Wirtschaft

Der Rotstift wütet im Konzern HSBC reißt das Steuer rum

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Die Bank HSBC will die Rendite deutlich steigern.

(Foto: REUTERS)

Zehntausende Stellen fallen weg. Ganze Geschäftsbereiche werden teils radikal geschrumpft oder zusammengelegt, Marktpräsenzen neu sortiert. Europas größte Bank HSBC will mit radikalen Mitteln zurück auf den Wachstumspfad. Die Rendite soll deutlich steigen.

Brexit, Coronavirus und die Handelskonflikte zwingen Europas größte Bank HSBC zu einer Rosskur: 35.000 Jobs fallen weg, das Investmentbanking wird zurechtgestutzt und das Geschäft in Europa und den USA verkleinert, wie HSBC-Interimschef Noel Quinn verkündete. 2019 brach das Vorsteuerergebnis vor Steuern um ein Drittel auf 13,3 Milliarden Dollar ein, vor allem wegen milliardenhoher Abschreibungen infolge des Schrumpfkurses. Der Überschuss fiel um rund die Hälfte auf knapp sechs Milliarden Dollar. An der Börse sackten die HSBC-Aktien ab und waren mit Abstand schwächster Wert im britischen Auswahlindex.

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"Wir müssen uns eingestehen, dass wir vor einigen großen Herausforderungen stehen", sagte Quinn. Die Bank schaffe mit dem Umbau die Voraussetzungen zur Rückkehr auf den Wachstumspfad. Das Geldhaus, das den Großteil seiner Erträge in Asien erzielt, wächst schon seit längerem nicht mehr so stark in Asien. Zudem hinterlassen der Ausstieg Großbritanniens aus der EU und die niedrigen Zinsen tiefe Spuren.

Der nun angekündigte Stellenabbau fällt viel größer aus als erwartet. In Medienberichten war von bis zu 10.000 Stellen die Rede gewesen. HSBC selbst hatte im Sommer den Abbau von rund 4000 Arbeitsplätzen in Aussicht gestellt. "Es wird vor allem in London signifikante Streichungen geben", sagte Finanzchef Ewen Stevenson. Betroffen seien das Investmentbanking und die Management-Ebenen.

Wie viele Jobs bei der Tochter in Düsseldorf wegfallen, ist laut Deutschland-Chefin Carola von Schmettow noch unklar. "Ich gehe aber davon aus, dass der Umbau uns nicht so stark betrifft, da wir uns auf profitable, internationale Kunden konzentrieren." Bei dem Institut arbeiteten zuletzt knapp 3100 Mitarbeiter. Für 2019 blieben letztlich keine 100 Millionen Euro hängen - ein Sechstel weniger.

HSBC steht mit der Radikalkur nicht alleine da in Europa. Die Deutsche Bank hat milliardenschwere Bilanzrisiken in eine Art "Bad Bank" ausgelagert, sie verkleinert den Handel mit Anleihen und macht den Aktienhandel ganz dicht. Weltweit fallen in den kommenden Jahren 18.000 Jobs weg.

Einer der weltgrößten Vermögensverwalter

Quinn will die Bilanzrisiken der HSBC um 100 Milliarden Dollar drücken. In Kontinentaleuropa sollen sie um 35 Prozent sinken. London soll zwar Zentrum des Investmentbankings bleiben, jedoch werden Aktienhandel und Research verkleinert. In den USA will die Bank jede dritte ihrer 224 Filialen schließen und sich auf internationale und vermögendere Kunden fokussieren. Zudem werden die Sparte für Privatkunden und Vermögensverwaltung mit dem Private-Banking-Geschäft verschmolzen, wodurch einer der weltgrößten Vermögensverwalter entsteht. Die Rendite soll bis 2022 auf zehn bis zwölf Prozent steigen, nachdem sie 2019 auf 8,4 (Vorjahr: 8,6) Prozent gefallen war. Der Konzernumbau soll jährlich Einsparungen von 4,5 Milliarden Dollar bringen.

Analysten hoben die Daumen für Quinns Pläne. "Die Bank macht nun die Dinge, die offensichtlich waren und von vielen verlangt wurden. Allerdings ist eine Menge Arbeit erforderlich", sagte Chefanalyst Hugh Young vom Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management, der zu den 20 größten Investoren von HSBC gehört.

Die Experten der US-Bank Goldman Sachs bestätigten ihr "Kaufen"-Rating für die Aktien und erklärten in einem Kurzkommentar, HSBC verfolge die richtige Strategie, um die künftigen Risiken in den Griff zu bekommen.

Belastungen erwartet HSBC etwa durch das Coronavirus, das vor allem auf dem chinesischen Festland grassiert. Durch die wirtschaftlichen Folgen der Viruserkrankung seien längerfristig niedrigere Erträge und steigende Kreditausfälle zu erwarten, sagte Quinn. Volkswirte schließen nicht aus, dass von einer länger anhaltenden Virus-Welle weltweit Lieferketten betroffen wären und sich das globale Wirtschaftswachstum abschwächen würde.

Quinn amtiert seit August als kommissarischer Konzernchef, nachdem sein Vorgänger John Flint nach nur 18 Monaten an der Konzernspitze gehen musste. Ihm wurde vorgeworfen, nicht radikal genug auf die sich eintrübende Geschäftslage zu reagieren. Mit seiner nun vorgestellten Strategie bewirbt sich Quinn darum, den Posten dauerhaft zu übernehmen. Eine Entscheidung darüber soll bis August fallen.

Quelle: ntv.de, jwu/rts

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