Wirtschaft

Fusion von Kaufhof und Karstadt Kaufhäuser planen nur wenige Schließungen

Sollten die Warenhäuser Kaufhof und Karstadt zusammengehen, werden wohl auch einige Filialen dichtmachen müssen. Aus Verhandlungskreisen sickert allerdings durch, dass dann nur einige Standorte betroffen seien - weniger als bislang befürchtet.

In den Verhandlungen um die Fusion von Karstadt und Kaufhof stehen die wenigsten Filialen zur Disposition. Vermutlich würden weniger als 15 Filialen geschlossen, sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters, ein anderer sprach von bis zu fünf Standorten. Karstadt sei daran interessiert, so viele Kaufhäuser wie möglich zu erhalten und in die Profitabilität zu führen. Kaufhof betreibt in Deutschland derzeit 96 Warenhäuser, Karstadt 82.

Kaufhof-Eigner Hudson's Bay (HBC) und der österreichische Karstadt-Eigentümer Rene Benko haben sich Insidern zufolge nach langem Ringen bereits auf Eckpunkte für eine Fusion verständigt. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen. Die Gespräche seien aber schon so weit vorangeschritten, dass Experten Einblick in die vertraulichen Wirtschaftsdaten der jeweils anderen Seite nehmen könnten.

Benkos Firma Signa solle wie erwartet etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft managen. Kaufhof-Eigner HBC würden bei dem Deal voraussichtlich knapp eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Immobilien zufließen, hieß es weiter. Die Fusion sehe vor, Kaufhof, Karstadt und Karstadt Sport in ein Joint Venture einzubringen. Der Titel des Papiers soll "Vereinbarung zu einer Fusion unter Gleichen im europäischen Warenhaus-Geschäft" lauten.

Karstadt-Eigentümer Benko liebäugelt seit Jahren damit, auch den Kaufhof in sein Warenhausimperium zu integrieren und durch den Zusammenschluss der Rivalen eine "Deutsche Warenhaus AG" zu schaffen. Doch seine Anläufe zur Übernahme von Kaufhof waren in den vergangenen Jahren immer wieder gescheitert. Erst vor wenigen Monaten hatte HBC das drei Milliarden Euro schwere Kaufangebot des Österreichers für den Kaufhof und ein damit verbundenes Immobilienpaket abgelehnt.

Verdi fordert Stellungnahme

Zu dem wahrscheinlicher werdenden Zusammengehen der Warenhausketten fordert Verdi eine Stellungnahme der Eigentümer. "Es macht wenig Sinn, zu spekulieren, was das alles für Auswirkungen haben könnte", sagte der Landesfachbereichsleiter von Verdi Baden-Württemberg, Bernhard Franke. Die bereits begonnenen Gespräche über einen Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof könnten nicht vorankommen, wenn die Rahmenbedingungen für das Unternehmen völlig unklar seien.

"Es sind immer noch viele Fragezeichen da", kritisierte er die Informationsgebung durch die Eigentümerseite. Die Gewerkschaft strebe rasche Gespräche an. "Sobald die Eignerseite ihre Angelegenheit geklärt hat, werden wir in Gesprächen eintreten, um Regelungen zu finden, die die Interessen der Beschäftigten von beiden Unternehmen wahren", unterstrich Franke, der Verdi-Verhandlungsführer für einen Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof ist.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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