Trump lässt Ölpreis sinkenHoffnung auf Kriegsende gibt Wall Street Auftrieb

Die US-Börsen schließen nach einem turbulenten Handelstag deutlich im Plus. Die morgendliche Panik wegen des hohen Ölpreises weicht bis zum Abend einer Hoffnung auf ein schnelles Ende des Iran-Krieges. Treiber ist US-Präsident Trump.
Der Iran-Krieg und im Gefolge der Ölpreis sind Taktgeber der Wall Street geblieben. Am Morgen hatte eine Preisexplosion bei Erdöl die Aktienbörsen global massiv unter Druck gebracht. Der Preis der global gehandelten Rohölsorte Brent schoss in der Spitze auf fast 120 Dollar je Barrel. Anschließend legte sich die Panik, die Ölpreise kamen deutlich von den Höchstständen zurück - auch weil die Hoffnung die Runde machte, die G7-Staaten könnten eine Öffnung ihrer strategischen Erdölreserven erwägen. Laut französischem Finanzminister Roland Lescure bereitet die G7 entsprechende Schritte vor. Die Ölpreise drehten im späten Handel deutlich ins Minus und hievten die US-Börsen so ins Plus. Zuletzt verbilligte sich Rohöl der wichtigsten Ölsorten WTI und Brent um rund 3 Prozent seit Freitag. Belastet wurden die Ölpreise auch von US-Präsident Donald Trump. Denn er deutete an, dass der Krieg gegen den Iran bald enden könnte.
Auslöser für den zwischenzeitlichen Rohölanstieg waren Angriffe auf iranische Öltanker und Öllager durch Israel. "Das ist eine neue Eskalationsstufe. (...)", sagte XTB-Analyst Jens Klatt. Er setzte aber auf die US-Zwischenwahlen im November. "Wenn die Republikaner bzw. US-Präsident Trump einen Sieg einfahren wollen, muss der Ölpreis zurück unter 100 Dollar - und zwar deutlich", meinte er. Die Rohölrally könnte die Preise aber kurzfristig auf über 150 Dollar treiben, hielten die Analysten von Macquarie dagegen. Mit der faktischen Schließung der Seestraße von Hormus kann Erdöl nicht mehr abtransportiert werden, daher drosseln laut Berichten Irak und Kuwait ihre Förderung, weil Platz zur Lagerung des aufgestauten Rohöls fehlt.
Der Dow-Jones-Index drehte 0,5 Prozent auf 47.741 Punkte ins Plus, S&P-500 und Nasdaq-Composite legten um 0,8 bzw. 1,4 Prozent zu. An der Nyse wurden 1235 (Freitag: 598) Kursgewinner gezählt, denen 1539 (2175) -verlierer gegenüberstanden. Unverändert schlossen 54 (44) Titel. "Der entscheidende Faktor ist hier die Dauer des Preisanstiegs und des Konflikts selbst. Je kürzer die Dauer, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Auswirkungen nur vorübergehend sind und die Wirtschaft widerstandsfähig bleibt", erläuterte Chefmarktstrategin Carol Schleif von BMO Private Wealth.
Airline-Titel im Aufwind
Am Rentenmarkt hielten sich ölpreisbedingte Inflationssorgen und Konjunkturängste in etwa die Waage. Zwar sorgte der Ölpreisschock für Konjunkturängste - gerade nach den zuletzt schwachen Arbeitsmarktdaten. Doch die vom Ölpreisanstieg befeuerte Inflation gab der US-Notenbank kaum Spielraum für Zinssenkungen. Anleihen bewegten sich in diesem Stagflationsumfeld daher kaum, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank um 3 Basispunkte auf 4,10 Prozent - begünstigt durch die gefallenen Ölpreise.
Mit der Entspannung bei den Ölpreisen drehte der Dollar ins Minus - der Dollarindex ermäßigte sich um 0,2 Prozent. Zuvor war der Greenback als Fluchthafen in Krisenzeiten gesucht gewesen. Die übergeordnete Dollar-Aufwertung bremste den Goldpreis, das Edelmetall verbilligte sich um 0,5 Prozent. Am Aktienmarkt drehten die Ölwerte Chevron (-0,3%) und Exxon Mobil (-0,5%) mit den gesunkenen Ölpreisen ins Minus, nachdem die Ölpreisrally zuvor noch gestützt hatte. Dagegen erholten sich die Aktien von US-Fluggesellschaften mit der Entspannung bei Ölpreisen: Die Titel von United Airlines, Delta Air Lines, American Airlines und Southwest zogen um bis zu 3,6 Prozent an.
Die Aktien von Hims & Hers haussierten um 40,9 Prozent. Novo Nordisk kooperiert mit dem Telemedizinunternehmen beim Vertrieb seiner Abnehmmedikamente und beendet damit einen Rechtsstreit zwischen den beiden Unternehmen. Live Nation Entertainment kletterten um 6,2 Prozent nach Schlagzeilen über die Beilegung eines wichtigen Rechtsstreits. Vertiv gewannen 9,5 Prozent. Der Ausrüster von Datenzentren steigt in den marktbreiten S&P-500 auf. Dies galt auch für Titel des Laserspezialisten Lumentum (+14,7%), des Satellitenanbieters Echostar (+3,5%) sowie für den Anbieter photonikbasierter Lösungen Coherent (+7,1%).