Wirtschaft

Günstigerer Netzausbau möglich?Bund steigt bei größtem Übertragungsnetzbetreiber ein

03.02.2026, 16:34 Uhr
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Der niederländische Staat wollte nicht länger in den Netzausbau in Deutschland investieren. (Foto: picture alliance / dpa)

Wegen der Energiewende muss Deutschland sein Übertragungsnetz in den nächsten Jahren weiter ausbauen. Der Einstieg des Bundes bei Tennet Germany soll das erleichtern. Ein günstigerer Ausbau könnte langfristig auch den Anstieg der Netzentgelte für die Verbraucher dämpfen.

Der Bund steigt für bis zu 3,3 Milliarden Euro beim größten deutschen Strom-Übertragungsnetzbetreiber Tennet Germany ein, um den milliardenschweren Netzausbau für die Energiewende abzusichern. Die staatliche Förderbank KfW unterzeichnete den Vertrag zum Erwerb einer Minderheitsbeteiligung von 25,1 Prozent an der deutschen Sparte des niederländischen Staatskonzerns, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilt. "Für das Erreichen der energiepolitischen Ziele ist der bedarfsgerechte Ausbau der Stromnetze erforderlich", sagte Ministerin Katherina Reiche. Der Bund erhält damit unter anderem Sitze im Gesellschafter- und Aufsichtsgremium sowie Vetorechte bei Geschäftsplan und Geschäftsführung.

Der Chef von Tennet Germany, Tim Meyerjürgens, begrüßte den Schritt. "Mit dem Staat als Investor können wir die Netze günstiger ausbauen", sagte Meyerjürgens dem "Handelsblatt". Die breitere Eigentümerbasis stärke die Bonität und schaffe die Grundlage für eine günstige Finanzierung. Zudem sende ein Staat, der sich selbst engagiere, ein Signal für verlässliche Rahmenbedingungen an internationale Investoren.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte vor zweieinhalb Wochen den Weg für den Einstieg freigemacht und die Mittel bewilligt. Der Kaufpreis für den Bundesanteil betrage 3,3 bis 3,4 Milliarden Euro, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Die Spanne ergebe sich, weil der vereinbarte Eigenkapitalwert ab Ende 2025 bis zum Abschluss der Transaktion verzinst werde. Grundlage sei eine Bewertung von Tennet Germany mit einem Eigenkapitalwert von 10,4 Milliarden Euro zum Jahresende 2025.

Der Bund erhalte zudem das Recht, zwei von acht Mandaten im Aufsichtsrat zu besetzen. Der Bundesetat werde mit Verwaltungs- und Refinanzierungskosten in niedriger dreistelliger Millionenhöhe belastet. Diese Belastung könne durch erwartete Dividendeneinnahmen Ende der 2020er und Anfang der 2030er Jahre geringer werden oder auch ganz entfallen.

Rund 14.000 Leitungskilometer

Tennet Deutschland gehörte bislang vollständig dem niederländischen Staat, der sich aus dem Ausbau des deutschen Stromnetzes zurückziehen will. Frühere Anläufe für einen Anteilserwerb durch den Bund waren letztlich an Finanzierungsfragen gescheitert. Der Weg für die erneuten Gespräche war durch einen anderen Teilverkauf frei geworden: Im September hatte die niederländische Regierung zugestimmt, 46 Prozent von Tennet Deutschland an ein Konsortium aus Investoren zu veräußern. Tennet Holding will die verbleibenden 28,9 Prozent behalten, um bei wichtigen Entscheidungen beteiligt zu bleiben.

Mit rund 14.000 Leitungskilometern ist Tennet in Deutschland der größte von vier Übertragungsnetzbetreibern. Der Abschluss der Transaktion wird nach den nötigen behördlichen Genehmigungen spätestens für das dritte Quartal 2026 erwartet. Der Bund ist über die KfW bereits an den Netzbetreibern 50Hertz und TransnetBW beteiligt und würde damit Anteile an drei der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber halten.

Quelle: ntv.de, dsc/rts

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