Wirtschaft
Paolo Savona (links) bleibt ein Unruhestifter in Giuseppe Contes Regierung.
Paolo Savona (links) bleibt ein Unruhestifter in Giuseppe Contes Regierung.(Foto: imago/Insidefoto)
Dienstag, 10. Juli 2018

Ausschläge an Finanzmärkten: Italiens Europaminister schürt Unruhe

Der Euro-Skeptiker Savona ist zwar nicht italienischer Finanzminister geworden, aber auch als Europaminister macht er Stimmung gegen die Gemeinschaftswährung. Sein Land müsse "auf alle Eventualitäten vorbereitet" sein. Die Finanzmärkte reagieren auf die Provokation.

Aus Italiens Regierung werden wieder skeptische Töne zur Euro-Mitgliedschaft laut. Europaminister Paolo Savona sagte vor Senatoren, es sei notwendig, "auf alle Eventualitäten vorbereitet" zu sein. "Wir könnten in eine Lage geraten, in der nicht wir, sondern andere entscheiden", so der 81-Jährige.

An den Finanzmärkten sorgten seine Bemerkungen kurzzeitig für Unruhe. Die Renditen der italienischen Staatsanleihen legten vorübergehend zu, die Aktienbörse gab nach. Savona sei ein bekannter Euro-Skeptiker, sagte Analyst Chris Scicluna von der Investmentbank Daiwa Capital Markets. "Er scheint ganz bewusst zu provozieren."

Savona hat den Beitritt Italiens zum Euro als historischen Irrtum bezeichnet und einen Plan B gefordert, um die Währungsunion notfalls wieder verlassen zu können. In seinem jüngsten Buch wirft der frühere Universitätsprofessor Deutschland vor, nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg Europa wirtschaftlich dominieren zu wollen.

Savona sollte nach dem Willen der populistischen Regierungskoalition aus Lega und 5-Sterne-Bewegung eigentlich Wirtschafts- und Finanzminister werden. Doch dies ließ Staatspräsident Sergio Mattarella nicht zu. Das Amt übernahm stattdessen Giovanni Tria, der für einen Verbleib des Landes im Euro eintritt.

Das Regierungsbündnis plant weitreichende Steuersenkungen und höhere Sozialausgaben. Es wird erwartet, dass dies zu einem Streit mit der EU-Kommission über Haushaltsdefizite führen wird. Dies nährt Ängste vor einer neuen Schuldenkrise.

Italiens Notenbankchef Ignazio Visco hält sein Land für verwundbarer als vor zehn Jahren. Der Reformeifer sei abgeebbt, sagte er und warnte die Regierung davor, die Staatsverschuldung in die Höhe zu treiben. "Umsicht und Weitsicht sind notwendig um Marktspannungen zu vermeiden", mahnte Visco.

Quelle: n-tv.de