Wirtschaft

US-Haushaltsdefizit steigt an IWF warnt vor zu hoher Staatsverschuldung

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Wirtschaftswachstum auf Pump - IWF-Fiskalchef Vitor Gaspar sieht in den USA ein schlechtes Vorbild.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die globale Wirtschaft boomt, doch oft sind Staatsfinanzen auf Schulden gebaut. Weltweit sieht der Internationale Währungsfonds allerdings eine positive Entwicklung, was die Staatsverschuldung angeht - mit einer großen Ausnahme.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor einer Gefährdung des aktuell starken Wirtschaftswachstums durch zu hohe Schuldenstände. In fast allen entwickelten Volkswirtschaften dürften die Schuldenquoten - also das Verhältnis von Verschuldung zu Wirtschaftsleistung - in den kommenden Jahren zwar fallen, wie IWF-Fiskalchef Vitor Gaspar in Washington sagte. Nur in einem Land sei das allerdings nicht der Fall: in den USA.

Danach sinkt die Staatsverschuldung in den kommenden Jahren in zwei Dritteln der Länder - gesetzt den Fall, sie halten sich an ihre Zusagen. Nach einer umfangreichen Steuerreform werden die USA ihrer bereits gigantischen Verschuldung in den kommenden drei Jahren jährlich eine Billion Dollar neuer Schulden hinzufügen. Das Haushaltsdefizit liege dann bei mehr als fünf Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, heißt es. Die staatliche Schuldenquote steige in der Folge von 108 Prozent im Jahr 2017 auf 117 Prozent im Jahr 2023. Sollten die Steuererleichterungen nicht wie geplant auslaufen, steige die Quote noch stärker.

Japan und Griechenland noch vor den USA

Die Verschuldung der USA am Ende des Prognosezeitraums wird laut IWF nur noch von Japan (229,6 Prozent) und Griechenland (165,1 Prozent) übertroffen. Selbst Italiens Schuldenstand soll dann laut IWF niedriger sein und bei 116,6 Prozent liegen. Der IWF rechnet damit, dass die durchschnittliche Staatsverschuldung des Euroraums von 86,6 Prozent im Jahr 2017 auf 71,7 Prozent im Jahr 2023 zurückgehen wird.

Für das Weltfinanzsystem sieht der IWF im Vergleich zum Vorjahr ein leicht erhöhtes Risiko kurzfristiger Gefahren. Mittelfristige Risiken blieben auf erhöhtem Niveau, heißt es in dem ebenfalls veröffentlichten Bericht zur globalen Stabilität der Finanzmärkte: "Eine finanzielle Verwundbarkeit, die sich in den vergangenen Jahren extrem niedriger Zinsen und Währungsschwankungen gebildet hat, könnte den vor uns liegenden Weg holprig machen und das Wachstum gefährden."

IWF warnt vor Abhängigkeit von Finanzierungsquellen

IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian sprach drei konkrete Finanzrisiken an. Zum einen verwies er auf die hohen Bewertungen an zahlreichen Vermögensmärkten. Ein rascher Inflationsanstieg könne die Notenbanken zu einer zügigen Straffung ihrer Geldpolitik zwingen und einen deutlichen Rückgang der Vermögenspreise auslösen, warnte der Experte. Zum anderen sieht der IWF das Risiko einer schnellen Umkehr von Kapitalströmen aus den Schwellenländern heraus. Auch dies könnte eine Folge einer raschen geldpolitischen Straffung großer Notenbanken sein.

Als drittes Risiko warnt der IWF vor einer großen Abhängigkeit nicht-amerikanischer Banken von amerikanischen Finanzierungsquellen. Geldhäuser außerhalb der USA seien in ihrer Dollar-Refinanzierung zu etwa 70 Prozent vom amerikanischen Markt abhängig. Das könne im Fall von Marktspannungen zu Finanzierungsproblemen führen. In Kryptowährungen wie Bitcoin sieht der IWF gegenwärtig keine große Gefahr für das Finanzsystem. Ihr Marktvolumen sei vergleichsweise gering, heißt es zur Begründung. Das könne sich aber ändern.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa/DJ

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