Wirtschaft

Vorwürfe gegen Standard Chartered Großbank zahlt Millionen

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Verantwortlich für die StanChart-Gruppe: Peter Sands (Archivbild).

(Foto: dpa)

Eine einzelne Überweisung sichert Standard Chartered womöglich das wirtschaftliche Überleben: Mit einer dreistelligen Millionensumme versucht die Bank die Wogen im Iran-Streit mit den USA zu glätten. Die Aufseher in New York lenken ein und akzeptieren. Komplett vom Tisch sind die Geldwäsche-Vorwürfe damit wohl noch nicht.

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Scharfe Vorwürfe aus den USA: Wer darf mit wem Geschäfte machen?

(Foto: REUTERS)

Im Streit um mutmaßlich illegale Iran-Geschäfte hat sich die britische Großbank Standard Chartered (StanChart) mit der New Yorker Finanzaufsicht auf einen Vergleich über 340 Mio. Dollar (284 Mio. Euro) geeinigt. Das Geldhaus habe einer Zahlung in dieser Höhe zugestimmt, teilte die Behörde des Bundesstaats New York Department of Financial Services (DFS) mit.

Mit der Zahlung dürfte die britische Bank weiteren Ermittlungen der New Yorker Aufseher entgehen - und kommt Beobachtern zufolge wohl insgesamt recht glimpflich davon: Analysten hatten im Fall eines Vergleichs eine Summe von bis zu einer Milliarde Dollar für möglich gehalten. Auch der Entzug der Banklizenz in den USA stand zeitweilig im Raum, ein Schritt, der die Bank empfindlich getroffen hätte.

Laut DFS erklärte sich StanChart ferner zu einer mindestens zweijährigen Überwachung ihrer Geldwäsche-Kontrollen bereit. Die Bank gab dazu zunächst keine Stellungnahme ab. Offen blieb, inwieweit der DFS-Vergleich die Ermittlungen anderer Aufsichtsbehörden in den USA berührt.

US-Sanktionen ignoriert?

Unter den Aktionären der Bank ist die Erleichterung dennoch groß: Die für Mitte der Woche geplante Anhörung mit StanChart-Chef Peter Sands werde verschoben, teilte die New Yorker Aufsicht mit. Bei der Vorladung sollte über die gefährdete StanChart-Bankenlizenz in den USA entschieden werden. Das Institut sollte dabei den US-Aufsehern Rede und Antwort stehen - und erläutern, was es zu tun gedenke, um die Lizenz für den US-Markt zu behalten.

Ohne Zulassung verlöre StanChart den direkten Zugang zum weltweit wichtigsten Finanzmarkt. Neben dem Schaden in der Reputation und bei den Marktanteilen wäre in diesem Fall wohl auch mit milliardenschweren Umsatzeinbußen zu rechnen gewesen. Die Reaktionen an der Börse blieben nicht aus: Die in den USA notierten Aktien der Bank legten mit dem Vergleich um acht Prozent zu. Zuvor war bereits eine Einigung zwischen StanChart und der DFS erwartet worden: In London waren die Aktien zuvor 2,7 Prozent fester aus dem Handel gegangen.

Die New Yorker Finanzaufsicht hatte vor einer Woche den Vorwurf erhoben, dass Standard Chartered über Jahre hinweg Transaktionen im Umfang von mindestens 250 Mrd. Dollar für iranische Banken abgewickelt haben soll. Dies sei wegen der geltenden Sanktionen gegen das Land illegal gewesen. Standard Chartered habe die Geschäfte deshalb bewusst verschleiert. Die Bank habe "hunderte Millionen Dollar" an Gebühren eingestrichen, hieß es damals.

Das Gesamtvolumen ist von entscheidender Bedeutung: Im Fall einer Verurteilung dürften diese Summe als Orientierungspunkte bei der Festsetzung von etwaigen Strafzahlungen dienen. StanChart habe wie eine "Politik verteidigt "Schurkenbank" " agiert und das US-Finanzsystem für Terroristen und Drogenhändler geöffnet, lautete der Vorwurf. Die Bank hatte die Anschuldigungen vehement bestritten.

In einer ersten Reaktion hatte Standard Chartered erklärt, 99,9 Prozent der Transaktionen im Zusammenhang mit dem Iran hätten sich innerhalb der gesetzlichen Regeln bewegt. Die Geschäfte hätten auch nichts mit Institutionen zu tun gehabt, die von der US-Regierung zum damaligen Zeitpunkt als terroristisch eingestuft worden waren. Lediglich bei Geschäften im Umfang von 14 Mio. Dollar sei dies nicht der Fall gewesen. Die Bank hatte betont, Anfang 2010 selbst auf die Behörden zugegangen zu sein und Daten vorgelegt zu haben.

Angriff auf den Finanzplatz London?

Die Fallhöhe ist groß: Das Haus galt bis vor kurzem noch als Vorzeige-Institut unter den fünf britischen Großbanken. In den vergangenen acht Jahren fuhr Standard Chartered trotz Finanzkrise einen Rekord nach dem anderen ein. Die in Kontinentaleuropa kaum bekannte Bank macht einen Großteil ihres Geschäfts in Asien, dem Nahen Osten und Afrika.

Das Vorgehen der New Yorker Finanzaufseher hatte die Briten aufgebracht. Der Labour-Abgeordnete John Mann etwa warf den USA vor, gezielt den Finanzplatz London schwächen zu wollen. Ähnlich äußerte sich Londons Bürgermeister Boris Johnson.

Die Häufung, in der derzeit schwerwiegende Vorwürfe gegen britische Geldhäuser vorgebracht werden, ist tatsächlich auffällig: StanChart ist bereits die dritte britische Großbank, die sich die US-Behörden vorknöpfen. Erst musste Barclays toppt Erwartungen wegen der Verwicklung in Zins-Manipulationen eine Geldstrafe über eine halbe Milliarde Dollar zahlen. Dann bekam die Konkurrentin HSBC mit gemischten Zahlen wegen laxer Geldwäsche-Kontrollen eine schallende Ohrfeige vom US-Senat. Auch hier droht noch eine Milliardenstrafe.

Die Iran-Affäre setzte Standard Chartered extrem unter Druck: In den vergangenen Tagen hatte die Bank erhebliche Kursverluste hinnehmen müssen. Die vor allem in der USA war groß. Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe rauschte Bank umgeht Iran-Sanktionen . Anleger mussten sich ernsthaft mit dem Szenario auseinandersetzen, dass die Bank ihre US-Lizenz verlieren könnte. Kurz nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe verlor das Institut über den scharf einbrechenden Aktienkurs 17 Mrd. Dollar an Börsenwert. Der Imageschaden dürfte weitaus schwerer zu beziffern sein.

Noch laufen weitere Ermittlungen

Doch auch mit dem aktuellen Vergleich ist die Sache für Standard Chartered noch nicht vom Tisch: Endgültig abschließen können die Briten das Kapital Iran-Geldwäsche wohl frühestens im Herbst. Denn neben der New Yorker Aufsichtsbehörde haben auch andere staatliche Stellen eigene Ermittlungen eingeleitet. Darunter befinden sich die Notenbank Fed, das Justizministerium und die als kompromisslos geltende Staatsanwaltschaft von Manhattan.

Frühestens im September sei hier mit einem übergreifenden Vergleich zu rechnen, berichtete die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine eingeweihte Person.

Der Alleingang der New Yorker Finanzaufsicht hatte nach US-Medienberichten für Unmut unter den Regulierern gesorgt. "Wir werden in dieser Sache weiterhin mit unseren Partnern auf Bundes- und Staatenebene zusammenarbeiten", erklärte daher der New Yorker Behördenchef Benjamin Lawsky vorsichtshalber.

In der Vergangenheit hatten die USA unter dem Vorwurf der Geldwäsche mehrfach empfindliche Strafen gegen internationalen Banken wegen Geschäften mit sogenannten Schurkenstaaten verhängt. So musste die britische Lloyds 2009 eine Strafe in Höhe von 350 Mio. Dollar zahlen, Barclays ein Jahr später 298 Mio. Dollar.

Mit ähnlichen Vorwürfen konfrontiert waren auch schon Credit Suisse und die niederländische ABN Amro. Die ebenfalls niederländische ING hatte erst im Juni diesen Jahres 619 Mio. Dollar wegen des Verstoßes gegen US-Sanktionen berappen müssen. Damals ging es nicht nur um den Iran, sondern auch um Kuba.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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