Wirtschaft

Markt-Liebling mit Ramsch-Note Investoren überschütten Athen mit Milliarden

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Favorit der Investoren und der Wähler: Der neue Ministerpräsident Mitsotakis am Wahlabend.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Anleger reißen sich um Griechenlands neue Staatsanleihen, obwohl das Land weiter die höchste Schuldenquote in Europa hat und seine Bonität auf Ramsch-Niveau liegt. Dabei braucht die Regierung das Geld aktuell überhaupt nicht, sie sitzt bereits auf einem Bargeld-Polster von fast 40 Milliarden Euro.

Die neue griechische Regierung ist gerade eine gute Woche im Amt. Ob und wie sich der Wechsel von der linken zur konservativen Führung konkret in der Finanz- und Währungspolitik niederschlagen wird, ist noch gar nicht abzusehen. Unter Investoren herrscht dennoch eine Euphorie, als ob der neue Premier Kyriakos Mitsotakis sämtliche Probleme des immer noch hochverschuldeten Landes schon gelöste hätte. Die Geldgeber reißen sich jedenfalls förmlich um die jüngsten Staatsanleihen. Papiere für insgesamt 2,5 Milliarden Euro bot Griechenland am Dienstag an - Bestellungen für mehr als 13 Milliarden Euro gingen ein.

Das Bemerkenswerte: Die Athener Regierung zahlt gerade einmal 1,9 Prozent auf die sieben Jahre laufenden Papiere. Das ist für Griechenland ein Rekord-Tiefststand. Auf dem Höhepunkt der griechischen Schuldenkrise waren solche Anleihen mit einer Rendite von mehr als 40 Prozent gehandelt worden. Vor allem aber verlangen die Anleger damit derzeit weniger Zinsen für die griechischen Schulden, deren Bonität immer noch mit Ramsch-Niveau bewertet wird, als für US-amerikanische Staatsanleihen.

Dabei stürzen sich die Anleger nicht nur auf Anleihen Griechenlands. Auch an der Athener Börse sind die Kurse im vergangenen halben Jahr in die Höhe geschossen. Mit einem Plus von mehr als 40 Prozent seit Jahresbeginn ist der Leitindex Athex absoluter Spitzenreiter unter den europäischen Aktienmärkten.

Als Grund für den Run auf griechische Geldanlagen führen Investoren immer wieder den sich schon seit Monaten abzeichnenden Machtwechsel in Athen und den erwarteten wirtschaftsfreundlichen Kurs der neuen Regierung an. Griechenland hat sich gegenüber seinen Gläubigern verpflichtet, auch nach dem Ende des letzten Rettungspaketes jährlich einen hohen primären Haushaltsüberschuss (also vor dem Schuldendienst) zu erwirtschaften. Zudem verfügt die Regierung derzeit trotz der Staatsschulden in Höhe von 180 Prozent der Wirtschaftsleistung über ein stattliches Polster von etwa 37 Milliarden Euro an Barmitteln. Sie hat also noch nicht einmal aktuell dringenden Bedarf an neuen Milliarden vom Finanzmarkt, sondern nutzt lediglich das aktuell günstige Umfeld, um sich einen noch komfortableren Puffer aufzubauen.

Neben der neuen Stabilität, die Athen ausstrahlt, dürften es vor allem die mageren Zinsen andernorts sein, die die Anleger nach Griechenland treiben. So müssen Anleger aktuell sogar draufzahlen, wenn sie ihr Geld in als besonders sicher geltenden deutschen Staatsanleihen anlegen wollen. Am Markt wird zudem spekuliert, dass die Europäische Zentralbank ihr Programm zum Ankauf von Staatsanleihen wieder aufnehmen und diesmal auch Griechenland darin einschließen könnte. Bislang wurden griechische Anleihen wegen ihrer Ramsch-Einstufung in dem Programm nicht berücksichtigt. Im August, wenn die Ratingagenturen Fitch und Moody's Griechenland neu bewerten, könnte sich das ändern. Und sollte all das nicht so kommen, dürften die Renditen für die griechischen Papiere wieder anziehen - doch die Regierung hat ihren Bedarf am Finanzmarkt dann schon für weit über dieses Jahr hinaus schon gesichert.

Quelle: n-tv.de

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