Wirtschaft

Trump beruft Kompromisskandidat Jerome Powell soll US-Notenbankchef werden

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Bei der Besetzung des Fed-Chefposten tut Trump etwas für ihn Ungewöhnliches: Er setzt mit Powell auf Kontinuität und einen Kompromisskandidaten.

(Foto: AP)

Das Rennen um einen der wichtigsten Jobs in der Finanzwelt ist entschieden: Fed-Direktor Jerome Powell soll nach dem Willen von US-Präsident Trump an die Spitze der amerikanischen Notenbank aufrücken.

Stabwechsel bei der US-Notenbank: Die Fed soll künftig von dem langjährigen Direktor Jerome Powell geführt werden. US-Präsident Donald Trump nominierte den 64-Jährigen als Nachfolger der amtierenden Chefin Janet Yellen, deren Mandat Anfang Februar 2018 abläuft.  Erstmals seit 1979 wird damit einem US-Notenbankchef trotz erfolgreicher Bilanz eine zweite Amtszeit verweigert.

"Er wird die Führungsstärke zeigen, die wir brauchen", sagte Trump. "Es gibt wenige Positionen, die wichtiger sind als diese", betonte der Präsident. Powell habe gezeigt, dass er ein Mann des Konsens sei, der die Wirtschaft durch alle Herausforderungen führen könne. "Ich hoffe, der Senat wird ihn schnell bestätigen." 

Powell wird im Gegensatz zu Yellen eine gewisse Nähe zu den regierenden Republikanern nachgesagt. Er hatte bereits für die Regierung von George H. W. Bush gearbeitet. Ökonomisch vertritt Powell jedoch im Grundsatz die Linie Yellens, so dass Experten im Fall seiner Wahl eine kontinuierliche Weiterentwicklung der US-Geldpolitik erwarten. Er ist bereits seit 2012 Mitglied des Board of Governors, des Führungsgremiums der Fed.

Die amerikanische Notenbank kann über die Instrumente Zinsen und Geldmenge wirtschaftliche Entwicklungen und Entscheidungen in der ganzen Welt mitprägen. Ihr Chef gehört zu den einflussreichsten wirtschaftlichen Akteuren überhaupt. Auch der Außenwert des US-Dollars, in dem sich etwa viele Länder verschuldet haben, hängt maßgeblich von der Politik der Fed ab. Die Devisenkurse sind zudem ein wichtiger Faktor in den internationalen Handelsströmen. Unmittelbar vor der Personalentscheidung hatte die Notenbank in Washington ihren Leitzins am Mittwoch erwartungsgemäß unangetastet gelassen.

Inflation macht Notenbank zu schaffen

Die Fed blickt derzeit mit Sorge auf die Daten zur Teuerung, die trotz der günstigen Wachstums- und Arbeitsmarktbedingungen nicht in gewünschtem Maße anzieht. "Die Inflation für Güter mit Ausnahme von Nahrungsmitteln und Energie ist weiterhin schwach", hieß es in einer Mitteilung.

Von Powell wird erwartet, dass er den Kurs Yellens mit leichten Zinserhöhungen und einem langsamen, aber stetigen Verkauf von in der Finanzkrise zugekauften Anleihen fortsetzen wird. Er gilt auch als persönlicher Favorit von Finanzminister Steven Mnuchin.

Mit Powell entschloss sich Trump für eine sichere Variante an der Spitze der Notenbank. Als Kompromisskandidat gilt er auch für die Demokraten im Kongress als akzeptabel und seine Nominierung daher als unproblematische. Teile der republikanischen Partei hätten allerding lieber eine Persönlichkeit mit härterer Gangart an der Fed-Spitze gesehen, die schneller die Zinsen anhebt.

Quelle: ntv.de, mbo/dpa/rts