Wirtschaft

Gespräche mit Banken geplatzt Gerry Weber ist pleite

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Bislang sind von der Pleite knapp 600 Beschäftigte betroffen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Online-Trend verschlafen, Probleme in einigen Ländern und auf der Herbst-Kollektion sitzen geblieben: Seit Monaten kämpft der Modehersteller Gerry Weber um einen Weg aus der Krise. Nun verlieren offenbar die Banken das Zutrauen. Was bleibt, ist der Weg zum Amtsgericht.

Der westfälische Modekonzern hat Insolvenz angemeldet. Davon betroffen sei nur die Gerry Weber International AG mit 580 Mitarbeitern, teilte Gerry Weber mit. Die Gespräche mit den finanzierenden Banken seien gescheitert. Der Geschäftsbetrieb sei im Rahmen des beantragten Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung nach derzeitigem Stand bis 2020 gesichert. Die operativen Töchter einschließlich der Modekette Hallhuber, in denen die meisten der 6500 Mitarbeiter beschäftigt sind, sollen aus dem Insolvenzverfahren herausgehalten werden.

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Ziel sei es "das Unternehmen im Zuge der laufenden Restrukturierung zu sanieren", hieß es weiter. Die Aktie wurde vom Handel ausgesetzt. Zur Handelsaussetzung notierte sie bereits 23 Prozent tiefer bei 1,33 Euro. Nach Wiederaufnahme fiel sie bis auf 0,45 Euro zurück.

Finanzkreisen zufolge ging es in den Verhandlungen um rund 200 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Allein über einen 31 Millionen Euro schweren Schuldschein musste Gerry Weber die Interessen von 120 Gläubigern unter einen Hut bekommen. Die beiden Großaktionäre, die Gründerfamilien Weber (29,6 Prozent) und Hardieck (17,5) drohen durch die Pleite alles zu verlieren. Der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber, Ralf Weber, hatte bereits im Oktober als Vorstandschef das Handtuch geworfen.

Operativ tiefrot

Erst vor wenigen Tagen hatte Gerry Weber im abgelaufenen Geschäftsjahr ein operatives Minus von mehr als 190 Millionen Euro zu erwarten. Grund hierfür seien einerseits höhere Rückstellungen für die Restrukturierung des Premium-Segments Hallhuber, die das Management aufgrund einer neuen Planung für notwendig erachtet. Andererseits würden im Segment Retail die Wertberichtigungen für die Landesgesellschaften in Norwegen und Finnland erhöht, hatte es geheißen. Die Gerry Weber International AG plante bislang, die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 am 28. Februar zu veröffentlichen.

Gerry Weber hat wie etwa auch Tom Tailor den Online-Trend verschlafen. Statt 24 Stunden lang an sieben Tagen in der Woche geöffnet zu haben, muss sich die Kundschaft an die Ladenöffnungszeiten halten und sich mit vorrätiger Ware begnügen. Während sich Online-Verkäufer zeitnah der Nachfrage anpassen, ist dort das Ordern von Waren bereits Monate vor deren Verkauf überholt. Dieses Jahr blieb wegen des heißen Sommers zudem die Herbstkollektion in den Lagern liegen.

Bereits zum Jahresende hatten die Analysten von Independent Research die finanzielle Lage als angespannt eingestuft. Die Finanzierung sei nur bis Ende Januar 2019 gesichert, das Marktumfeld verschlechtere sich und die Wettbewerbsfähigkeit der Kernmarken sei relativ gering, hatte es damals geheißen. Die Gerry-Weber-Papiere haben allein im vergangenen Jahr mehr als drei Viertel ihres Wertes verloren.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ/

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