Wirtschaft

Tausende Euro für einen Post "Ich agiere für viele als Vorbild"

Patrick4.jpg

Patrick Biedenkapp verdient mit einem Post fast 4000 Euro.

(Foto: Thomas Jell, n-tv)

Er ist einer der erfolgreichsten Influencer Deutschlands. Allein auf seinem Instagram-Kanal hat er knapp 400.000 Follower: Patrick Biedenkapp – besser bekannt als "Pilot Patrick". Auf seinen Social-Media-Kanälen wirbt er für namhafte Unternehmen, n-tv.de gewährt er Einblick in eine Milliardenbranche.

n-tv.de: Patrick, Du schießt ein paar Fotos und lädst sie anschließend bei Instagram hoch. Das kann doch jeder, oder?

Patrick Biedenkapp: Tatsächlich kann es jeder und die App ist auch leicht zu bedienen. Aber man muss es erst einmal schaffen, solch eine hohe Followerzahl aufzubauen. Ich habe 390.000 Abonnenten auf Instagram. Das kommt nicht von allein. Man kann nicht sagen: "Ich bin jetzt Social Influencer." Es muss ein gewisses Konzept dahinterstecken. Man muss sein Thema, seine Nische finden. Das kann man nicht von heute auf morgen. Man darf es nicht erzwingen. In erster Linie ist es wichtig, authentisch zu sein und eine Persönlichkeit zu haben. Zudem steckt hinter jedem Bild viel Arbeit. Ein Foto zu schießen, ist viel leichter gesagt als getan. Ich setze jeden Tag einen Post ab. Immer wieder versuche ich, mir etwas Neues auszudenken.

Wie viel Arbeit steckt hinter einem Post?

Patrick2.jpg

"Bloggen ist ein 24/7-Job."

Bis meine Follower ein Foto auf meinem Instagram-Kanal sehen, laufen viele Schritte ab. Ich muss mir erst einmal überlegen, wie ich das Produkt in Szene setze. Dann muss das Foto entstehen. Manchmal organisiere ich einen Fotografen dafür. Wenn das Foto fertig ist, muss es manchmal von der Firma abgenommen werden, für die ich werbe. Dann kommt noch eine Bearbeitung hinzu, die auch ein paar Stunden dauert. Bloggen ist ein 24/7-Job. Es gibt immer etwas zu tun. Kommentare beantworten, Bilder vorbereiten, eine Story posten. Ich bin immer beschäftigt, außer wenn ich schlafe. Dann ist die Kamera aus. (lacht)

Inwiefern würdest Du Dich als Influencer bezeichnen?

Ich bezeichne mich nicht als Influencer. Ich sage immer, ich bin Blogger oder Markenbotschafter, weil ich auch eine eigene Webseite habe, auf der ich über Themen wie Luftfahrt, Reisen und Lifestyle schreibe. "Influencer" klingt immer nach einer Krankheit.

Würdest Du sagen, dass Du ein Instagram-Star bist?

Ich würde nicht sagen, dass ich ein Instagram-Star bin. Leute meinen das aber. Ich bin oft verblüfft, wie viele Menschen mich auf der Straße oder am Flughafen erkennen. Ich freue mich immer riesig, wenn ich angesprochen werde. Meistens wollen die Leute ein Foto mit mir machen. Da kann man sich schon wie ein kleiner Star fühlen. Aber ich bin Pilot und kein Star.

Du bist unglaublich erfolgreich. Dich kennen teilweise Menschen, die Instagram gar nicht nutzen. Wie erklärst Du Dir diesen Erfolg?

Mein Erfolg rührt daher, dass ich Pilot Patrick bin. Ich bin wirklich Patrick. Ich bin authentisch. Ich kann die Leute mit auf eine Reise nehmen, sie mit ins Cockpit nehmen und ihnen eine tolle Aussicht präsentieren. Luftfahrt fasziniert nach wie vor viele Leute. Ich bin an den verschiedensten Orten und kann meinen Aviators (seine Follower, Anmerkung der Redaktion) immer wieder neue Länder und Städte zeigen. Viele können es sich gar nicht leisten, in den Urlaub zu fahren.

Wie hat Deine Karriere in den sozialen Medien begonnen? Wolltest Du so berühmt und bekannt werden?

Ich habe nie geplant, Blogger zu werden. Es ist durch einen reinen Zufall entstanden. Einer meiner Freunde hat mir schon immer gesagt, ich solle über die Luftfahrt bloggen. Aber ich hatte nie Lust darauf. Kurz danach entdeckte ich Instagram. Früher war ich noch als Privatjet-Pilot unterwegs gewesen – eine interessante Branche, in die nur ganz wenige Menschen Einblick haben. Ich habe angefangen, ein bisschen aus der Privatjet-Lounge und aus dem Jet zu posten. Was wirklich ausschlaggebend war: Eines Tage habe ich ein neues Firmenhandy mit einer guten Selfie-Kamera bekommen. Als ich das erste Selfie aus dem Cockpit gepostet habe, ist mein Kanal explodiert, meine Fotos sind viral gegangen. Die Leute haben geliebt, was ich gemacht und gezeigt habe. Für sie war es ein super-spannender Einblick in das Leben eines Privatjet-Piloten. Das war zu dem Zeitpunkt einzigartig.

Wann hast Du angefangen, Instagram professionell zu nutzen?

*Datenschutz

Nachdem ich die 50.000-Follower-Marke geknackt habe, kamen die ersten Anfragen von Unternehmen, die mit mir werben wollten. Die lukrativen Aufträge kamen erst mit einer relativ hohen Followerzahl. Gleichzeitig wollten die Leute nicht nur meine Fotos sehen. Sie wollten noch mehr Informationen zu meiner Person und den Themen Luftfahrt, Reisen und Lifestyle lesen. Deshalb habe ich meine Webseite, meinen Blog und meinen YouTube-Kanal gestartet. Inzwischen blogge ich nun schon seit über zwei Jahren über die verschiedensten Themen. Eine der häufigsten Fragen, die mir immer wieder gestellt wird, ist, wie ich Pilot geworden bin. In meinem Blog finden meine Follower Infos dazu.

Was hast Du gedacht, als Dich die erste Firma angeschrieben und gefragt hat, ob Du für sie werben willst?

Ich war total verwundert. Ich dachte: "Wie? Sie wollen mir etwas schenken und ich muss nur einen Post dafür machen?" Ich habe mich wie ein kleines Kind gefreut.

Du bekommst in der Woche unzählige Pakete von Unternehmen zugeschickt. Was steckt in den Paketen?

Hauptsächlich schicken mir Firmen Produkte zu, mit denen ich bereits Werbekooperationen habe. Momentan arbeite ich mit Eucerin zusammen. Deshalb bekomme ich nun oft Sonnencreme zugeschickt.

Musst Du die Produkte bezahlen?

Nein, die Produkte bezahle ich nicht. Die Unternehmen, die sie mir zuschicken, wollen, dass ich ihre Sachen in meinen Posts platziere. Auch Firmen, mit denen ich gar keine Kooperation habe, schicken mir Produkte zu. Zum Beispiel habe ich einen Lebensmittelhersteller auf der Fashion Week kennengelernt. Die Firma hat mir eine kleine Produktpalette zugeschickt, damit ich sie ausprobieren kann. Bei Kleidungsherstellern kann man sich auch manchmal eine ganze Kollektion aussuchen und verschiedene Kleidungsstücke tragen.

Musst Du von den Produkten überzeugt sein oder kooperierst Du mit jeder Firma?

Mit jeder Firma kooperiere ich nicht. Ich suche die Marken aus, mit denen ich zusammenarbeiten möchte. Das Produkt muss zu mir passen und authentisch sein. Zum Beispiel kooperiere ich mit dem Uhrenhersteller Breitling. Die Marke passt perfekt zu mir als Pilot. Ich bewerbe Produkte, die ich auch privat benutzen würde und von denen ich überzeugt bin. Pilot Patrick gilt als der gesunde Pilot. Wenn ein Süßigkeitenhersteller auf mich zukommt und will, dass ich ihr Zuckerprodukt bewerbe, würde ich das ablehnen, weil es überhaupt nicht zu mir passt. Ich agiere für viele als Vorbild.

Welche genauen Vorgaben bekommst Du von den Herstellern?

Natürlich gibt es gewisse Vorgaben, die von der Marke festgelegt werden: In welcher Situation soll das Produkt gezeigt werden? Wie groß soll es im Post zu sehen sein?

Musst Du Dir eigentlich noch Sachen selbst kaufen oder wird Dir inzwischen alles geschenkt?

(lacht) Natürlich kaufe ich mir auch Sachen selbst. Aber wenn ich zum Beispiel in den Urlaub fahren will, schreibe ich das Hotel direkt an. In meiner E-Mail stelle ich nicht nur Forderungen auf, sondern ich zeige den Verantwortlichen auch den Mehrwert, den ich ihnen über meine Kanäle biete. Vor kurzem war ich in Dubai. Der Urlaub wurde komplett bezahlt. Ich wurde von der offiziellen Tourismusbehörde eingeladen, konnte sogar noch drei Freunde mitnehmen. Wir hatten einen großartigen Urlaub. Wir haben Aktivitäten gemacht, die Tausende von Euro gekostet hätten. In meinem YouTube-Video sieht alles schön und spektakulär aus. Aber es war so viel Arbeit. Wir haben den ganzen Tag fast nur gedreht.

Durch Deinen Erfolg kommt bei einigen sicherlich Neid auf.

Ich musste erst einmal damit zurechtkommen, dass es viele Neider gibt. Anfangs war es schwer für mich. Mittlerweile habe ich mich damit zurechtgefunden und kann darauf gezielt antworten. Die meisten Leute denken, ich kriege alles geschenkt, es sei alles umsonst und ich müsse dafür nichts tun. Aber es steckt viel, viel Arbeit dahinter. Es hat lange gedauert, bis ich dorthin gekommen bin, wo ich jetzt stehe.

Die Werbung lässt Du Dir gut bezahlen. Wie viel Geld bekommst Du für einen Werbepost?

Ich bekomme das Produkt von der Firma und zusätzlich werde ich dafür auch entlohnt. Grundsätzlich mache ich keinen Post ohne Bezahlung. Ich richte mich natürlich nach der Reichweite, die ich habe. Grundsätzlich nehme ich zehn Euro pro Tausend Follower. Aber es kommt auf die jeweilige Marke und das Produkt an. Bei über 390.000 Followern, die ich bei Instagram habe, das durch 1.000 geteilt, das mal den Multiplikator 10, dann sind wir bei 3.900 Euro für ein Product-Placement auf meinem Instagram-Kanal. Wenn ich einen Exklusiv-Vertrag abschließe, der über ein ganzes Jahr geht, kann man über gewisse Rabatte sprechen.

3.900 Euro für einen einzigen Werbepost klingt für die meisten Menschen sicherlich viel. Ist die hohe Gage gerechtfertigt?

3.900 Euro klingt erst einmal viel. Aber ich bin davon überzeugt, dass es gerechtfertigt ist. Ich liefere eine gewisse Qualität und bin zuverlässig. Außerdem bin ich authentischer als andere Blogger. Ich habe einen richtigen Job. Ich kann mir die Pilotenuhr von Breitling auch im echten Leben leisten. Wenn eine Firma Werbung in einer Zeitschrift machen will, muss erst einmal ein Model, ein Visagist und ein Fotograf organisiert und bezahlt werden. Das kostet schon mehrere Tausend Euro. Und dann müssen sie noch das Medium bezahlen, in dem sie die Werbung streuen wollen. Ich bin nicht nur der Fotograf, sondern auch das Model, der Art-Director und zeitgleich noch das Management in einer Person. Deshalb sind die Gagen, die wir für die Werbung in sozialen Netzwerken bekommen, gerechtfertigt und vielleicht sogar etwas unterbezahlt. Worauf die Firmen abzielen, ist die hohe Reichweite, die ich habe. Ich hatte einen Post, der viral gegangen ist: Ich habe 2,6 Millionen Menschen mit einem Posting erreicht. Überleg mal, was das bedeutet, wenn man das in einen Marketing-Wert umrechnet, was so eine Reichweite eigentlich kosten würde. Das ist für die Marken attraktiv.

Womit verdienst Du mehr Geld – als Pilot oder als Blogger?

Das kann ich gar nicht so pauschal sagen. Es kommt immer auf den Monat an. Natürlich ist es sehr lukrativ, dass ich noch meinen Zweitjob habe. Ich würde aber niemals meinen Job als Pilot aufgeben. Fliegen ist meine Passion. Mir würde etwas fehlen, wenn ich nicht mehr fliegen würde.

Wie erlebst Du die Unternehmen? Wollen sie überhaupt, dass Du die Werbung auch als solche klar kennzeichnest?

Die Firmen sind natürlich daran interessiert, dass der Werbepost als "Werbung" geschaltet wird. Wenn man einen Werbepartner markiert, hat dieser die Möglichkeit, die Statistiken des Posts einzusehen. Er sieht, wie viele Leute der Werbepost erreicht hat. Auf der anderen Seite macht sich auch die Firma damit strafbar, wenn ich es nicht eindeutig als Werbung kennzeichne.

Aktuell werden viele Influencer abgemahnt, weil sie ihre Posts unzureichend als Werbung kennzeichnen. Bist Du von dieser Abmahnwelle betroffen?

*Datenschutz

Ich habe auch eine Abmahnung bekommen, musste aber zum Glück nichts bezahlen, weil bei mir alles so weit in Ordnung ist. Ich habe von Anfang an meine Werbeposts als Werbung gekennzeichnet. Was jedoch bemängelt wurde: Wenn auf dem Foto eine Marke zu sehen ist und diese im Post markiert wurde, muss ich es als Werbung kennzeichnen, auch wenn ich vom Hersteller nicht dafür bezahlt wurde. Wenn ich eine Person in meiner Story erwähne, obwohl es nur eine Person ist, ist es auch schon Werbung. In der Branche weiß momentan keiner, was richtig ist. Es herrscht ganz viel Verunsicherung. Niemand will sich strafbar machen. Ich hoffe, dass der Gesetzgeber in Zukunft klare Richtlinien festlegt, sodass jeder weiß, wann er einen Post als Anzeige markieren muss und wann nicht.

Viele Influencer gehen dazu über, jeden Post mit "Werbung" zu kennzeichnen. Was hältst Du davon?

Ich kennzeichne nicht jeden Post als Werbung. Schließlich will ich die Leute nicht verunsichern. Sie sollen nicht denken, dass jedes Bild von mir Werbung ist. Ich will den Leuten tolle Fotos zeigen. Unter meine Posts schreibe ich "unbezahlte Anzeige". Aber ob es so richtig ist? Ich weiß es nicht. Wenn ich ein T-Shirt trage und die Marke zu sehen ist, ist es dann auch schon Werbung? Auf der Straße sehe ich auch Menschen mit T-Shirts, auf denen die Marke zu sehen ist. Unter dem T-Shirt müsste dann auch "#Werbung" stehen. Ich kann es nicht nachvollziehen.

Nicht nur die Kennzeichnung der Werbung ist ein leidiges Thema. Im Netz lauern auch viele Kriminelle, die von Dir profitieren wollen. Was genau erlebst Du?

Viele klauen meine Bilder und missbrauchen sie für Fake-Profile. Frauen werden um Geld betrogen. Teilweise werden auch Flugschüler in meinem Namen betrogen. Ihnen wird vorgegaukelt, der vermeintliche Patrick könne ihnen helfen, einen Job zu bekommen. Mit meinen Bildern wurde schon sehr viel Schindluder betrieben. Es ist dramatisch, dass Facebook nichts dagegen macht. Ich melde an manchen Tagen zehn, zwanzig Profile. Aber Facebook löscht sie nicht. Ich kann das nicht nachvollziehen. Vor einigen Monaten gab es einen sehr krassen Fall: Ein Opfer hat 2.000 Dollar verloren. Das war für mich der Punkt, dass ich zur Polizei gegangen bin und den Fall gemeldet habe. Aber bisher ist nichts passiert.

Fühlst Du Dich machtlos?

Ich fühle mich absolut machtlos. Ich kann gar nichts machen. Ich kann diese Profile immer wieder melden. Aber es werden immer wieder neue Profile auf den verschiedensten Plattformen erstellt. Seit Kurzem versuche ich, mein Logo in die Bilder einzubauen, damit sie nicht geklaut werden. Das Problem ist, dass die Fotos so bearbeitet werden, dass das Logo nicht mehr zu sehen ist.

Inwiefern hast Du schon einmal darüber nachgedacht, Deine Social-Media-Präsenz deshalb aufzugeben?

Ich habe noch nie darüber nachgedacht, damit aufzuhören. Ich habe dafür viel zu viel Zeit und Mühe investiert. Für mich überwiegen die positiven Seiten. Das, was ich dadurch erleben kann, ist um einiges größer und wichtiger.

Wie stellst Du Dir deine Zukunft vor? Wie lange kannst Du noch Influencer bleiben?

Ich hoffe natürlich, dass noch viel mehr Aviators, viel mehr Follower auf meinem Kanal hinzukommen werden. Aber ich mache mir keine Sorgen, dass ich vielleicht eines Tages für Instagram zu alt bin. Ganz im Gegenteil: Es ist spannend, älter zu werden. Die Follower werden auch älter. Ich hoffe, es wird noch lange so weitergehen. Vielleicht ist Instagram irgendwann out. Dann werde ich eben auf die modernere Plattform wechseln. Vielleicht habe ich irgendwann in der Zukunft meine eigene Airline oder ich biete Charterflüge an und nutze meine Reichweite, um Tickets zu verkaufen. Das Leben ist eine sehr spannende Reise.

Mit Patrick Biedenkapp sprach Thomas Jell

Quelle: n-tv.de