Wirtschaft

Pannentest in Grünheide Gutachter stellen Tesla desaströses Zeugnis aus

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Die finale Genehmigung für das Tesla-Werk in Grünheide steht immer noch aus. Ein internes Störfallgutachten sieht Nachbesserungsbedarf.

(Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Während die Tesla-Fabrik in Grünheide immer noch auf ihre finale Baugenehmigung wartet, reißen die Probleme nicht ab. Nun attestiert ein internes Gutachten auch noch Sicherheitsmängel. Das Werk sei für Störfälle nicht gerüstet. Die Gutachter sehen Nachbesserungsbedarf. Tesla eher nicht.

Die neue Tesla-Fabrik in Grünheide scheint ernsthafte Sicherheitsmängel aufzuweisen, solchen Bedenken aber gleichzeitig auch keine große Bedeutung beizumessen. Wie aus einem internen Störgutachten hervorgeht, das dem "Business Insider" und dem ZDF vorliegt, ist der E-Auto-Bauer nicht gut auf ernsthafte Störfälle vorbereitet.

So sei es nach jetzigem Planungsstand durchaus möglich, dass sich in den Hallen in Grünheide Gaswolken bilden, die explodieren und Brände auslösen können, heißt es unter Berufung auf Gutachter aus Hamburg, die das Unternehmen beauftragt hat. Außerdem könnten giftige Reizgase entstehen, die nicht nur die Atemwege der Mitarbeiter, sondern auch die der Anwohner angreifen könnten.

Wie der "Business Insider" schreibt, wurde das Gutachten von der Ingenieursgesellschaft Müller-BBW erstellt. Ziel sei es gewesen, anhand der verschiedenen Chemikalien und Stoffe, die im Werk eingesetzt werden, herauszufinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Unfällen ist.

In einem Szenario wird demnach davon ausgegangen, dass ein Behälter in der Lackiererei des Werks beschädigt wird und die Flüssigkeit n-Butylacetat ausläuft. Ein Szenario, das Laien nicht abwegig erscheint.

Bekannt ist über N-Butylacetet, dass es ein leicht entzündliches Dampf-Luft-Gemisch bildet. Einatmen oder verschlucken kann zu Gesundheitsschäden führen. Die Folge können Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit oder Hirnfunktionsstörungen sein.

Im direkten Gegensatz zu der akuten Brand- und Explosionsgefahr, die von dem Stoff ausgehen, riecht er jedoch harmlos fruchtig. Das klare, farblose und gut duftende Lösungsmittel wäre in der Halle laut Gutachten innerhalb von zehn Minuten verdampft. Im Bericht heißt es, Tesla sei auf so einen Fall nicht vorbereitet.

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In einem weiteren Szenario soll das Austreten der Chemikalie Tetrafluorpropen in druckverflüssigter Form simuliert worden sein. Hierzu heißt es, die Gutachter gingen davon aus, dass ein Lachenbrand folgen und die Gase verdampfen würden. Bei dem Brand könne Fluorwasserstoff entstehen, ein Reizgas, das die Atemwege von Menschen angreift. Auch dieses Szenario werde in dem Bericht als plausibel bezeichnet.

Tesla hatte vor dem Hamburger Gutachten bereits Gefahrenszenarien durchgespielt, diese aber als unwahrscheinlich abgestempelt. Dies sollen die Gutachter in ihrem Bericht kritisieren. Demnach bemängeln sie Datentiefe, fehlende Belege und die naiven Annahmen. Tesla werde deshalb aufgefordert, die Szenarien völlig "neu abzuleiten und zu betrachten".

Quelle: ntv.de, ddi

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