Wirtschaft
Raindolf Owusu (24) hat Afrikas ersten Internetbrowser entwickelt. Er wird auch der "Mark Zuckerberg von Afrika" genannt.
Raindolf Owusu (24) hat Afrikas ersten Internetbrowser entwickelt. Er wird auch der "Mark Zuckerberg von Afrika" genannt.(Foto: dpa)
Samstag, 08. August 2015

"Anfang war sehr, sehr schwer": Jungunternehmer erobern Afrika

Wer an den afrikanischen Kontinent denkt, denkt oft an Armut, Korruption und Konflikte. Dieses Image wollen Jungunternehmer aufpolieren - mit kreativen Ideen. Über 70 Prozent der Bevölkerung ist unter 30. In der jungen Generation schlummert ein riesiges Potential.

Sie sind jung, sie sind klug und sie kommen aus Afrika. Noch vor ihrem 30. Geburtstag haben sie erfolgreiche Firmen gegründet, Arbeitsplätze geschaffen und zumindest einen Teil des riesigen Potentials ihres Kontinents verwirklicht. Rund 70 Prozent der Bevölkerung Schwarzafrikas ist laut einer Statistik der Vereinten Nationen unter 30. Je nach Ausbildung kann das ein Vor- oder Nachteil sein. Denn Analphabetismus ist noch weit verbreitet, aber immer mehr junge Menschen bauen sich trotz Schwierigkeiten eine eigene Existenz auf.

Der Kameruner Arthur Zang war 27 als er einen Touchscreen Tablet-PC erfand, der Krankenpflegern in abgelegenen ländlichen Gegenden bei Herzuntersuchungen hilft. Die Technologie sei eigentlich simpel, erklärt der Ingenieur. Drahtlose Elektroden am Brustkorb des Patienten würden Daten über eine Bluetooth-Verbindung auf das "CardioPad" übermitteln, das dann ein digitales EKG zur Ferndiagnose an einen Spezialisten sende.

Kurz nach dem Uni-Abschluss erhielt Zang eine Existenzgründerbeihilfe von 36.000 Euro von dem Kameruner Präsidenten Paul Biya zur Herstellung der ersten 20 Geräte. Jetzt ist Zang dabei, seine Firma zu vergrößern. Er würde gerne zum Wachstum einer Medizinindustrie in Afrika beitragen, die "Geräte für Krankenhäuser vor Ort und zu bezahlbaren Preisen herstellt".

Der "Mark Zuckerberg von Afrika"

Kenyan Catherine Mahugu (26) hat einen Online-Shop für Kunsthandwerk eröffnet, bei dem Menschen vom Land ihre Handarbeiten weltweit verkaufen können.
Kenyan Catherine Mahugu (26) hat einen Online-Shop für Kunsthandwerk eröffnet, bei dem Menschen vom Land ihre Handarbeiten weltweit verkaufen können.(Foto: dpa)

In Ghana gehört der 24-jährige Raindolf Owusu, der erst im vergangenen Jahr seinen Studienabschluss in Informatik machte, bereits zu den Spitzenunternehmern seines Landes. Vor vier Jahren gründete er die Softwarefirma "Oasis Websoft", die Afrikas ersten Internetbrowser, "Anansi", entwickelte. Das Wirtschaftsmagazin Forbes bezeichnete Owusu daraufhin als den Mark Zuckerberg des Kontinents. "An der Universität gab es einfach zu viel Theorie. Ich wollte etwas Praktisches. Deshalb entschied ich mich, an Dingen zu arbeiten, die Probleme lösen", sagte Owusu.

Als Ende 2013 die Ebola-Epidemie in Westafrika ausbrach, entwickelte Owusu schnell eine interaktive Handy-App, auf der Menschen Informationen abrufen und Fragen zu dem Virus stellen konnten. "Der Anfang war sehr, sehr schwer", sagt Owusu. Er bat seine Angestellten, zu Hause oder im Café zu arbeiten, um Kosten zu sparen und soviel Einkommen wie möglich wieder in die Firma investieren zu können.

Die Unternehmerin Catherine Mahugu sieht den überregionalen Handel als Schlüssel zum Erfolg. 2010 eröffnete die 26-jährige Kenianerin einen Onlinevertrieb, über den lokale Hersteller von Kunsthandwerk, die oft in verarmten ländlichen Gegenden leben, ihre Produkte weltweit verkaufen können. Dazu brauchen sie nur ein einfaches Handy. Die Künstler senden Fotos ihrer Handarbeiten an "Soko", was auf Suaheli "Marktplatz" bedeutet. "Soko" sorgt dann für das Marketing, Verpackung und Versendung. "Wir sorgen dafür, dass die Künstler mehr Geld für ihre hochwertigen Waren bekommen," sagt Mahugu. "Die Handarbeitsindustrie ist der zweitgrößte Arbeitgeber in den Entwicklungsländern, aber gewöhnlich auch der mit der geringsten Macht."

Taxi-Industrie ist für Raubüberfälle bekannt

Bankole Cardoso, der im nigerianischen Lagos, der größten Stadt Afrikas, lebt, gründete "Easy Taxi" mit dem Ziel eines sicheren Taxi-Unternehmens. Weil die Taxi-Industrie in Nigeria für Raubüberfälle und Entführungen bekannt ist, hatte der 26-Jährige die Idee, Taxi-Dienste mit mobiler Technologie zu kombinieren. "Easy Taxi" ist sicher und zuverlässig, weil wir Informationen über den Fahrer haben, sein Foto, und seine Route auf einer Karte verfolgen," erklärt der Jungunternehmer. Die bei "Easy Taxi" registrierten Fahrer profitieren im Gegenzug von einem Stammklientel. Cardoso, der seine Karriere bei dem Unternehmensberater PricewaterhouseCoopers in New York begann, kehrte nach Nigeria zurück, "um eine afrikanische Unternehmerschaft zu fördern." Als Mentor kümmert er sich auch um Talente, die noch jünger sind als er selbst.

Wenn noch mehr Afrikaner den Beispielen von Cardoso, Mahugu, Owusu, Mutambo und Zang folgen, könnte die Zukunft des Kontinents bald vielversprechender aussehen. Jungunternehmer schaffen "steiles Wachstum, Arbeitsplätze und Erfolg", heißt es in einem aktuellen Bericht der globalen Beraterfirma "Ernst & Young".

Quelle: n-tv.de