Wirtschaft

Über Verträge für 2023 Inflation macht Munich Re Verhandlungen schwer

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Die Kapazität der Rückversicherer ist nach Daten von Maklern und Ratingagenturen zum ersten Mal seit 2018 zurückgegangen - und zwar deutlich.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Monte Carlo verhandeln Versicherer und Makler über die Erneuerung der Verträge für das kommende Jahr. ​Für die Münchener Rück steht dabei ein großer Teil des Vertragsbestandes zur Neuverhandlung an. Diese könnte laut einem Experten viel herausfordernder werden als die letzte.

Inflation und steigende Zinsen erschweren den Rückversicherern nach Ansicht des Weltmarktführers Münchener Rück die Verhandlungen über die neuen Verträge für das kommende Jahr. Der für die Rückversicherung zuständige Vorstand Torsten Jeworrek rechnet zwar weiterhin mit steigenden Preisen - einem "harten Markt" -, wie er zum Auftakt des Rückversicherungstreffens in Monte Carlo sagte.

"Die nächste Erneuerungsrunde wird aber viel, viel herausfordernder als die letzte. Die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren machten es schwer, verlässliche Annahmen zu treffen. Bei den Vertragsverhandlungen zur Jahresmitte hatte die Münchener Rück die Preise kräftig erhöht, bereinigt um die Inflation war aber nur ein kleines Plus geblieben. Das "Rendezvous de Septembre" in Monte Carlo, das nach zwei Jahren Pause wieder stattfindet, markiert den Beginn der Gespräche mit Versicherern und Maklern über die Erneuerung der Verträge zum 1. Januar 2023.

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Für die Münchener Rück steht dabei ein großer Teil des Vertragsbestandes zur Neuverhandlung an. Die Experten von Standard & Poor's erwarten für das nächste Jahr einen Preisanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Jeworrek warnte davor, dass sich zahlreiche Rückversicherer vor allem aus dem Markt für Naturkatastrophen-Deckungen - also für Hurrikane, Überschwemmungen oder Erdbeben - zurückziehen.

Die Kapazität der Rückversicherer sei nach Daten von Maklern und Ratingagenturen zum ersten Mal seit 2018 zurückgegangen - und zwar deutlich. Und auch alternatives Kapital, etwa Katastrophen-Bonds, stehe allenfalls auf dem bisherigen Niveau zur Verfügung, sagte Jeworrek. Zugleich steige die Nachfrage. Daraus könnten sich - etwa bei Naturkatastrophen im US-Bundesstaat Florida - kurzfristig Engpässe ergeben.

Rückversicherer aus Europa leiden unter starkem Dollar

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Die Volkswirte der Münchener Rück gehen davon aus, dass der weltweite Rückversicherungsmarkt bis 2024 inflationsbereinigt um zwei bis drei Prozent wachsen wird. Zwischen 2019 und 2021 waren es sechs Prozent, das Marktvolumen liege bei rund 309 Millionen Dollar. Die Münchener Rück stehe bei entsprechenden Preisen und Vertragsbedingungen weiterhin bereit, sagte Jeworrek. "Wir bleiben diszipliniert, nehmen aber sich bietende Gelegenheiten wahr. Dabei achten wir genau darauf, die Inflation umsichtig einzupreisen."

Die Rückversicherer aus Europa - woher mit der Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück drei der vier größten kommen - litten zudem unter dem starken Dollar, der die Schadenzahlungen auf dem riesigen amerikanischen Rückvericherungsmarkt verteuerten, sagte Jeworrek. Bei der Kapitalanlage profitiere die Münchener Rück mittelfristig von den steigenden Zinsen.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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