"Chaotische Zustände"Güterbahnen fordern Streckensanierungen ohne Vollsperrungen

Nachdem die Bahninfrastruktur über Jahrzehnte kaputtgespart wird, sollen die Generalsanierungen das Problem lösen. Doch die damit einhergehenden Vollsperrungen sind dem Verband der Güterbahnen ein Dorn im Auge. Die Industrie leide unter den "chaotischen Zuständen".
Der Verband der Güterbahnen hält das Konzept der Sanierung des Schienennetzes mit monatelangen Vollsperrungen für gescheitert. Verkehrsminister Patrick Schnieder sei nun in der Pflicht, das Konzept der Korridorsanierungen zu überprüfen und zu ändern, sagte Peter Westenberger, Geschäftsführer der Güterbahnen. Vollsperrungen sollte es nur noch bei ausreichenden Umleitungsmöglichkeiten geben. Schnieder müsse aktiv werden und die Industrie vor weiteren Schäden bewahren.
Nach der Sanierung der vielbefahrenen Strecke Frankfurt-Mannheim war zuletzt der Abschnitt Berlin-Hamburg gesperrt. Mitte Juni wird die Route wieder vollständig befahrbar sein, sechs Wochen später als ursprünglich geplant. Als nächstes ist der Korridor Hamburg-Hannover dran.
Die Güterbahnen werfen der Bahn-Infrastrukturtochter DB Infrago chaotische Zustände auf den Umleitungsrouten im Norden vor. Außerdem seien trotz Verzögerung nicht alle Ziele der Sanierung erreicht worden. "Es muss rigoros geprüft werden, ob Vollsperrungen vertretbar sind", so Westenberger.
Sanierungszeitraum wurde schon ausgedehnt
Kürzlich hatten große deutsche Stahlwerke erklärt, wegen der Unzuverlässigkeit der Deutschen Bahn ihre Produktion drosseln zu müssen. Das berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Demnach behindern Baustellen an wichtigen Bahnstrecken in Norddeutschland die Versorgung der Werke durch Güterzüge. Ein Sprecher des Stahlkonzerns Salzgitter AG sagte der SZ, wegen der Störungen bei Güterzügen "haben wir unsere Hochofenproduktion bereits drosseln müssen". Salzgitter, Deutschlands drittgrößter Stahlhersteller, erhält Eisenerz, Kohle und Schrott per Güterzug.
Das Konzept der Generalsanierungen wurde bereits bis 2036 gestreckt, um die Belastung zu verteilen. Sie wurden damit an den Zeitplan des Infrastruktur-Sondervermögens gekoppelt. Die vielen Baustellen bremsen die Deutsche Bahn deutlich aus, nicht nur den Güterverkehr. "Wir haben dieses Jahr ein Rekord-Baujahr mit 28.000 Baustellen", sagte Bahnchefin Evelyn Palla in einem "Handelsblatt"-Interview. "Deshalb wird auch 2026 ein schwieriges Jahr bleiben." Zuletzt waren im Fernverkehr nur gut 60 Prozent der Züge pünktlich.