Wirtschaft

Wall Street setzt Talfahrt fort Inflationsängste verschrecken US-Anleger

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Trübe Aussichten an der Wall Street.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Inflations- und Zinsängste treiben die Anleger an der Wall Street in die Flucht. Steigende Rohstoffpreise sowie die anstehende Bekanntgabe aktueller Preisdaten aus den Vereinigten Staaten sorgen zunehmend für Nervosität.

Belastet von erneuten Kursverlusten der US-Technologiekonzerne gibt die Wall Street nach. Der Dow Jones Industrial, der tags zuvor erstmals über die Marke von 35.000 Punkten auf ein weiteres Rekordhoch gestiegen war, schloss mit einem Minus von 1,36 Prozent tiefer bei 34.269,16 Punkten. Der marktbreite S&P 500 verlor 0,87 Prozent auf 4152,10 Zähler. Der technologielastige Nasdaq 100 sank um 0,06 Prozent auf 13.351,27 Punkte, nachdem er zum Wochenstart um 2,6 Prozent abgesackt war.

"Wenn man wachstumsstarke Technologiewerte auf Basis ihrer Gewinne in zehn Jahren bewertet, sind diese Überschüsse bei einer gestiegenen Inflation weniger wert als heutzutage", sagte Dan Eye, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Fort Pitt. Vor diesem Hintergrund gaben die Aktien von US-Konzernen wie Apple, Microsoft oder die Google-Mutter Alphabet bis zu ein Prozent nach.

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An der Preisfront braue sich der perfekte Sturm zusammen, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Derzeit heizten steigende Löhne, steigende Rohstoffpreise und der sich nach der Pandemie auflösende Konsumstau die Inflation an. "Der Preisdruck wird nicht so vorübergehend sein wie die US-Notenbank Fed denkt." Vor diesem Hintergrund warteten Börsianer gespannt auf die US-Verbraucherpreisdaten am Mittwoch. Analysten rechnen im Schnitt für April mit einer Teuerungsrate von 3,6 Prozent im Jahresvergleich. Im Vormonat hatte der Wert bei 2,6 Prozent gelegen.

Devisenanleger rechneten aber ungeachtet eines möglichen Inflationsanstiegs nicht damit, dass die Fed die geldpolitischen Zügel in absehbarer Zukunft anziehen werde, sagte Karl Schamotta, Chef-Anlagestratege des Finanzdienstleisters Cambridge Global Payments. Dies drückte den Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, auf ein Zweieinhalb-Monats-Tief von 89,982 Punkten.

Am Markt für Industriemetalle prägten Konjunkturoptimisten die Stimmung. Sie setzten auf eine anziehende Nachfrage dank des erwarteten weltweiten Aufschwungs bei einem gleichzeitig knappen Angebot, sagten Börsianer. Kupfer stieg auf 10.724 Dollar je Tonne und blieb auf Tuchfühlung mit dem jüngsten Rekordhoch von 10.747,50 Dollar.

Bei den US-Aktienwerten stach Novavax mit einem Kursrutsch von 14 Prozent heraus. Die Pharmafirma rechnet erst im dritten Quartal statt schon im Mai mit einer US-Zulassung für seinen Coronavirus-Impfstoff. Die Verzögerungen seien zwar eine Enttäuschung, kommentierte Analyst Kelechi Chikere von der Investmentbank Jefferies. An den mittel- bis langfristigen Aussichten ändere sich aber nichts. Abwärts ging es auch für L Brands. Die Titel des Mode- und Kosmetik-Konzerns verloren 1,8 Prozent. Das Unternehmen will seine Unterwäschemarke "Victoria's Secret" abspalten statt wie allgemein erhofft verkaufen. Medienberichten zufolge könnte "Victoria's Secret" an der Börse mit fünf bis sieben Milliarden Dollar bewertet werden. Die Gebote für Kaufinteressenten hätten bei drei Milliarden Dollar gelegen.

Tesla verbilligten sich um 1,9 Prozent. Der Hersteller von Elektroautos hat den Kauf eines Grundstücks in Schanghai vorerst auf Eis gelegt, wie Reuters unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtet. Eigentlich wollte Tesla seine Produktionskapazitäten in China ausbauen, verzichte darauf zunächst aber wegen der Spannungen zwischen China und den USA. Honeywell zeigten sich derweil 1,4 Prozent niedriger. Die Aktie wechselt von der Nyse an die Nasdaq. Die Boeing-Aktie sackte um 1,7 Prozent ab. Der Flugzeugbauer hat im April lediglich 17 Maschinen ausgeliefert, Konkurrent Airbus kam auf 45 Flugzeuge.

Quelle: ntv.de, mba/rts

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