Wirtschaft

Gewinn- und Dividendenplus Infineon-Aktien springen zweistellig an

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Große Augen bei Infineon-Chef Ploss: Dieses enorme Kursplus war wohl nicht absehbar.

(Foto: REUTERS)

Bei Infineon läuft es rund. Nach dem Zukauf in den USA klettern Umsatz und Gewinn - auch auf Gesamtjahressicht. Der Ausblick kann ebenso überzeugen. Für seine Aktionäre hält der Chipkonzern ein besonderes Schmankerl bereit - das kommt an.

Mit einem wahren Kurssprung haben die Infineon-Aktien am Donnerstag aufgewartet. Sie erzielten einen Kursgewinn, der am Handelsende bei rund 13 Prozentlag. Die Papiere waren damit mit Abstand größter Gewinner im deutschen Börsen-Leitindex Dax. Der Grund für diesen Kurssprung lag in überzeugenden Geschäftszahlen und einem erfreulichen Ausblick. Der Chipkonzern belohnte nach der erfolgreichen Integration des US-Konzerns International Rectifier zudem seine Aktionäre.

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Im letzten Quartal des Ende September beendeten Jahres verbesserte Infineon Umsatz und Ergebnis noch einmal deutlich und erreichte die eigenen Jahresprognosen. So stieg der Umsatz im vierten Quartal dank der Übernahme von International Rectifier um 36 Prozent auf knapp 1,6 Milliarden Euro.

Im Vergleich zum Vorquartal betrug das Wachstum hingegen lediglich 1 Prozent, was vor allem an der Schwäche des Automotivesegments lag, dessen Umsätze um 1 Prozent sanken. Die schwächere Nachfrage im wichtigen chinesischen Markt konnte nicht durch ein starkes Neuwagengeschäft in Europa und Nordamerika ausgeglichen werden. Beim Ergebnis und der Marge konnte der Bereich hingegen dank Effizienzgewinnen zulegen.

Das Segmentergebnis des Konzerns verbesserte sich um 52 Prozent auf 286 Millionen Euro und lag über der Konsensprognose der Analysten. Im Vergleich zum Vorquartal betrug das Plus noch 17 Prozent. Neben International Rectifier trugen auch ein vorteilhafter Produktmix und positive Währungseffekte auf der Kostenseite bei.

Gewinnplus nicht nur im Quartal

Das Nettoergebnis verbesserte sich auf 325 Millionen Euro von 181 Millionen Euro im Vorjahr ebenfalls deutlich. Allerdings profitierte Infineon hier von einem Steuerertrag von 131 Millionen Euro.

Für das Gesamtjahr wies der Konzern ein Nettoergebnis von 632 Millionen aus nach 535 Millionen Euro im Vorjahr. Die Segmentergebnismarge lag mit 15,5 Prozent leicht über den prognostizierten 15 Prozent. Auch beim Umsatz traf das Unternehmen mit einem Wachstum von 34 Prozent auf knapp 5,8 Milliarden Euro die eigenen Erwartungen. Die Aktionäre können sich über eine höhere Dividende freuen: Infineon will 0,20 Euro je Aktie zahlen, nach 0,18 Euro im Vorjahr.

Traditionell schwächeres erstes Quartal

Im vergangenen Geschäftsjahr entwickelte sich Infineon trotz eines schwieriger werdenden Marktumfeldes robuster als so mancher Konkurrent und konnte Marktanteile gewinnen. Im neuen Gesamtjahr 2015/16 (per Ende September) geht Infineon von einem Wachstum von 13 Prozent beim Umsatz aus, plus oder minus 2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal. In der Mitte der Spanne wird die Marge des Segmentergebnisses zum Umsatz voraussichtlich 16 Prozent erreichen, was einen leichten Anstieg im Vergleich zur Vorjahresmarge von 15,5 Prozent bedeutet. Infineon unterstellt bei seinen Prognosen einen Euro-Dollar-Wechselkurs von 1,10.

Wachstumsträger soll dabei die Sparte Power Management & Multimarket (PMM) sein, die etwa Spezialbauelemente für die mobile Kommunikation herstellt. Diese soll über dem Konzerndurchschnitt wachsen. Das Segment Industrial Power Control (IPC) soll dagegen innerhalb des Konzernsrahmens wachsen. Das größte Segment Automotive sowie der Bereich Chip Card & Security dürften hingegen unterdurchschnittlich zulegen, erwartet Infineon.

Das erste Quartal insgesamt wird dabei traditionell schwächer ausfallen. Für die drei Monate per Ende Dezember erwartet Infineon einen Umsatzrückgang. Das Minus dürfte bei 6 Prozent plus oder minus 2 Prozentpunkte liegen. In der Mitte der Spanne soll die Segmentergebnismarge etwa 14 Prozent erreichen, und damit unter der Rendite des Vorquartals von 17,9 Prozent liegen.

Analysten und Markt zufrieden

"Im aktuellen Geschäftsjahr 2016 werden wir Umsatz, Ergebnis und Marge weiter steigern", kündigte Vorstandsvorsitzender Reinhard Ploss an. Potenzielle Zukäufe bleiben dabei auf der Agenda. Mit der Übernahme von International Rectifier habe sich Infineon zu einem aktiven Spieler in der aktuellen Branchenkonsolidierung gewandelt, so Ploss weiter. Spekulationen über spezielle Übernahmeziele wollte er nicht kommentieren. Zuletzt war Infineon Interesse an einem Einstieg an der japanischen Renesas nachgesagt worden.

Per Saldo seien damit viele Analystenerwartungen übertroffen worden, sagten Marktteilnehmer. Dazu passe der leicht bessere Umsatzausblick für 2016, der einen Umsatzanstieg von 11 bis 15 Prozent vorsieht. Auch die Gewinnkennziffern lägen auf adjustierter Basis leicht über den Erwartungen, allerdings nicht in dem Maße, wie einige EPS-Schätzungen suggerierten. "Da ist ein Steuerertrag von 131 Millionen Euro dabei, den Analysten in ihren Schätzungen nicht dabei hatten", sagte ein Händler. Daher sollte die übertroffene EPS-Schätzung nicht überbewertet werden.

Die Zahlen und der Ausblick bei Infineon werden von der DZ-Bank als gut eingestuft. Der Automobilzulieferbereich scheine in einer besseren Verfassung zu sein als bei einigen Konkurrenten, so die Analysten. Der Bereich PMM profitiere von der starken Nachfrage der Server-Industrie, IPC gewinne an Fahrt durch die Solar- und Windenergieindustrie. Die Dividendenerhöhung zeige zudem ein hohes Maß an Zuversicht.

Infineon habe sich überraschend resistent gegen Konjunktureinflüsse gezeigt, notierten die Experten von Kepler Chevreux.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/dpa/rts