Wirtschaft

Geschäftsmodell am Ende Hedgefonds schließt nach Gamestop-Desaster

imago0111451837h.jpg

Gamestop, von den Hedgefonds längst totgesagt, hat an der Börse gerade eine Milliardensumme eingesammelt.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Im Ringen um Gamestop und andere Meme-Aktien fügen Kleinanleger großen Hedgefonds heftige Verluste zu. Einer der betroffenen Fonds wird nun aufgelöst. Das Geschäftsmodell stehe grundsätzlich infrage, schreibt der Fondsmanager. Aufmüpfige Kleinanleger sind dabei nicht das größte Problem.

Einer der Hedgefonds, die im Kampf gegen Kleinanleger um die sogenannte Meme-Aktie von Gamestop Millionen verloren, gibt endgültig auf. White Square Capital will noch diesen Monat seinen Hauptfonds schließen und den Investoren das restliche Geld auszahlen. Das teilte Fondsmanager Florian Kronawitter den Anlegern laut einem Bericht der "Financial Times" in einem Brief mit. Der in London ansässige Fonds verwaltete zu Spitzenzeiten rund 440 Millionen Dollar.

Wie andere Hedgefonds hatte White Square darauf gewettet, dass die Aktie des Spielehändlers Gamestop fallen würde. Die Profiinvestoren waren sich sicher, dass das vor allem auf stationären Filialen beruhende Geschäftsmodell des Unternehmens dem Tode geweiht sei. Als Kleinanleger, die sich über die Plattform Reddit verabredet hatten und den Aktienkurs in die Höhe trieben, strich der White Square der "FT" zufolge Verluste im zweistelligen Prozentbereich ein. Andere Fonds erlitten Berichten zufolge noch heftigere Einbußen. So soll etwa der US-Hedgefonds Melvin Capital rund 30 Prozent seines Kapitals von ursprünglich 12,5 Milliarden Dollar im Zuge des Gamestop-Höhenflugs verloren haben. Allerdings bekam der Fondsriese kurz darauf eine Milliarden-Kapitalspritze von Investoren und ist bis heute im Geschäft.

Auch White Square hätte der "FT" zufolge Aussicht auf frische Investorengelder. Die Verluste aus dem Gamestop-Desaster konnten laut Insidern bereits größtenteils ausgleichen werden. Doch Manager Kronawitter sieht trotzdem keine Zukunft für das Geschäftsmodell der Hedgefonds insgesamt. Denn nicht nur die Meme-Aktien stellen deren traditionelle Strategie infrage. "Die Entscheidung zu schließen, hängt mit dem Gedanken zusammen, dass das Long-Short-Modell bei Aktien auf dem Prüfstand steht", schreibt Kronawitter an seine Investoren. Das Long-Short-Modell beschreibt die traditionellen Wetten von Hedgefonds auf steigende oder fallende Kurse einzelner Werte, etwa mithilfe riskanter, aber in der Vergangenheit oft hochprofitabler Leerverkäufe. Der Markt sei durch die Zentralbanken mit Kapital überversorgt, die Hedgefonds hätten ihren Wettbewerbsvorteil verloren.

Anleger, auch solche, die bisher große Summen Hedgefonds anvertrauten, entscheiden sich immer öfter für günstige passive Fonds wie ETF. Diese erheben im Vergleich zu Hedgefonds mit ihren teuren Managern viel geringere Gebühren, erwirtschaften aber eine vergleichbare und immer öfter sogar höhere Rendite. "Wir haben die Trendwende weg von Hedgefonds hin zu billigeren Alternativen selbst erlebt", schreibt Kronawitter. Die Arbitrage-Möglichkeiten für aktiv gemanagte Hedgefonds seien weniger geworden, sowohl durch Flut an Kapital durch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken, als auch durch die verbesserte Verbreitung von Finanzinformationen. Das, so Kronawitter, werfe "die Frage auf, in welchem Maß die gleichen Gebühren gerechtfertigt werden können".

Quelle: ntv.de, mbo

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.