Wirtschaft

H&M und Zara drücken Preise Gerry Weber schlittert tiefer in die Krise

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Gerry Weber im Umbau: Das Unternehmen will den Transformationsprozess weiterführen.

(Foto: imago/Ralph Peters)

Angesichts neuerer, jüngerer Konkurrenten gilt das deutsche Modehaus Gerry Weber seit längerem als angestaubt. Und das schlägt sich inzwischen deutlich in den Zahlen nieder. Kann ein Gutachten die lang ersehnte Wende einläuten?

Der Modekonzern Gerry Weber rutscht offenbar immer tiefer in eine ökonomische Schieflage. Das Unternehmen habe zur Unterstützung eines umfassenden Umbaus ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben, teilte Gerry Weber überraschend in einer Pflichtmitteilung an die Anteilseigner mit.

Das Gutachten soll bis Mitte Oktober vorliegen. Es soll sich dabei um ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 handeln und dem Transformationsprozess dienen. Ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 wird üblicherweise in Krisensituationen auf Wunsch von Geldgebern in Auftrag gegeben. Die Aktie quittierte die Mitteilung des Unternehmens mit einem nachbörslichen Rückgang von sieben Prozent. Weitere Informationen will der Konzern aus Halle in Westfalen dann bekannt geben, wenn die Gremien über die Ergebnisse des Gutachtens informiert worden sind.

Das Unternehmen hatte vor gut einer Woche die Aktionäre mit enttäuschenden Zahlen zu den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres geschockt. Der im Umbau befindliche Konzern bekam zu spüren, dass die Kunden auch wegen des heißen Sommers weniger für Mode ausgaben, zudem setzt der Onlineboom dem stationären Handel schwer zu. Die im dritten Quartal 2017/18 eingeläutete Restrukturierung hat demnach noch keine Besserung gebracht. Der Umsatz ging spürbar zurück, der Verlust unter dem Strich verdoppelte sich.

Weitere Aussichten pessimistisch

Ralf Weber, Chef von Gerry Weber, erklärte hierzu: "Die unbefriedigende Umsatzentwicklung bestärkt uns noch mehr, unser Geschäftsmodell mit Nachdruck umzustellen und diese Transformation dort, wo möglich, noch stärker voranzutreiben. Wir sind schon ein gutes Stück vorangekommen, auch wenn es noch Zeit benötigt, bis wir die Erfolge in den Ergebnissen sehen."

Auch die weiteren Aussichten wertete das Unternehmen pessimistischer. Der Aktienkurs war daraufhin auf ein Tief seit 2004 gefallen, Analysten sahen im Zahlenwerk Warnsignale und sprachen von einer Abwärtsspirale. Gerry Weber leidet seit Jahren unter dem Rückgang von Umsatz und Profitabilität.

Neben dem schwachen Branchenumfeld drücken Gerry Weber auch hausgemachte Problemen. In den Erfolgsjahren hatte der Konzern stark expandiert und eigene Läden und Verkaufsflächen bei Handelspartnern eröffnet. Doch der Konkurrenzdruck wuchs, auch wegen der großen Modeketten wie H&M und Zara. Die locken die Kundinnen mit den rasch wechselnden Kollektionen zu günstigen Preisen in die Läden. Zudem verloren die Kollektionen von Gerry Weber an Attraktivität. Im Zuge der Restrukturierung schließt Gerry Weber zahlreiche Läden. Zum Stand der Dinge erklärte die Gesellschaft, die Anzahl der Mitarbeiter sank bis Ende Juli auf knapp 6.500 und damit 450 weniger als im Vorjahr.

Quelle: ntv.de, lou/dpa/dj

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