Stolz auf umstrittenes GeschäftGriechische Reeder verdienen Milliarden mit russischem Öl

Verboten ist es zwar nicht, russisches Öl für den Export zu transportieren. Doch die meisten internationalen Reedereien haben sich aus diesem Geschäft zurückgezogen. Umso mehr verdienen einige griechische Schiffseigner an diesen Transporten.
Der russische Ölexport spülte in den vergangenen Jahren nicht nur Milliarden von Dollar und anderen Devisen in die Kassen des Kreml und half so, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Auch griechischen Reedereien bescherte der Transport russischen Öls Milliardeneinnahmen. Berechnungen der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" zufolge machten Schiffseigner aus dem EU- und Nato-Staat in den vergangenen drei Jahren zusammen mindestens 3,8 Milliarden Dollar Umsatz mit dem russischen Rohölexport.
Die griechischen Reeder waren den FT-Zahlen zufolge eine wichtige Stütze für den russischen Staat und sein Ölgeschäft. Die Analyse zeigt, dass von den 20 wichtigsten Reedereien für den Transport russischen Öls seit Juli 2023 acht griechische waren. Bei allen anderen habe es sich um russische Staatsfirmen oder mit diesen verbundene Unternehmen gehandelt. Demzufolge transportierten die griechischen Reedereien mindestens 15 Prozent der gesamten russischen Rohölexporte.
Die griechische Schifffahrtsbranche ist bekannt dafür, auch riskante und umstrittene Transporte zu übernehmen, vor denen ein Großteil der Konkurrenz zurückschreckt. Da viele internationale Reedereien aus den nicht verbotenen, aber hoch umstrittenen Geschäften mit Russland zurückschreckten, zahlten Ölhändler Aufschläge von 30 bis 40 Prozent für solche Transporte, so ein Experte gegenüber der FT. Die Gewinnmarge sei entsprechend hoch.
Allein Dynacom, die Reederei des Schifffahrtsmoguls George Prokopiou, nahm mit Öltransporten in russischem Auftrag innerhalb des Dreijahreszeitraums mehr als 900 Millionen Dollar ein. Die zur Onassis Gruppe gehörende Reederei Olympic Shipping setzte mindestens 400 Millionen Dollar um, die Firmen Stealth Maritime und Polembros Shipping mindestens 200 Millionen.
"Beitrag der griechischen Schifffahrt"
Die tatsächlichen Beträge dürften noch höher sein. Die FT bezog einen Teil der Transporte, für die ihr keine verlässlichen Preisdaten vorlagen, nicht in ihre Berechnungen mit ein. Die Analyse stützt sich auf Preisdaten der Firma Argus Media, Angaben zum Management der Tanker von der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO und Bewegungsdaten der Firma Kpler.
Russisches Öl zu transportieren, ist trotz der internationalen Sanktionen gegen das Land auch für europäische Unternehmen nicht verboten. Die Reedereien müssen allerdings nachweisen, dass ihre Fracht im Einklang mit dem von den G7-Staaten verhängten Preisdeckel gehandelt wurde. Dieser Preisdeckel, der derzeit bei gut 44 Dollar pro Fass liegt, soll einerseits die Einnahmen Russlands aus dem Ölexport beschränken, andererseits aber sicherstellen, dass der Rohstoff dennoch auf den Weltmarkt kommt, um steigende Energiepreise zu vermeiden. Praktisch ist die Kontrolle des Preisdeckels allerdings schwierig.
Hochumstritten sind die Geschäfte der griechischen Schiffseigner dennoch. Nach der russischen Invasion hatte die Ukraine mehrere griechische Reedereien auf ihre Schwarze Liste der "internationalen Kriegsunterstützer" gesetzt, sie jedoch später auf Druck der griechischen Regierung wieder gestrichen.
Auf Anfrage der FT teilten die betroffenen Reedereien mit, dass sie sich an alle internationalen Regeln, einschließlich der Sanktionen und des Preisdeckels hielten. Dynacom wies zudem auf die positiven Folgen dieser Transporte hin: "Stromrechnungen, Spritkosten und Inflationsdruck darüber hinaus wurden gedämpft, dank des Beitrags der griechischen Schifffahrt."