Wirtschaft

1000 Prozent Kursgewinn Hongkonger ärgern Peking mit Aktienkäufen

Aus Protest gegen die Verhaftung des Medienmoguls Jimmy Lai kaufen Hongkonger massenweise Aktien seines Unternehmens - der Kurs geht durch die Decke. Der Zentralregierung in Peking dürfte das nicht gefallen.

Hongkonger haben eine neue kreative Form des Protests gegen die chinesische Regierung in Peking entwickelt. Weil Demonstrationen in der Sonderverwaltungszone häufig mit Tränengas, Pfefferspray und Verhaftungen enden, haben Pro-Demokratie-Aktivisten einen anderen Weg gefunden, um dem verhafteten Medienmogul Jimmy Lai zu helfen: Sie kaufen Aktien seines Unternehmens Next Digital. In den vergangenen beiden Tagen hat der Aktienkurs um satte 1000 Prozent zugelegt.

Next Digital
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Der rasante Anstieg zeigt, wie schwer es Peking fällt, Proteste gegen die zunehmende Herrschaft der Zentralregierung komplett zu unterdrücken. Und das, obwohl Demonstrationen wegen des neuen Sicherheitsgesetzes sowie der durch die Corona-Pandemie erzwungenen Abstandsregelungen erschwert worden sind.

Der Verleger Lai war mit anderen Aktivisten in einem großen Polizeieinsatz festgenommen worden. Es war der bisher größte Schlag gegen die Hongkonger Demokratiebewegung seitdem die Führung in Peking das umstrittene Sicherheitsgesetz Ende Juni eingeführt hatte.

"Ich bin sehr wütend"

Die Aktienkäufe sind nicht nur ein deutliches Signal in Richtung Peking, sie dürften Lai auch finanziell helfen. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge kontrolliert er 71 Prozent der Anteile von Next Digital. Das Aktienpaket ist demnach mittlerweile rund 300 Millionen Dollar wert.

Hongkonger kaufen nicht nur Aktien, sondern auch die Zeitungen des Medienmoguls - vor allem die "Apple Daily". Wegen der großen Nachfrage habe sie 550.000 statt der üblichen 70.000 Exemplare gedruckt, teilte das Blatt mit. Dutzende Menschen standen in der ganzen Stadt Schlange, um die "Apple Daily" zu kaufen.

"Hongkong ist ein Ort mit Pressefreiheit, aber die Polizei unterdrückt diese Pressefreiheit jetzt. Ich bin sehr wütend", sagte eine Frau namens Chan, die 16 Zeitungen kaufte. Ein Restaurantbesitzer erstand 50 Ausgaben an einem Zeitungsstand im Geschäftsviertel Mong Kok, um sie zu verschenken. "Da die Regierung 'Apple Daily' nicht überleben lassen will, müssen wir Hongkonger sie selbst retten", sagte er.

Die "Apple Daily" ist in Hongkong sehr beliebt und vertritt eine pro-demokratische und Peking-kritische Linie. Auf der aktuellen Titelseite ist Lai in Handschellen zu sehen. Darunter steht in grellroten Buchstaben "'Apple' wird weiter kämpfen".

Quelle: ntv.de, jga/AFP