Wirtschaft

Preis im Höhenflug Jetzt noch Gold kaufen? 

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Gold ist derzeit recht beliebt.

(Foto: REUTERS)

Der Goldpreis scheint derzeit nur eine Richtung zu kennen: nach oben. In Euro gerechnet ist das Edelmetall so teuer wie noch nie. Es kann sich dennoch auch jetzt lohnen, den Rohstoff zu kaufen.

Die Märkte spielen derzeit verrückt: Angetrieben von den Liquiditätsspritzen der Notenbanken und Regierungen scheinen die Aktienmärkte derzeit jeden Bezug zu fundamental gesunden Bewertungsrelationen verloren zu haben. Auch der Anleihemarkt wird durch die massiven Käufe der Notenbanken verzerrt und spiegelt die Risiken nicht angemessen wider.

Gold als vermeintlich "sicherer Hafen" erlebt daher eine neue Blüte. Mitte April kletterte der Preis in Euro gerechnet bereits auf Rekord, in Dollar fehlten kürzlich nur gut zehn Prozent bis zum Hoch von 2011. Besonders institutionelle Anleger in den USA haben ihr Engagement in den Gold-ETFs, vor allem dem beliebten SPDR Gold Trust, massiv ausgebaut. Dessen Bestände sind auf ein Sieben-Jahres-Hoch gestiegen.

"Wegen dieser Sorgen haben Investoren zuletzt Geld aus Aktien in Gold umgeschichtet, woraufhin der Preis nach oben geschossen ist", sagt Funda Sertkaya vom Edelmetallhändler Ophirum mit Blick auf den Anleihe- und den Aktienmarkt. Zugleich steigen angesichts von massiven Konjunkturprogrammen und Liquiditätsspritzen die Befürchtungen vor einer kräftig anspringenden Inflation. Gold als wertbeständiges Investment ist daher gesucht.

Gerade das Argument, Gold aus Sorgen vor einer anziehenden Teuerung zu kaufen, könnte aber nicht greifen. Aktuell ist die Konjunktur nämlich einem Angebotsschock, einem Nachfrageschock und einem Ölpreisschock ausgesetzt. Das heißt: Trotz aller Geldspritzen und Konjunkturprogramme könnte es sogar dazu kommen, dass die Teuerungsrate niedrig bleibt.

Wiederholt sich die Geschichte?

Als Blaupause dient möglicherweise die Finanzkrise vor rund zwölf Jahren. Im Sommer 2009 lag die Inflationsrate in der Eurozone bei minus 0,6 Prozent. Zwei Jahre später waren es kurzzeitig immerhin drei Prozent - und Gold erreichte die Rekordmarke von gut 1900 Dollar. Anschließend ging die Inflation aber kräftig zurück, bis Ende 2015 fiel die Feinunze um mehr als 40 Prozent.

Da die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen gegen die Corona-Krise wesentlich umfangreicher ausfallen als während der Finanzkrise, dürften auch die zu erwartenden Ausschläge nach oben und unten noch extremer sein. Das grundsätzliche Ablaufmuster sollte aber gültig bleiben.

Unterstützung erfährt das Edelmetall hingegen von den Anleihemärkten. Anders als vor gut zehn Jahren sind die Renditen wegen der kräftigen Eingriffe der Notenbanken im Keller, Gold gewinnt somit als Alternative an Attraktivität. Ein einfaches Gold-Investment ist der Kauf eines Gold-ETCs (Exchange Traded Commodity). Ein Beispiel: Das Papier mit der WKN PS7G0L (BNP Paribas) hat eine unbegrenzte Laufzeit und folgt dem Goldpreis in Dollar 1:1. Es besteht also ein Währungsrisiko. Die Gebühren betragen 0,99 Prozent.

Als Beimischung geeignet

Als Absicherungsinstrument in Crash-Phasen eignet sich Gold ebenfalls nur bedingt. Denn in diesen Zeiten kann der plötzliche Liquiditätsbedarf Investoren zwingen, ihr Gold zu verkaufen. Das drückt den Preis. Zu sehen war dies während der Crash-Phase im März, als Investoren Nachschussforderungen an anderen Märkten nachkommen mussten und sich deshalb von Gold trennten. Ähnliche Zwangsverkäufe waren auch 2008 zu beobachten. Sollten die Börsen wegen einer zweiten Corona-Welle erneut abstürzen, könnte sich das Muster wiederholen.

Gold ist daher nur als Beimischung im Depot sinnvoll. Eine interessante Alternative zu einem Direktinvestment in Barren oder Münzen ist beispielsweise ein Capped-Call-Optionsschein von Morgan Stanley. Die WKN MC5D7P bietet eine jährliche Rendite zwischen 15 Prozent und 40 Prozent, wenn die Feinunze zum Bewertungstag Mitte September über 1550 Dollar steht. Die Chancen dafür sind durchaus gut. Ein Direktinvestment ist nur dann vorteilhafter, wenn Gold um mehr als 15 Prozent und somit auf einen frischen Rekord steigen würde.

Benjamin Feingold betreibt das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an

Quelle: ntv.de