieferungen durch eine wichtige Pipeline. Den Daten am Messpunkt im brandenburgischen Mallnow zufolge fließt seit Samstag kein Erdgas mehr durch die Jamal-Pipeline, die von Russland durch Polen führt. Der Gaspreis steigt vor diesem Hintergrund kräftig: Der europäische Terminkontrakt verteuert sich um 15 Prozent auf 74,35 Euro je Megawattstunde.

Warum kein Gas fließt, ist unklar. Der vom Kreml kontrollierte Gaskonzern Gazprom war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen. Die Unterbrechung der Lieferung geschieht vor dem Hintergrund, dass Russland vorgeworfen wird, die Gasversorgung seit Wochen absichtlich zu drosseln, um die EU unter Druck zu setzen.

Die Pipeline Nord Stream 2 ist bereits fertiggestellt und soll russisches Erdgas über die Ostsee direkt nach Deutschland pumpen. Der Gastransport ist derzeit aber nicht zulässig, weil noch eine Zertifizierung der Bundesnetzagentur aussteht. Die Behörde prüft, ob Betrieb der Leitung und Vertrieb, wie von der EU-Gasrichtlinie vorgesehen, ausreichend getrennt sind. Dabei handelt es sich nach Darstellung der Bonner Behörde um ein Verwaltungsverfahren und kein politisches.

Doch selbst wenn die Bundesnetzagentur grünes Licht geben sollte, sind noch nicht alle Hürden aus dem Weg geräumt. So regelt die aktuelle EU-Gasrichtlinie, dass vor einer endgültigen Zertifizierung noch eine Überprüfung durch die Europäische Kommission erfolgen muss. Für diese und die abschließende Stellungnahme darf sich die Brüsseler Behörde bis zu vier Monaten Zeit nehmen. Erst danach kann die endgültige Entscheidung von der nationalen Regulierungsbehörde erlassen werden. Die EU-Kommission wird die Frist zur Ausarbeitung der Stellungnahme wohl ausschöpfen, auch weil der politische Druck von Pipeline-Gegnern groß ist.

Russland wichtigster Gas-Lieferant

Gazprom weist den Vorwurf zurück, sich nicht an die geschlossenen Lieferverträge zu halten. Nach Angaben von Kritikern könnte der Konzern allerdings mehr Gas in die EU liefern als bisher. Ende vergangener Woche hatte der russische Präsident Wladimir Putin angeordnet, die europäischen Gasspeicher in Deutschland und Österreich zu befüllen - allerdings erst, nachdem die eigenen Speicher voll sind. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte, das dürfte am kommenden Montag der Fall sein.

Russland ist für Deutschland die wichtigste Quelle von Erdgas. Zwar veröffentlicht das Bundeswirtschaftsministerium seit 2016 keine nach Herkunftsländern aufgeschlüsselten Zahlen zu Gasimporten mehr. Laut Energie Informationsdienst beliefen sich die Erdgasimporte der Bundesrepublik 2020 nach Abzug der Erdgasexporte auf insgesamt 79,244 Milliarden Kubikmeter. Hinzu kamen 5,155 Milliarden Kubikmeter inländisch gewonnenes Erdgas.

Aus Russland stammten demnach 37,23 Milliarden Kubikmeter und somit rund 44 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases. Weitere rund 42 Prozent stammten demnach aus Norwegen, 6,5 Prozent aus den Niederlanden.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.