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Goldgrube Horrorfilme Gruseln, bis die Kasse klingelt

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"Paranormal Activity" ist ein Horrofilm mit dokumentarischem Charakter.

(Foto: imago/Prod.DB)

Das Erfolgsrezept ist immer ähnlich: Minimaler Einsatz, maximaler Gewinn. Mit Horrorfilmen fährt Hollywood atemberaubende Gewinne ein. Das Geschäft mit der Angst ist eine Goldgrube und lockt immer mehr Nachahmer an.

Adrenalin, Nervenkitzel und das erleichterte Gefühl, wenn der Schreck wieder nachlässt. Die Lust am Gruseln ist so alt wie die Menschheit. Besonders gut lässt sich diese Vorliebe für Horror im Kino ausleben. Viele Filme floppen an den Kinokassen, andere spielen gerade so wieder die Produktionskosten ein. Bei Gruselstreifen ist das anders: Mit ihnen lassen sich atemberaubende Gewinne einfahren.

Doch allein den Erfolg an den Kinokassen kann man nicht als Indikator nehmen. Denn er sagt nichts darüber aus, wie viel Gewinn eine Produktionsfirma tatsächlich mit einem Film macht. "Paranormal Activity", ein Horror-Klassiker von 2007, in dem ein junges Paar gerade in ihr erstes eigenes Haus gezogen ist und bemerkt, dass es dort nicht allein ist, hat an den Kinokassen knapp 200 Millionen Euro eingespielt.

Das ist eine beachtliche Summe, aber nicht ansatzweise so viel, wie die US-amerikanische Produktionsfirma Marvel Studios mit "Avengers: Endgame" verdient hat. Mit einem Einspielergebnis von fast 2,8 Milliarden Dollar ist "Endgame" der bislang erfolgreichste Film der Welt. Allerdings hat die Comic-Verfilmung auch fast 400 Millionen Dollar gekostet. Mit jedem Dollar Einsatz hat Marvel dementsprechend 6 Dollar verdient. Kein Vergleich zu "Paranormal Activity". Der Horrorstreifen hat je nach Quelle in der Produktion 15.000 bis 150.000 Dollar gekostet. Das bedeutet: Im Optimalfall hat das Studio mit jedem Dollar Einsatz 13.000 Dollar Gewinn gemacht. Die Erklärung dafür ist ganz einfach.

Erfolgsrezept folgt eigener Logik

"Paranormal Activity basiert auf dem Konzept von 'Blair Witch Project', einem Horrorfilm mit dokumentarischem Charakter ohne Set, bei dem einfach eine Kamera draufgehalten und gefilmt wurde. Das war die Entdeckung einer Goldgrube", sagt die Organisatorin des "Fantasy Filmfestes" Frederike Dellert n-tv.de. Heutzutage finden sich in Listen der zehn profitabelsten Filme, je nach Quelle, gleich mehrere Horrorfilme. Auf Platz zwei steht immer "Blair Witch Project". Darin marschieren junge Studenten mit einem Camcorder in der Hand in einen abgeschiedenen Wald, um die Geschichte der Hexe von Blair aufzudecken. Das Gruselspektakel hat nur 60.000 Dollar gekostet, aber 240 Millionen Dollar eingespielt. Ähnlich ist auch das Konzept des Zombieklassikers "Die Nacht der lebenden Toten", von "Saw" oder "Halloween".

Das Erfolgsrezept ist immer ähnlich: Die Produktionskosten sind sehr gering. "Ein Gruselfilm braucht keine Starbesetzung. Er kann mit unbekannten Schauspielern arbeiten und so große Teile des Budgets einsparen", sagt Dellert. Die Gehaltsvorstellungen von Robert Downy Jr., Scarlett Johansson, Chris Evans oder Chris Hemsworth hingegen schlagen für Marvel ordentlich zu Buche.

Die Macher von "Paranormal Activity" hätten sich eine solche Starbesetzung niemals leisten können. Wollten sie aber auch nicht. Denn in der Castinganzeige des Films hieß es ausdrücklich: Die Hauptdarsteller müssen noch unbekannt sein. Ausgewählt wurden schließlich Filmstudenten, die sich selbst gespielt und einfach improvisiert haben.

Beim Set ist der Unterschied zwischen Horrorfilm und Blockbuster genauso groß. Während Produktionen von Marvel auf der ganzen Welt oder im Weltall spielen, hat für das "Blair Witch Project" der Wald um die Ecke genügt. Bei "Paranormal Activity" war es nur ein Haus, bei "Saw" sogar nur ein Raum.

Billig müssen Horrorfilme nicht mehr sein

Und auch die Effekte von Horrorfilmen sind meistens viel günstiger als die von Superheldenfilmen. Bei "Paranormal Activity" knallen Türen zu, es fällt eine Tasse vom Tisch oder es bewegt sich eine Bettdecke wie von Geisterhand. Bei Marvel werden hingegen ganze Städte oder Landstriche zerstört.

Doch das Erfolgsrezept hat auch seine Nachteile. Viele Filmemacher wollen es kopieren, sagt Dellert. Davor sind auch Erfolgsfilme wie "Paranormal Activity" nicht gefeit. Allein dieser Klassiker hat zwei offizielle Nachfolger sowie drei Spin-offs oder Ableger. Von der "Saw"-Reihe gibt es ganze acht Filme.

Inzwischen setzen auch die großen Hollywoodstudios auf Horror. Besonders billig muss es aber nicht mehr sein. Das bislang bewährte Erfolgsrezept wird sogar ins Gegenteil gekehrt. In den vergangenen Jahren ist Stephen Kings Gruselklassiker "Es" mehrmals aufwendig und teuer verfilmt worden. Die Konsequenz: Neuerdings gewinnen Horrorfilme sogar wichtige Auszeichnungen. Der satirische Mystery-Horror-Thriller "Get Out" wurde vier Mal für den Oscar nominiert und hat die Trophäe für das beste Originaldrehbuch gewonnen - ein Beweis dafür, dass es Gruselfilme längst aus der Nische geschafft haben.

Quelle: ntv.de