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Wohnungsbau-Studie 2019 In der Innenstadt ist noch Platz

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Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Aber eine Studie zeigt jetzt: Intelligent aufgestockte Bürogebäude, Parkhäuser und Discounter bieten noch viel Potenzial. Profitieren könnten davon besonders Städte mit wenig freien Flächen.

Im Kampf gegen die Wohnungsnot will die Bundesregierung noch in dieser Legislaturperiode 1,5 Millionen neue Wohnungen schaffen. Doch Berlin hinkt dem ambitionierten Plan hinterher. Angesichts der aktuellen Neubauzahlen rechnet der Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses, Andreas Mattner, damit, dass das Ziel um 20 Prozent verfehlt wird.

Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, müssen neue Ansätze her: Eine Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover plädiert deshalb für die Nutzung von On-Top-Etagen auf Parkhäusern und Discountern, den Komplettumbau oder das Aufstocken von Bürogebäuden. Nach Ansicht der Autoren bieten diese Flächen noch enorme Chancen.

Die "Deutschland-Studie 2019" zu den Bau-Reserven beziffert das Potenzial zusätzlicher Wohnungen, die durch Aufstockung und Umnutzung gewonnen werden können, bundesweit auf bis zu 2,7 Millionen Wohneinheiten - und damit deutlich mehr als die geplanten 1,5 Millionen.

  • Allein 1,1 bis 1,5 Millionen Wohneinheiten könnten auf Gebäuden der 1950er- bis 1960er-Jahre entstehen,
  • weitere 560.000 durch Aufstockung von Büro- und Verwaltungsgebäuden,
  • 400.000 auf eingeschossigen Geschäften,
  • 360.000 durch Nutzung von leerstehenden Büro- und Verwaltungsgebäuden und
  • 20.000 auf Parkhäusern.

Die Stadt Köln hat das Potenzial bereits erkannt. Das leerstehende Hochhaus des Bundesverbandes der Deutschen Industrie zum Beispiel verwandelte sich nach der Sanierung von einem ehemaligen Bürohaus in ein Wohngebäude mit Rheinblick. Der alte Turm aus den 1970er-Jahren wurde um ein Geschoss ergänzt. So sind in dem neuen Quartier "Flower Tower" insgesamt 132 Wohnungen in verschiedenen Größen entstanden, angefangen von Zweizimmerwohnungen bis zu Penthäusern mit Dachterrasse.

Der große Vorteil dieses Baukonzepts liegt vor allem darin, dass freie Flächen auch frei bleiben. Die Studie verweist sogar auf noch einen weiteren Pluspunkt: Der Energiebedarf wird durch die Bebauung vorhandener Dachflächen nachweislich reduziert. Vor allem nicht sanierte Gebäude und eingeschossige Discounter haben einen sehr hohen Energieverbrauch.

Selbst in Ballungsgebieten und zubetonierten Innenstädten können laut der Studie brachliegende Dachflächen oder ineffizient genutzte Grundstücke noch in attraktive und kostengünstige Wohnungen verwandelt werden. Zentrale ökonomische Vorteile gegenüber dem Neubau sind, dass die Infrastruktur bereits besteht und hohe Grundstückskosten ebenso wie Erschließungskosten wegfallen.

Ganz neu ist zumindest das Konzept "Discounter-Wohnen" nicht. Bereits Anfang vergangenen Jahres hatte Aldi-Nord angekündigt, in Berlin 2000 neue Wohnungen auf eigenen Supermärkten zu bauen. Die einstöckigen Märkte sollen abgerissen und durch mehrgeschossige Mischbauten ersetzt werden. Dass die Aldi-Grundstücke in bester Lage einstöckig bebaut wurden, sei eigentlich " Flächenverschwendung", räumte der Geschäftsführer der Aldi Immobilienverwaltung damals bei der Vorstellung des Projekts ein.

Ganz freiwillig kam der Einstieg des Discounters ins Baugeschäft allerdings nicht. Als Bedingung für die Genehmigung neuer größerer Handelsflächen forderte die Stadt die Schaffung neuen Wohnraums. Die ersten 150 Wohneinheiten an mindestens 30 Standorten sollen bereits Mitte des Jahres fertiggestellt sein. Auch Lidl hat für seine Filialen in Frankfurt, Hamburg, München, Düsseldorf und Berlin ähnliche Bebauungspläne.

Quelle: n-tv.de

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